Schon 107 Reisende in Quarantäne

Angst vor zweiter Corona-Welle in Hamm durch Urlaubsrückkehrer steigt - OB mit deutlichem Appell

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Viele Hammer spannen derzeit vom Alltag und wohl auch vom Corona-Trubel aus.

Hamm - Bei der Stadt wächst die Angst vor einer zweiten Corona-Welle, die durch Urlaubsrückkehrer ausgelöst wird. Der Oberbürgermeister appelliert deshalb eindringlich, dass sich Reisende aus Risikogebieten melden.

107 Hammer, die zuletzt aus einem vom Robert-Koch-Institut (RKI) ausgewiesenen Risikogebiet zurückgekommen sind (hier die ganze Liste einsehen!), befinden sich derzeit bereits in Quarantäne. Mit der anstehenden Reisewelle zum Ferienende in drei Wochen dürfte diese Zahl noch einmal deutlich steigen.  

Wegen der unfreiwilligen Urlaubsverlängerung, also der drohenden Quarantäne ist bei den Bürgern der Informations- und Aufklärungsbedarf ganz offenbar groß: Bei der Corona-Hotline der Stadt gingen zuletzt etwa 300 Anrufe täglich ein. 80 Prozent davon zum Thema Reiserückkehr. "Die Menschen haben viele Fragen. Die Vorgaben sind aber eindeutig", erklärt Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann.

Test kann Quarantäne verhindern oder verkürzen

Diese Regelung gilt: Wer aus einem Risikogebiet zurück nach Hamm kommt, muss sich beim Gesundheitsamt der Stadt melden und dann für 14 Tage in Quarantäne. Die Isolation in den eigenen vier Wänden kann dann verhindert oder verkürzt werden, wenn ein negatives Corona-Testergebnis vorliegt.

In den meisten Reiseländern wird inzwischen ein Schnell-Test an Grenzübergängen oder Flughäfen angeboten. So haben viele Bürger schon kurz nach der Ankunft in Hamm Gewissheit. "In der Türkei klappt das mit den Tests gut, ist zu hören", so der OB. "Das Ergebnis gibt es vielfach schon nach 24 Stunden."

Bußgelder von bis zu 1.000 Euro

Wird kein Tests im Ausland gemacht, kann der Hausarzt weiterhelfen. Die Kosten für solche Testungen trägt allerdings jeder selbst.

Wer gegen die Regeln verstößt, dem droht Ärger. Pro Erwachsenem werden 1.000 Euro fällig, für Kinder jeweils 50. "Da werden wir auch durchgreifen und die Bußgelder tatsächlich verhängen", betont Hunsteger.  

Fast die Hälfte der Infizierte kam aus dem Urlaub

Dass das Szenario einer zweiten Welle durch Urlaubsrückkehrer nicht aus der Luft gegriffen scheint, verdeutlicht der Umstand, dass schon jetzt - zur Halbzeit der Ferien - erste Fälle auftreten.

Von den aktuell 16 Infizierten in Hamm sind sieben Urlaubsrückkehrer. Eine sechsköpfige Familie war zuletzt aus dem Kosovo zurückgereist und im Anschluss positiv auf das Coronavirus getestet worden. "In solchen Fällen haben wir oft zwei oder drei Tage zwischen Rückkehr und Test. Da wird es dann sehr schwer, die Kontaktketten nachzuverfolgen", so Hunsteger.

"Angst" vor Auswirkungen auf Schulen und Kitas

Die derzeitige sei eine wichtige Phase. Durch die Kooperation der Urlaubsrückkehrer könne ein drastischer Anstieg der Fallzahlen verhindert werden. "Dass die Zahlen wieder hochschnellen kann schneller passieren, als wir uns vorstellen", warnt der OB. "Ich habe Angst, dass sich die im Moment entspannte Situation in Hamm nach dem Ferien durch die Wiederöffnung von Schulen und Kitas schnell verändert. Hunsteger wird noch deutlicher: "Wenn wir nicht aufpassen, bekommen wir ein großes Problem und müssen Schulen wieder schließen. Es steht viel auf dem Spiel."

Um weiter für das Thema zu sensibilisieren, würden in den kommenden Tagen alle Schulen, Kitas und Eltern angeschrieben - auch in mehreren Sprachen. Das Problem: "Niemand weiß, wer wann von wo zurückkehrt. Wir bekommen ja keine Meldungen von den Grenzen", so Hunsteger. Deshalb sei die Mithilfe der Urlauber und deren Pflichtbewusstsein so entscheidend.

"Sie helfen uns allen ganz erheblich, wenn Sie sich melden, sollten Sie aus einem Risikogebiet zurückkehren", appelliert das Stadtoberhaupt direkt an die Reisenden.

OBVideo

Coronavirus in Hamm - weitere Infos:

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