Nach dem Hype der erneute Fall

„Delta“-Angst macht Hammer Reisebüros das Leben schwer

Mit der Einstufung von Portugal als Virusvariantengebiet wegen der Verbreitung der Delta-Variante durch das Robert-Koch-Institut ist die Verunsicherung zurück. Das merken auch die Reisebüros in Hamm.

Hamm - Nach der langen Zeit des Lockdowns war der Tourismus gerade wieder hochgefahren, die Menschen freuen sich auf ihren Urlaub. Doch „seit die Delta-Variante in den Nachrichten aufgetaucht ist, haben wir einen Einbruch. Das hat man schon gemerkt“, sagt Anja Rossa, Inhaberin des Reisebüros Kobutsch an der Werler Straße. Die Leute seien vorsichtig. (News zum Coronavirus in Hamm)

Seit Dienstag gilt Portugal als Virusvariantengebiet. Jeder, der dann aus dem Land noch heimfliegt, muss für 14 Tage in Quarantäne – das gilt auch für Geimpfte. Knapp eine Woche Zeit hatten die Urlauber, sich um einen früheren Rückflug zu bemühen. Die Frankfurter Rundschau schreibt von tausenden Deutschen, die am Wochenende „überstürzt“ das Land verlassen hätten. Eine Sprecherin von DER-Touristik erklärte, dass der Reiseanbieter „derzeit nur eine niedrige dreistellige Zahl von Gästen in Portugal hat, da sich das Land erst vor Kurzem wieder für touristische Reisen geöffnet hat“. Von denen wollten etwa 50 Prozent vorzeitig zurückkehren.

DER hat alle Reisen in die betroffenen Gebiete in Portugal bis zum 13. Juli abgesagt und bietet allen Urlaubern mit Abreise bis zum 31. Juli in das Land kostenlose Umbuchungen an.

„Delta“-Angst bei Urlaubern in Hamm: Nachrichten entscheidend

„Wir sind froh, dass wir keine Rückkehrer haben. Gott sei Dank ist der Kelch diesmal an uns vorbeigegangen“, sagt Rossa. Auch Barbara Sander von Sun-Reisebüro am Heessener Markt ist froh, derzeit keine Kunden in Portugal betreuen zu müssen. Repräsentativ ist die Umfrage allerdings nicht. Genug zu tun haben die Reisebüros ohnehin. Denn die Sorgen der Menschen seit dem Auftauchen der Delta-Variante sind groß.

„Je nachdem, was morgens in den Nachrichten ist, weiß man, wie der Tag wird“, meint Sander. Die Kunden, auch wenn sie für andere Regionen gebucht haben, haben viele Fragen. Das Telefon klingelt ständig, so manch ein Mitarbeiter hat deshalb keine Zeit für ein Telefonat mit unserer Redaktion. „Die Angst geht um. Die Leute wollen sich informieren“, sagt Rossa in einer freien Minute. Gar nicht in Ordnung findet sie, dass ganz Portugal bei der Einstufung über einen Kamm geschert wird, obwohl der Anstieg der Infektionen vor allem auf die Großstädte zurückzuführen ist. Das würden viele nicht verstehen.

Auswirkungen hat die Entwicklung auch für andere Regionen jetzt schon. So würde Termine abgesagt, bei denen eigentlich eine Reise gebucht werden sollte. „Viele warten jetzt ab“, so Rossa. Sander berichtet von einem Einbruch der Nachfrage.

Hammer Chefarzt warnt vor Panikmache

Im Herbst wird die nächste Corona-Welle folgen und auch Hamm erreichen. Davon ist Chefarzt Dr. Markus Unnewehr überzeugt. Er sagt aber auch: Anlass für das Schüren von Panik besteht nicht.

„Delta“-Angst bei Urlaubern in Hamm: allzu kurzer Buchungsboom

Zuvor hatte alles so gut ausgesehen. Nach Monaten im Lockdown und der Reisebeschränkungen hatte die Entspannung der Pandemielage zu einem regelrechten Buchungsboom geführt. Die Zeit Ende Mai sei „klasse“ gewesen“, berichtet Rossa.

Dabei läuft alles noch keineswegs so wie früher. Bei vielen Hotels war unklar, ob sie in diesem Sommer überhaupt öffnen würden und wann. Arbeitskräfte aus der Hotellerie und der Gastronomie in Urlaubsländer wie Kroatien hätten sich mangels Perspektive andere Jobs gesucht oder die Regionen gar verlassen, erzählt Rossa. Dazu gebe es weiterhin weniger Flüge als sonst, und die werden oft noch verschoben oder zusammengelegt. Arbeit, die auf die Reisebüros zurückfällt, die mit den Kunden in Kontakt stehen.

Immerhin, seit der Pandemie hat Rossa viele Neukunden begrüßt, die nicht mehr übers Internet buchen wollen. Sie wirbt für die gute Beratung, die die Reisefachleute auch in dieser schwierigen Zeit bieten können. Die Anbieter hätten längst auf die dynamische Lage reagiert, kostenlose Stornierungen, eine Covid-19-Versicherung und Sicherheitsmaßnahmen vor Ort die Ansteckung und Ausbreitung verhindert sollen, um einen so sorgenfreien Urlaub wie möglich zu gewährleisten.

Rubriklistenbild: © Bernd Thissen

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