Andreas Schillack als Namensgeber

HERRINGEN ▪ Der Weg von der Albert-Funk-Straße zum Nord-Süd-Radweg auf dem Schacht-Franz-Gelände hat noch keinen Namen. Einstimmig hat die Bezirksvertretung Herringen jetzt beantragt, ihn nach dem früheren KPD-Politiker Andreas Schillack (1898 bis 1944) zu benennen, der vom Volksgerichtshof wegen „Hochverrat und Feindbegünstigung“ zum Tode verurteilt und der am 20. Oktober 1944 in München-Stadelheim hingerichtet wurde.

„Wir wollen mit der Benennung des Weges Andreas Schillack und sein Engagement gegen den Nationalsozialismus ehren und in Erinnerung halten“, heißt es in dem Antrag, in dem allerdings nicht die Mitgliedschaft Schillacks in der Kommunistischen Partei Deutschlands erwähnt wird. Darüber hinaus engagierte Schillack sich im Rotfrontkämpferbund sowie im Kampfbund gegen Faschismus.

Herringen mit seiner Zeche de Wendel war in den 1920er-Jahren eine Hochburg der KPD. Bei den Gemeinderatswahlen 1924 und 1929 erzielte sie die absolute Stimmenmehrheit, was sich auch bei den Reichstagswahlen widerspiegelte. Hier erreichte die KPD am 20. Mai 1928 in Herringen sogar 64 (!) Prozent. Selbst nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten stellte die KPD die stärkste Kraft. Bei der Gemeinderatswahl am 12. März 1933 konnte sie noch 34,2 Prozent der Stimmen und damit deutlich mehr als die NSDAP (22,2 Prozent) auf sich vereinen. Allerdings wurde dieser gewählte Gemeinderat nie einberufen. Am Tage nach der Wahl wurden die SPD-Räte nicht mehr zugelassen, alle KPD-Räte verhaftet.

Andreas Schillack, der seit 1929 im Gemeinderat saß, war zunächst nicht dabei, weil er 1932 aus der KPD ausgetreten war. Den Verhörprotokollen aus dem Jahre 1944 zufolge wollte er „mit der kommunistischen Gesinnung nichts mehr zu tun haben“.

In ihrem Buch „Das rote Herringen“ widmet Maria Perrefort dem gebürtigen Ostpreußen, der seine Opposition gegen das verbrecherische NS-Regime mit seinem Leben bezahlte, gleich mehrere Seiten. Andreas Schillack kam 1921 nach Herringen, wo er zunächst an der Hafenstraße 56 (später Horst-Wessel-Straße, heute Albert-Funk-Straße) wohnte und wo er neun Jahre als Bergmann auf der Zeche de Wendel beschäftigt war. 1936 zog der zweifache Vater mit seiner Familie zum Herringer Weg, zwei Jahre später zur Dortmunder Straße nach Hamm um.

Seine politische Gesinnung, mit der er nie hinterm Berg hielt, wurde Andreas Schillack schließlich zum Verhängnis. Am 14. Oktober 1933 wurde er ins KZ Bergkamen-Schönhausen gebracht, Zehn Tage später – die Auflösung des KZs war im vollen Gange – wurde Schillack ins Polizeigefängnis nach Pelkum überstellt. Später soll er dann ins KZ Oranienburg gebracht worden sein, aus dem er am 10. Januar 1934 entlassen wurde. Zwar musste er unterschreiben, dass er sich „nie wieder staatsfeindlich“ betätigen werde. Dennoch engagierte er sich weiter im Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Am 14. August 1943 wurde Andreas Schillack, so Perrefort in ihrem Buch, in Münster erneut festgenommen. Es folgten zahlreiche Verhöre. ▪ stg

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