Trend zu Teilzeit bringt neue Probleme

Arbeit am Limit: Auch in Hamm sind viele Lehrer überfordert

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Wenn kranke Lehrer ausfallen, kann auch in Hamm Unterricht nicht immer vertreten werden.

Eine hohe Zahl an Wochenstunden, Integration, Inklusion, Digitalisierung, große Klassen, schwierige Eltern, Mobbing. Lehrer müssen heute viele Dinge unter einen Hut bringen. Und dann auch noch unterrichten und benoten. Das überfordert offenbar einige Lehrkräfte – auch in Hamm.

Hamm – „Die Lehrer arbeiten am Limit. Das wirkt sich auf die Gesundheit aus. Viele trauen sich aber kaum, sich krank zu melden“, sagt Gabriele Breitkreutz. Sie ist Vorsitzende des Stadtverbandes der Bildungsgewerkschaft GEW in Hamm. Viele Lehrer hätten ein schlechtes Gewissen gegenüber den Kollegen, die ihren Unterricht dann vertreten müssen. „Lehrer halten deshalb lange still.“

Die Folge von Überlastungen am Arbeitsplatz sei, dass immer mehr Lehrer – auch junge – in Teilzeit gehen. Das wiederum führe dazu, dass die Unterrichtsplanung erschwert wird. Konkrete Zahlen, wie viele Lehrer über Überlastung klagen oder wie viele aus diesem Grund in Teilzeit gehen, nannte die GEW nicht. Die Landesregierung drückt sich seit Monaten davor, klar Auskunft zu dieser Problematik und dem damit verbundenen Unterrichtsausfall an Schulen zu geben.

Grundschulen besonders betroffen

Besonders groß sei das Problem an Grundschulen, wo die Zahl der Wochenstunden mit 28 am höchsten ist. „Dazu kommen noch Vorbereitung, Nachbereitung, Elterngespräche und andere organisatorische Aufgaben. Da bleibt kaum noch Zeit zum Durchschnaufen“, so Breitkreutz. Auch die Qualität der Lehre könne unter Umständen unter der hohen Belastung leiden.

Einige wenige Kräfte träfen mittlerweile auch die Entscheidung, ganz aus dem Beruf des Lehrers auszuscheiden. Das Problem: Einmal verbeamtet, bleiben Lehrern kaum Möglichkeiten, außerhalb des Regelbetriebs eine andere Aufgabe zu finden, ohne ihren Status einzubüßen. „Da ist es schwierig, irgendwo anders unterzukommen“, so Breitkreutz.

Um dieses Problem zu umgehen, gebe es andere Bewältigungsmechanismen – etwa langfristige Krankschreibungen und einen vorzeitigen Abschied in den Ruhestand. „Kaum ein Lehrer hält noch bis zum Ende seiner Dienstzeit durch. Das ist eine bedenkliche Entwicklung“, resümiert Breitkreutz.

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