Monatszahlen

Corona lähmt den Markt: Arbeitslosigkeit auf Rekordhoch, Kurzarbeit verhindert noch Entlassungswelle

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[Update] Hamm - Der Hammer Arbeitsmarkt ist noch immer massiv geprägt von den Auswirkungen der Corona-Krise.

Statt der sonst üblichen saisonalen Belebung stieg die Zahl der Arbeitslosen um 359 oder 4,2 Prozent auf 8.824. Der Anstieg war aber nur ein Drittel so hoch wie noch im April. Die Arbeitslosenquote kletterte um 0,4 Punkte auf jetzt 9,4 Prozent. Vor einem Jahr waren es fast 1.800 Arbeitslose weniger; die Quote lag damals bei 8,1 Prozent.

„Wir haben nicht vermutet, dass Arbeitslosigkeit bei uns noch einmal in diese Höhen steigt“, sagte Thomas Helm, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hamm. „Corona hat alles verändert.“

Firmen stellen kaum Menschen ein

Dass die Zahl der Arbeitslosen steigt, hat nicht in erster Linie mit Entlassungen zu tun. Das größere Problem: Firmen stellen derzeit kaum ein. Außerdem befinden sich viel weniger Menschen in Maßnahmen der Bundesagentur, die sie für Arbeit fit machen sollen. Diese Personen tauchen deshalb auch in der Statistik auf. Dazu kommen deutlich weniger Krankmeldungen.

Besonders ausländische Arbeitskräfte – also Personen ohne deutschen Pass – sind betroffen. Mit 2.998 gab es 478 (19 Prozent) ausländische Arbeitslose mehr als im Vorjahresmonat.

Kurzarbeit als Rettungsanker vieler Unternehmen

Dass nicht deutlich mehr Menschen aktuell ihre Jobs verlieren, liegt daran, dass viele Hammer Firmen die Möglichkeit der Kurzarbeit nutzen. Inzwischen haben in den vergangenen zehn Wochen seit dem Beginn des Shutdowns insgesamt 1.405 Unternehmen aus nahezu allen Branchen Arbeitsausfälle für 16.742 potenziell betroffene Arbeitnehmer angezeigt. Das sei rund doppelt so viel wie während der Wirtschafts- und Finanzkrise im gesamten Jahr 2009.

Der Eingang Kurzarbeitsanzeigen der Unternehmen in Hamm flachte merklich ab. Mittlerweile konzentrieren sich die meisten extra dafür umgeschulten Mitarbeiter der Agentur auf die Abrechnung des Kurzarbeitergeldes. Der erhebliche Teil der Firmen, die Kurzarbeit angezeigt haben, nähmen die Mittel auch tatsächlich in Anspruch, erklärte Helm. Das sei aber auch ein gutes Zeichen. „Die Kurzarbeit-Brücke hält stabil. Die Firmen sind optimistisch, dass sich die Lage normalisiert. Deshalb halten sie ihre Kräfte.“

Noch deutlich zu früh für Entwarnung

Zur Höhe des bereits in Hamm ausgezahlten Kurzarbeitergeldes machten die Agentur-Chefs keine Angaben. Das sei noch nicht möglich. Trotzdem sei von vielen Unternehmen zu hören, dass sie mit den Unterstützungsleistungen für den Moment gut über die Runden kämen.

Ein Firmensterben ist damit aber noch nicht gänzlich ausgeschlossen. Zwar wird es in Hamm auf absehbare Zeit keine Massenentlassungen geben, für eine Entwarnung sei es aber viel zu früh. Den großen Corona-Einbruch am Arbeitsmarkt habe man jetzt gesehen, so Helm. Wann es aber wieder zu echten Besserungen komme, sei angesichts der Einzigartigkeit der Lage und der fehlenden Erfahrungswerte schwer einzuschätzen.

Insolvenzwelle wohl erst im Herbst

Coronabedingte Insolvenzen wurden in Hamm bislang kaum bekannt. Die Fachabteilung am zuständigen Amtsgericht Dortmund rechne aber im Herbst mit einem nennenswerten Anstieg der Zahlen.

Es gibt allerdings auch Krisenprofiteure. So seien Zeitarbeitsjobs in der Logistik und in Callcentern derzeit stark nachgefragt, erklärte Helm. Auch Fachkräfte im Handwerk würden weiter gesucht.

Appell: Bewerbt euch auf Azubi-Stellen!

Sorgen bereitet den Agentur-Verantwortlichen indes der Ausbildungsmarkt. Es kämen derzeit kaum Bewerber dazu, Ausbildungsstellen aus allen Branchen seien aber da.

„Wir können nur dringend appellieren, sich zu bewerben. Die Situation war selten so günstig. Im nächsten Jahr dürften diejenigen, die dieses Jahr abwarten, auch auf den Markt strömen. Dann wird es schwieriger“, erklärte Thomas Keyen, operativer Geschäftsführer der Arbeitsagentur Hamm.

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