„Den Schulalltag entschleunigen“

An einer Hammer Schule hat die Stunde jetzt 67,5 Minuten

Mit längeren Schulstunden und längeren Pausen läuft es viel entspannter.
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Der neue Stundenplan: Mit längeren Schulstunden und längeren Pausen läuft es viel entspannter. Das sagen (von links): Konrektorin Teresa Klauke-Deimel, Schüler Ege Kicikr, Schülerin Sibora Karaxha, Lehrerin Nicole Frehoff, Schülerin Melisa Aydin und Rektorin Heike Verspohl.

67,5 Minuten, so eine krumme Zahl für eine Schulstunde. Warum sie in der Hammer Albert-Schweitzer-Schule nicht mehr 45 Minuten dauern, fasst Schulleiterin Heike Verspohl in einem Satz zusammen: „Wir haben umgestellt, um den Schulalltag zu entschleunigen. Der Unterricht läuft jetzt wesentlich entspannter ab.“

Hamm – Verlängert hat die Schule die Unterrichtsstunden probeweise bereits zur zweiten Hälfte des Schuljahres 2019/2020. „Und dann kam Corona“, sagt Verspohl. Daher habe man die Testphase noch einmal verlängert und das erste Halbjahr des laufenden Schuljahres hinzugenommen. Bei einer Befragung hätten sich sowohl die Schüler als auch die Lehrer und die Eltern jeweils zu mehr als 75 Prozent dafür ausgesprochen. Nach dieser Evaluation sei man dann zum Schluss gekommen, komplett umzustellen.

Und die längeren Schulstunden bringen aus Sicht der Schulleitung noch weitere Vorteile.

Die erläutern Konrektorin Teresa Klauke-Deimel und Nicole Frehoff von der Steuerungsgruppe. Früher hätten die Schüler ihre Tasche für sechs Unterrichtsstunden packen und sich darauf vorbereiten müssen, heute seien es nur noch vier oder fünf. Der Ranzen sei jetzt leichter, Schüler und Lehrer hätten täglich weniger Aufwand für die Vorbereitung, so Klauke-Deimel. Nach den organisatorischen Erfordernissen wie Anwesenheitskontrolle, bleibe mehr Zeit für den Unterricht und für individuelle Förderung. Und es gebe mehr Zeit für Übungen, zum Beispiel in Chemie und Physik oder bei den Fremdsprachen die Konversation, sagt sie. Hinzu komme, dass jetzt auch Unterrichtsmethoden möglich seien, die man früher nur in Doppelstunden habe anwenden können.

Umstellung weniger kompliziert als gedacht

Frehoff führt an, dass bei der Albert-Schweitzer-Schule noch eine weitere Herausforderung hinzu komme: die beiden Standorte. Zwischen den Schulstunden gebe es jetzt sechs Minuten Zeit zum Wechseln. Und weniger Schulstunden bedeute auch weniger Wechselzeit.

Auch wenn die organisatorische Umstellung auf den ersten Blick kompliziert aussehe, war sie aus der Sicht Verspohls doch einfacher als gedacht. „Wir haben aus drei Stunden zwei Stunden gemacht. Die Umrechnung der einzelnen Zeiten der Fächer und der Lehrerstunden war der größte Aufwand. Aber das macht man ja nur einmal“, sagt sie. Eine Umstellung auf 60-Minuten-Stunden wäre komplizierter gewesen, berichtet sie. Und ein Vollzeitlehrer muss jetzt nicht mehr 28 Schulstunden pro Woche geben, sondern nur noch 18 Stunden und 45 Minuten. Das klingt doch besser“, meint sie scherzhaft.

Schüler freuen sich: „Am Ende hat man früher Schluss“

Und wie sehen das die Schüler? „Sie wundern sich oft, dass die Stunde schon vorbei ist“, berichten Frehoff und Verspohl. Für Ege Kicikr aus der neunten Klasse hat die Umstellung noch einen erfreulichen Nebeneffekt: „Am Ende hat man früher Schluss. Das ist das Beste“, sagt er. Er berichtet aber auch, dass er jetzt mehr lerne und mehr Zeit zum Üben habe. „Es ist besser so“, zieht er persönliche Bilanz. Sibora Karaxha aus der siebten Klasse freut sich, dass sie in ihrer Schultasche nicht mehr so viel tragen muss. Auch sie meint, dass man mehr lerne. Melisa Aydin freut sich nicht über das frühere Ende, denn sie geht gerne zur Schule.

Am Ende hat man früher Schluss. Das ist das Beste.

Ege Kicikr, Schüler

Warum die Umstellung auf die längeren Schulstunden gerade jetzt erfolgte, liege an der Tatsache, dass die Hardenbergschule und die Albert-Schweitzer-Schule im Schuljahr 2013/2014 zusammengelegt worden seien. Danach habe zuerst die Einführung des Ganztags im Vordergrund gestanden. Während dieser Phase habe man schon mit zwei Zeitplänen arbeiten müssen. Jetzt sei der erste Ganztags-Jahrgang entlassen worden, so Verspohl. Doch schon damals habe sie die Verlängerung der Schulstunden im Blick gehabt. Als weitere Schule in Hamm habe die Marienschule das 67,5-Minuten-Modell berichtet Klauke-Deimel. Doch der Trend gehe eindeutig in diese Richtung. Und alle Schulen, die umgestellt hätten, berichteten Positives, so Verspohl.

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