Auftritt in Hamm

Arnd Zeigler kritisiert Fußball: „Alles Dinge, die am Fan vorbei gehen“ - Auftritt in Hamm

Arndt Zeigler an seinem Schreibtisch
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Grenzenlos fußballverrückt: Arnd Zeigler ist Fußball-Satiriker, Moderator und Stadionsprecher.

Der Fußball-Satiriker Arnd Zeigler kommt mit seiner Sommer-Show „Traumfußball unter Flutlicht – Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs live“ auf die Waldbühne in Heessen. Viele Dinge, die im modernen Fußball geschehen, sieht er kritisch.

Hamm – Der Moderator hat nicht nur mit „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ seine eigene Sendung im WDR, sondern ist auch seit 2001 Stadionsprecher beim jüngst abgestiegenen SV Werder Bremen. Warum er und viele andere Fußballfans trotz des vielen Leidens den Fußball so lieben und was die Zuschauer bei seinem Auftritt erwarten dürfen, hat Arnd Zeigler im Interview verraten.

Die Stadt Hamm kann, was den Fußball angeht, mit Ihren Bremern nicht ganz mithalten. Verbinden Sie dennoch etwas mit der Stadt?
Ja, witzigerweise. Schon in meiner Kindheit habe ich Sonderhefte gelesen und auswendig gelernt oder Tabellen studiert. Mit einem Kumpel habe ich auch immer den DFB-Pokal nachgespielt. Vereinsnamen auf Zettelchen geschrieben, ausgelost, Spiele mit Tipp-Kick ausgespielt, alles. Damals nahmen noch 128 statt 64 Vereine teil. Es gab also die Profimannschaften, aber auch die Amateure, bis hinunter in kleinere Amateurligen. Und der SC Eintracht Hamm war in den 1980er Jahren eine feste Größe als Amateurmannschaft in unserem DFB-Pokal. Es war sozusagen ein Vereinsname meiner Jugend. Zudem bin ich bereits 2019 einmal in Hamm im Maximilianpark aufgetreten.
Was erwartet die Zuschauer bei Ihrem Programm „Traumfußball unter Flutlicht – Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs live“?
In die Sommer-Show nehme ich sowohl Elemente aus meinem alten Tourprogramm „Dahin, wo es wehtut“ und Passagen aus meiner neuen Show „Hat schon Gelb“, die allerdings noch nicht gestartet ist. Wie auch in meinem Buch „Traumfußball, Wie unser Lieblingsspiel uns allen noch mehr Spaß machen kann“, ist das Kernthema der Show, dass ich versuche zu ergründen, warum wir Fans das alles mitmachen, was aktuell passiert und entschieden wird. Vor vier Jahren hat meine Tour angefangen und bis heute durch die Jahre hindurch hat sich nahezu alles verschlechtert. Da wäre die merkwürdige Europameisterschaft, die trotz der Pandemie teils vor vollen Rängen durchgeführt wurde, die WM 2022 in Katar, die merkwürdige Conference League, und auch der Meister der Bundesliga steht nahezu jedes Jahr schon vor der Saison fest. Das sind alles Dinge, die am Fan vorbei gehen und den Fußball fremd und weit weg erscheinen lassen. Wir als Fans müssen mehr leiden, bleiben aber dennoch unser Leben lang dabei und hoffen schon auf das nächste Highlight, welches eintreten könnte, aber möglicherweise auch niemals passiert. Ich versuche also zu erklären, was dennoch so toll am Fußball ist und was uns am Fußball festhalten lässt. Vor jedem Auftritt schaue ich auch interessehalber auf Wikipedia nach, welche Spieler aus der Stadt kommen, wo ich auftrete. Und da gibt es ja aus Hamm eine ganze Menge.
Was macht denn die Welt des Fußballs so wunderbar?
