Betreiber sehen Pläne für Lippetal/Uentrop gelassen

Gewerbegebiet am Kult-Campingplatz: Na und? Dann eben "eine Attraktion mehr"

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Das Betreiberpaar Agnieszka und Achim Helbach macht sich keine Sorgen wegen des geplanten Gewerbegebiets. Das nah gelegene Kraftwerk Westfalen hat dem Campingplatz Uentrop im Lippetal ohnehin längst einen Kultstatus beschert.

Umzingelt von einem Kraftwerk und der Autobahn A2 – so lautet das Schicksal des bundesweit berühmten Campingplatzes Uentrop in Lippetal. Schräg gegenüber wird nun wohl auch noch ein Gewerbegebiet entstehen. Ob die Betreiber das gut finden?

Uentrop/Lippetal – Um die Weichen für das Gewerbe-Projekt zu stellen, hat die Stadt Hamm sich zu 50 Prozent an einer GmbH beteiligt, die das Industriegebiet entwickeln will. Achim Helbach, Betreiber des Campingplatzes, schaut dem Vorhaben ganz gelassen entgegen: „Eine Attraktion mehr“, sagt er nüchtern. „Irgendetwas Außergewöhnliches muss ja noch da sein“, kommentiert er die schrittweise Stilllegung des nahegelegenen Kraftwerks Westfalen.

Gemeinsam mit seiner Frau Agnieszka betreibt Achim Helbach den Campingplatz schon seit vielen Jahren. Genau deshalb bleibt er auch skeptisch, was die Umsetzung des Industriegebiets betrifft. „Ich kann mir das noch nicht so ganz vorstellen. Das wird ja schon seit einer Ewigkeit diskutiert. Und bis jetzt hat es nie geklappt. Aber meinetwegen können sie das gerne machen.“

Schließlich habe es auch etwas Gutes, wenn sich bestimmte Gewerbebetriebe dort ansiedeln. „Wir könnten davon profitieren, wenn zum Beispiel Montagearbeiter aus dem Industriegebiet bei uns unterkommen wollen.“

Das Ost-Ende des Campingplatzes: Von hier könnten die Gäste bald in Richtung Gewerbegebiet schauen.

Doch was ist mit der Ruhe?

„Schlimmer kann es eh nicht werden“, sagt Helbach mit einem Schmunzeln und fügt mit ernsterer Miene an: „Das ist immer ein wenig vom Wetter abhängig. Bei Regen und Westwind bekommen wir die A2 etwas mehr zu spüren.“

Anwohnerin Siegried Eger hat damit kein Problem. Sie zählt zu den festen Bewohnern im Campinglager. „Ich lebe hier seit 20 Jahren“, holt die 80-Jährige aus. Sie legt anderen Bewohnern oder Besuchern ans Herz: „Man kann sich an alles gewöhnen.“ Davon abgesehen dringen die Geräusche von der Autobahn tatsächlich nur bedingt bis zu ihrem Stellplatz durch. Anders könnte es aussehen, wenn nahe ihres Wunschzuhauses ein Industriegebiet entsteht. Doch davon wird die Sauerländerin dann vermutlich nicht mehr viel mitbekommen. „Ich bleibe hier nur noch ein Jahr. Irgendwann ist es auch mal gut.“

Langsam wieder normale Zustände

Langsam aber sicher herrschen im Lippetal wieder normale Zustände. Eine Woche mussten die Dauercamper wegen der Coronavirus-Krise ihre Plätze räumen, acht Wochen gab es keinen Tourismus. „Das Ostergeschäft ist uns weggebrochen“, erklärt Helbach.

Doch inzwischen herrscht wieder Leben auf dem Campingplatz. Trotzdem sind die Betreiber vorsichtig. „Wir wollen das Virus ganz sicher nicht hier haben. Es kommen immer noch keine Riesengruppen und die Wohnwagen und Zelte stehen in drei Metern Abstand zueinander.“

Ob sich die Pandemie nach wie vor auf die Gästezahlen auswirkt, findet Helbach schwierig abzuschätzen. Doch zumindest macht sich der Ausbruch im Schlachthof Tönnies bemerkbar. „Manche aus dem Kreis Warendorf sind vorzeitig abgerückt. Und wir haben Anrufe aus Gütersloh gekriegt, ob die Leute denn zu uns kommen können. Erst als ich das ,Okay‘ vom Ordnungsamt bekommen habe, konnte ich ihnen zusagen“, erklärt Helbach.

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