Es war nicht das erste Mal

Anna-Lena Helm entkommt Feuer an der Nelkenstraße nur knapp

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Anna-Lena Helm steht vor den Trümmern des Hauses, in dem sie zuletzt gewohnt hat. Fast ihr gesamtes Hab und Gut ist verbrannt oder unbrauchbar.

Heessen - Auch Anna-Lena Helm wurde Opfer des Brandes, der am Pfingstwochenende ein Haus auf der Nelkenstraße zerstörte. Für die 25-Jährige war es nicht das erste Mal.

Es ist nicht leicht, Anna-Lena Helm zu finden. Sie steht wie viele Menschen nicht im Telefonbuch, auch ihr Facebook-Profil ist nicht offensichtlich. Doch nach der Berichterstattung über das Ehepaar Brüggemann*, deren Haus an der Nelkenstraße an Pfingsten niederbrannte, meldete sie sich selbst in der Redaktion.

Helm ist als Mieterin im Obergeschoss des Hauses selbst Opfer des Brandes. Und das hat sie nicht zum ersten Mal erlebt. Im Laufe des Samstagabends kam sie in ihre Wohnung an der Nelkenstraße zurück, sagt die 25-Jährige, und hielt sich im Wohnzimmer auf. Ihr Hund lag wie so oft in der Küche.

Küche komplett in Flammen

Aufgeschreckt durch einen Knall habe sie in die Küche geschaut. „Ich dachte, mein Hund hätte etwas umgeschmissen“, sagt sie, „aber als ich die Tür aufmachte, stand die Küche komplett in Flammen.“ Sie packte ihren Hund und rannte aus dem Haus. „Dann habe ich bei meinen Vermietern im Erdgeschoss Sturm geklingelt“, sagt sie, „aber es regte sich nichts.“

Sie habe gedacht, die beiden seien außer Haus. Nur wenig später, die Feuerwehr war schon da, erschienen die beiden am Fenster. Feuerwehrleute holten sie aus dem Haus.

Alles ist verbrannt oder unbrauchbar

Zunächst kam sie bei einer Tante unter, jetzt hat sie ein Zimmer bei ihrem Vater bezogen und kann erst mal dort bleiben. Sie hat alles in der Wohnung zurücklassen müssen: Bücher, Erinnerungsstücke, Kleidung. Fast alles ist verbrannt oder zumindest unbrauchbar: „Alles riecht wie die ausgebrannte Wohnung.“

Den Geruch kennt sie, und das hat sie schwer erschüttert. Vor vier Jahren brannte ihr Elternhaus im Bezirk Uentrop nieder, sie konnte nur Fotos ihrer Großeltern retten – Fotos, die jetzt den Flammen an der Nelkenstraße zum Opfer fielen. „Einen Brand erleben die meisten Menschen nie im Leben, aber gewiss nicht zwei Mal“, sagt sie – und deswegen hat sie auch keine Hausratversicherung. „Ich hätte nie gedacht, dass das noch mal passiert, da habe ich mir als Studentin die Kosten gespart.“

Vor dem Nichts: Heessener Feuer-Opfer brauchen dringend Bleibe

Anna-Lena Helm hat auf Lehramt für Gymnasien studiert, sie ist gerade mit ihren Fächern Islamunterricht und Deutsch im Referendariat. Sie wird sich eine neue Wohnung suchen – Freunde lassen ganz analog und über Facebook den Hut ‘rumgehen und fahnden nach Möbeln und anderen Dingen, die Helm jetzt braucht.

Die Reaktionen auf das Unglück sind extrem unterschiedlich, hat Anna-Lena Helm festgestellt. In sozialen Netzwerken hat sie einen Shitstorm erlebt, in der realen Welt Hilfe erfahren. „Die Leute posten irgendwas, aber das hat nichts mit den Fakten zu tun.“ Sie vermisst Nachdenken und Empathie. „Mitleid brauche ich nicht“, sagt sie, sie erhält Unterstützung von Familie und Freunden. Für diese Hilfe bedankt sie sich – bei Nachbarn, Freunden und Familie.

Doppelhaushälfte wird abgerissen

Franka und Robert Brüggemann* bleiben zunächst in dem Hotel in der Nähe von Drensteinfurt, in dem sie in den Tagen nach dem Brand ihres Hauses an der Nelkenstraße untergekommen waren. „Bis Sonntag sind wir in ein Einzelzimmer gezogen, danach haben wir wieder unser altes Zimmer“, sagt Franka Brüggemann auf Nachfrage.

Nach dem Bericht über das Ehepaar erreichten die Redaktion mehrere Angebote, wo die Brüggemanns in den kommenden Wochen eine Bleibe finden könnten, aber die beiden haben sich entschieden, erst einmal im Hotel zu bleiben. „Wir haben eine Mietwohnung in Heessen in Aussicht“, sagt Franka Brüggemann, „und die könnten wir auch etwas längerfristig haben.“ Damit bliebe das Ehepaar in der gewohnten Umgebung.

Das abgebrannte Haus konnten sie kurz betreten, um nach Wertsachen zu schauen. „Das Haus ist ein Totalschaden, das wird abgerissen“, sagt die 57-Jährige. Man werde neu bauen, am liebsten auf dem eigenen Grundstück. Ob das möglich sei, werde in den kommenden Wochen entschieden. Der Kontakt mit der Versicherung sei hergestellt und laufe gut. Auf Nachfrage des Westfälischen Anzeigers teilte eine Sprecherin der Polizei mit, die Ermittlungen zum Brand liefen noch und man könne zur Brandursache nichts sagen.

* Der richtige Name von Franka und Robert Brüggemann ist der Redaktion bekannt. Im Bericht hat sie ihn auf Wunsch der Familie geändert.

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