Wir Fußballfans sind alle verbunden über Hoffnungen, die wir miteinander teilen. Der Fußball verbindet uns also auf eine seltsame Art alle und für immer und ewig. Mein Sohn ist jetzt erwachsen, aber er ist mit meiner Leidenschaft zum Fußball aufgewachsen. Ich habe ihn mit fünf Jahren zum Training gefahren und ihm seine Schuhe zugebunden oder ihn getröstet, wenn er beim Kicken mal hingefallen ist. Und jetzt ist er erwachsen und wir tauschen uns über alles, was im Fußball passiert, miteinander aus. Es ist diese Hoffnung, etwas Besonderes zu erleben, die man bei keinem anderen Hobby hat. Ich weiß zum Beispiel jetzt noch genau, was ich gemacht habe, als es besondere Momente bei meinem Verein Werder Bremen gab. Man kann sagen, dass der Fußball immer tief in unser Leben und unsere Emotionen eingreift.
Um 20.30 Uhr startet Ihr Auftritt. Also zur Topspielzeit der 2. Liga. Diesmal stehen Sie aber nicht vor 42.000 Zuschauern im ausverkauften Weserstadion, sondern vor rund 1.000 Zuschauern in der Waldbühne in Heessen. Wie groß ist die Vorfreude, insbesondere mit Blick darauf, dass Sie endlich wieder den geliebten Fußball mit Fans und Zuschauern teilen können?
Riesig. Ich habe schon zwei Auftritte hinter mir und das war einfach nur schön. Man hat schon gesehen, dass sich die Leute wieder daran gewöhnen müssen, aber sie zeigen eine gesunde Grunddankbarkeit und merken, dass es hoffentlich wieder losgeht. Ich bin zwar auch in Autokinos aufgetreten, aber das war nur ein schwacher Ersatz. Unser erstes Heimspiel in der letzten Saison nach etlichen Geisterspieltagen fand noch vor Zuschauern statt. Es war ganz anders für die Spieler, wieder in die Gesichter der Fans zu gucken. So ist das bei mir genauso. Früher dachte man eigentlich, nur das nackte Fußballspiel selbst sei wichtig und das Drumherum nur Nebensache, aber jetzt wissen wir alle, dass das Spiel nur die Hälfte eines Ganzen ist. Der Fußball funktioniert ohne Fans auch ganz anders und Spiele laufen anders.
Also sind Sie froh, dass Sie jetzt wieder in die Gesichter der Gäste auf den Rängen schauen und das Lachen der Zuschauer erkennen können.
Genau. Als ich mit meiner Tour anfing, habe ich mich auch gefragt, wie ist das, wenn jemand Werder Bremen nicht mag oder ich zu seinem Verein in meiner Sendung mal gemein war. Aber es ist genau das Gegenteil eingetreten, weil wir alle das gleiche wollen, egal welchen Verein wir unterstützen. In Nordrhein-Westfalen ist diese Liebe bei den Fans wahrscheinlich noch etwas größer aufgrund der tiefverankerten Fußballtradition quer durch alle Teile der Gesellschaft, und deshalb freue ich mich sehr auf den Auftritt in Hamm. Auch, dass ein Rahmenprogramm veranstaltet wird, finde ich ganz toll, davon war ich sehr angetan.
Da es Ihnen ja egal ist, welchen Verein die Fans unterstützen, dürfen die Zuschauer sich also auch bei Ihrer Show theoretisch ein Trikot von Ihrem Rivalen, dem Hamburger SV überstreifen, oder?
Ja, das ist sogar ausdrücklich erwünscht. Meine Spitzen zum HSV sind jetzt natürlich auch weniger geworden. Der Fußball ist immer im Wandel und holt uns ein. Ich selbst bin auf einem Foto in meiner Show auch in einem HSV-Shirt zu sehen. Ich habe also auch schon peinliche Momente erlebt, aber am Ende mögen wir alle den Fußball und geben ihm immer wieder aufs Neue eine Liebeserklärung.


Arnd Zeigler ist mit seinem Programm am 1. September ab 20.30 Uhr auf der Waldbühne zu sehen (Einlass um 18.30 Uhr). Tickets unter www.vibefactory.de

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