Schutz aus dem 3D-Drucker

SolidLine AG und Orthopädie Busch helfen im Kampf gegen das Coronavirus

Schutz aus dem Drucker: Sven Baumann (links) und Manuel Heithus von der SolidLine AG präsentieren ihre Maske mit quadratischem Filter.
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Schutz aus dem Drucker: Sven Baumann (links) und Manuel Heithus von der SolidLine AG präsentieren ihre Maske mit quadratischem Filter.

Hygieneartikel, die vor der Ansteckung durch das Corona-Virus schützen, sind knapp, die Hersteller kommen mit der Produktion nicht nach. Eine enorme Steigerung der Produktionszahlen könnte eine Idee bewirken, die unter anderem aus Hamm kommt: Gesichtsschutz aus dem 3D-Drucker.

Hamm – Und die Idee könnte einen Innovationsschub auslösen. Die SolidLine AG mit Sitz in der Nähe von Wiesbaden bietet mit ihrem Innovationszentrum in Hamm, das Anfang März im Ökozentrum eröffnete, eine Bandbreite an 3D-Druck-Technologien und werkstoffen an. Basierend auf jahrzehntelangen Erfahrung berät sie zielgerichtet, um Lösungen für spezielle Anwendungsgebiete und Anforderungen zu finden. In der dynamischen Entwicklung der Corona-Krise wird das Unternehmen aktiv und unterstützt auf Anforderung die Produktion von dringend benötigten Ersatzteilen oder von Schutzausrüstungen.

Wie den Gesichtsschutz aus dem 3D-Drucker: Das Produkt ist ein halbkreisartig geformter Ring aus Kunststoff, den sich medizinisches Personal mit Hilfe eines Gummis auf Stirnhöhe um den Kopf legen kann. An diesen Ring kann eine durchsichtige PTEG-Folie an vier Noppen befestigt werden. Der Clou: Solche Halterungen werden vom 3D-Drucker viel schneller hergestellt, als es bislang auf konventionellem Wege möglich ist.

Effizienter dank 3D-Drucker

„Bislang können 13 solcher Halterungen in der Woche hergestellt werden – mit dem 3D-Drucker haben wir 300 geschafft.“ sagt Mike Gregor, Leiter des Innovationszentrums in Hamm und Niederlassungsleiter der SolidLine AG in Dortmund. Um die Frage der medizinischen Zulässigkeit zu klären, arbeitet das PLM-Systemhaus mit der Universitätsklinik Tübingen zusammen und liefert der Einrichtung zudem als Spende 1000 Gesichtsschutzmasken.

Mike Gregor betont, dass die SolidLine nicht die Branche wechseln werde, sondern nur unterstützend aktiv ist – Sinn der Aktion „SolidlLine vs. Corona“ sei nicht Gesichtsschutz dauerhaft herzustellen, sondern in der Not zu unterstützen. „Wir wollten helfen und könne unter anderem zeigen, welche Möglichkeiten es im 3D-Druck-Bereich gibt."

Schutz aus dem 3D-Drucker von SolidLine aus Hamm Heessen

Schutz aus dem 3D-Drucker von SolidLine aus Hamm Heessen

Drei-Wege-Anschlüsse für Beatmungsgeräte

Das haben Manuel Heithus und Sven Baumann, Mitarbeiter Gregors im Hammer Innovationszentrum von Solidline auch an einem weiteren, in der Corona-Krise knappen Gut gezeigt. In ihren 3D-Druckern entstanden Drei-Wege-Anschlüsse für Beatmungsgeräte. Mike Gregor: „Damit kann eine Beatmungsmaschine drei Patienten versorgen und verdreifacht die Kapazität.“ Auch individuelle Einstellungen für den Sauerstoffgehalt der jeweiligen Patienten sind möglich.

Damit könnte im Bereich der Herstellung medizinischer Hygieneprodukte ein Innovationsschub in der Krise auftreten – so wie im Verwaltungsbereich, in dem Videokonferenzen schlagartig zugenommen haben und ein Digitalisierungsschub aufgetreten ist. So sei zu erwarten, dass Hygieneartikel künftig wesentlich häufiger aus dem 3D-Drucker kämen.

Orthopädie Busch produziert Schutzvisiere

Um dem Hammer Gesundheitswesen unter die Arme zu greifen, stellt auch die Orthopädietechnik Busch aus Hamm ihre Produktion um. Aus den 3-D-Druckern der Firma kommen ebenfalls Schutzvisiere. Hier werden sonst Prototypen für Prothesen und Orthesen erstellt. „In schweren Zeiten müssen wir alle zusammenhalten, helfen und einen Beitrag leisten“, antwortet Alexander Busch auf die Frage, wieso er sich in der aktuellen Situation nicht nur ums Geschäft, sondern auch um einen guten Zweck kümmert.

Auf Facebook habe er einen Kollegen entdeckt, der für die Arztpraxis seiner Frau mit Probeschuhfolien Schutzvisiere produziert hat. „Das können wir auch“, dachte sich Busch. Solche Folien haben Orthopädietechniker und Schuhmacher meist zu genüge auf Lager. Und so arbeitete er mit seinen Angestellten ein optimales Schutzvisier aus. Die Nähe des Standorts an der Werler Straße zum Evangelischen Krankenhaus spielte da auch eine Rolle. Denn von dort kam schnell der Wunsch: „So 100 Stück wären schon schön.“

Die richtige Vorlage

Nach ein paar detailverliebten Optimierungen wurde die Produktion gestartet, diese gestaltete sich mit reduzierter Teamstärke aber durchaus schwierig. Nachdem es für die ersten 30 Visiere ziemlich lang gedauert hat und einige logistische Hürden genommen werden mussten, musste eine andere Lösung her. Im Internet fand Busch eine Vorlage, die sich gut im 3D-Drucker produzieren lässt und mit normalen DIN A4-Folien zusammengebaut werden kann.

„Wir drucken jetzt seit zwei Wochen täglich 10 Visiere und verteilen diese nach Bedarf an Einrichtungen im Hammer Gesundheitswesen. Bisher waren alle ziemlich begeistert, und ich würde mich freuen, wenn sich noch weitere Produzenten für die Masken finden würden, um allen, die für andere Menschen zur Stelle sind, besseren Schutz zu ermöglichen“, erklärte Busch.

Vom Grundstoff zum fertigen Produkt

So funktioniert der 3D-Druck bei SolidLine: Der Grundstoff wird als Pulver in einem durchsichtigen Behälter in den Drucker geschoben. Ein Laser verbindet Schicht für Schicht die Pulverkörner überall dort, wo es der Plan vorsieht – der Plan besteht aus Daten, die vorher in das Steuerungsprogramm eingegeben wurden.

In einem Behälter können ein Produkt oder mehrere gleiche Produkte hergestellt werden. Begrenzt werden die Möglichkeiten lediglich durch die Größe des Behälters für das Pulver. Nach Ende des 3D-Drucks entnimmt ein Mitarbeiter das fertige Produkt und schüttelt das nicht verwendete Pulver einfach ab. Das nicht genutzte Pulver kann wiederverwendet werden.

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