Eine Ruine ist auferstanden: Eines der ältesten Fachwerkhäuser der Stadt ist aufwändig renoviert

Die Ritterstraße 1 ist wieder ein Traumhäuschen – saniert von Investor Martin Plück.
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Die Ritterstraße 1 ist wieder ein Traumhäuschen – saniert von Investor Martin Plück.

An der Ritterstraße erstrahlt ein altes Haus in neuem Glanz. Ein 160 Jahre altes Fachwerkhaus ist denkmalgerecht saniert und modernisiert worden.

Hamm-Mitte – Nach 20-monatiger Arbeit sind jetzt die ersten Mieter eingezogen. Investor Martin Plück und das Architekten-Paar Christina Böttcher und Peter Strato stellten das erneuerte Gebäude jetzt vor.

1860 entstand der zweigeschossige Bau, Adressbücher verzeichnen seit 1886 die Fräulein Anna, Bertha und Hedwig Hobrecker als Eigentümerinnen, ab 1908 dann die Familie von August Asbeck, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine Hefefabrik betrieb. Ein Baudenkmal ist das Haus seit 1989, es sei eines der letzten in Hamm errichteten Fachwerkhäuser kleinbürgerlichen Zuschnitts, heißt es in der Denkmalbegründung.

Fachwerk kaum noch sichtbar

Zuletzt hatte das Haus einen eher mitleidigen Eindruck erweckt. Spätere Anbauten und Fassadenverkleidungen verdeckten das Fachwerk. Als Plück ihm von einem Fachwerkhaus an der Ritterstraße erzählt habe, sagt Architekt Strato, habe er überhaupt keine Vorstellung gehabt, um welches Haus es sich handeln könnte.

Plück, der in der Immobilienbranche tätig ist, hatte das Haus 2018 gekauft, aus Überzeugung, wie er sagt, und als eine Art Experiment: Würden sich Altstadtlage, historische Bausubstanz und Wirtschaftlichkeit verbinden lassen? Wie viel er letztlich investiert hat, will Plück nicht sagen. Nur soviel: Die Kosten seien überdurchschnittlich hoch gewesen. Für die Finanzierung von Baudenkmälern gebe es jedoch ein spezielles Programm der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und steuerrechtliche Vorteile.

Überraschungen bei Erneuerung

Die Architekten sahen zunächst einmal „eine Ruine, die wir wieder bewohnbar machen wollten“, wie Peter Strato sagt. Baupläne habe es nicht gegeben, sagt Christina Böttcher. Man sei auf viele Überraschungen gestoßen, aber an der statischen Konstruktion, dem Fachwerkgerüst, habe man festhalten können.

Das alte Gebäude hat viele moderne Ansätze.

Heizkörper in Wand verbaut

Die Architekten haben das Haus neu aufgeteilt und mit modernem Komfort versehen. Drei Wohnungen sind entstanden, 45 bis 55 Quadratmeter groß, mit Bädern und Einbauküchen. Sanitäranlagen, sagt Strato, habe es zuvor nur im abgerissenen Anbau gegeben. Eine besondere Lösung gab es für die Wärmeversorgung: Die Heizkörper sind in den Wänden unter Lehmputz verborgen, gespeist werden sie über eine Wärmepumpe.

Es habe viele Gespräche mit den Denkmalbehörden in Hamm und Münster gegeben, sagt Plück. Aber man habe immer gute Kompromisse gefunden. Für die Dachgeschosswohnung ließen die Denkmalschützer filigrane Glasgauben zu, die Obergeschosswohnung bekam einen Balkon. Hinter dem Haus entstand zudem auf einer ungenutzten Hoffläche ein kleiner Garten, den die Bewohner auch schon nutzen.

Was geschah mit 1a?

Ursprünglich stand hinter dem Haus Ritterstraße 1 noch ein zweites, noch etwas älteres Fachwerkhaus, Ritterstraße 1a. 1984 war es aufwändig saniert, 1989 allerdings als nicht denkmalwert eingestuft worden. Das Haus gehörte ursprünglich der aus Antwerpen eingewanderten Hutmacherfamilie Strassinet, die seit 1904 an der Nordstraße 5 einen Hutladen betrieb und das Fachwerkhaus als Werkstatt nutzte.

Wann, warum und von wem es abgerissen wurde, ist unbekannt; nach Stadtangaben gibt es weder in der Bauverwaltung noch im Stadtarchiv entsprechende Unterlagen.

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