Chefs von „Fashion Europe.Net“ sollen Millionen-Schaden verursacht haben

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Im Mai 2010 wurden die Geschäftsräume an der Roonstraße durchsucht.

HAMM - Der Höhenflug des 2006 in Hamm gegründeten Jeans-Vetriebs „Fashion Europe.Net“ (FE.N) könnte mit einer Bruchlandung vor dem Dortmunder Landgericht enden. Wie die Dortmunder Staatsanwaltschaft bestätigte, sind nach eineinhalbjährigen Ermittlungen nunmehr Anklagen gegen die beiden Geschäftsführer des Unternehmens erhoben worden.

Betrug, Insolvenzverschleppung und das Veruntreuen von Arbeitsentgelten werde dem aus Hamm stammenden Paar vorgeworfen. Der entstandene Schaden belaufe sich auf rund 1,3 Millionen Euro.

„Jeans geht immer“ lautete das Motto des Unternehmens, das ähnlich dem Tupperware-System funktionierte und innerhalb von zwei Jahren ein europaweites Netz von Vertriebspartnern aufgebaut hatte. 40 000 Partner sollen es zu Glanzzeiten gewesen sein, bei einem Gesamtumsatz von 25 Millionen Euro. Damit einher gingen Auszeichnungen als „Aufsteiger des Jahres (2007) oder als „Company of the Year“ (2008).

Doch Jeans gingen nach Auffassung der Dortmunder Staatsanwaltschaft eben doch nicht immer. Ab 2008 sollen nach ihren Erkenntnissen die Geschäfte nicht mehr so prima gelaufen sein, wie sich die heute 50- und 44-jährige Geschäftsführung das vorgestellt hatte. „Anfang 2009 war das Unternehmen als zahlungsunfähig anzusehen“, sagt Oberstaatsanwältin Dr. Ina Holznagel. Doch ein Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens sei nicht gestellt worden. Im Gegenteil: Stattdessen seien noch im großen Stil Waren bestellt worden, „obwohl kein Geld mehr da war“. Auf 1,3 Millionen Euro werde das Volumen der Warenbestellungen in der Anklageschrift beziffert.

Anfang 2010 seien auch für die Angestellten keine Sozialversicherungsbeiträge mehr gezahlt worden, was den Vorwurf der Veruntreuung von Arbeitsentgelten begründe. Im Februar 2010 folgte die erste, gegen das Unternehmen gerichtete Insolvenzanzeige eines Vertriebspartners. Am 4. Mai 2010 habe es einen Eigenantrag von FE.N auf Insolvenz gegeben. In der am 12. Oktober 2010 ausgestellten Anklage ist von einer „Vielzahl von Lieferanten und Vertriebspartnern“ die Rede. Ende Mai 2010 wurden die Geschäftsräume an der Roonstraße im Hammer Süden durchsucht. Im Auftrag der Staatsanwaltschaft wurden Akten und Computer beschlagnahmt.

Eine WA-Anfrage beim Insolvenzverwalter zum Stand des Verfahrens blieb gestern unbeantwortet. - fl

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