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Alte Ware immer teurer: Ärger über Preisgestaltung bei Kik

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Von: Kira Presch

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Kunde Bernd Einhoff ärgert sich über die Preispolitik des Textildiscounters Kik.
Kunde Bernd Einhoff ärgert sich über die Preispolitik des Textildiscounters Kik: Er kritisiert, dass in den Filialen auch ältere Ware nachträglich teurer wird © Andreas Rother

Für Unmut und Unverständnis bei Kunden sorgt die aktuelle Preispolitik des Textildiscounters Kik mit zentralem Unternehmenssitz in Bönen. Ein Kunde aus Hamm will das nicht akzeptieren.

Hamm/Bönen - Kik setzte die Preise für Waren teilweise mehrfach herauf, um bis zu 100 Prozent – allerdings für Waren, die seit Monaten im Laden hängen. Ein Hammer Kunde will das so nicht akzeptieren und schrieb das Unternehmen an und bat um Stellungnahme. Kik antwortete dem Mann und begründet die Teuerung seiner Produkte generell mit gestiegenen Rohstoffpreisen und logistischen Herausforderungen.

Einer, der bei Kik kauft, gerade weil sich das Warenangebot im unteren Preissegment bewegt und auch für den kleinen Geldbeutel erschwinglich ist, ist der Hammer Bernd Einhoff. Er kennt die Preise, weil er regelmäßig in verschiedenen Kik-Filialen einkauft. Jetzt fiel ihm wiederholt ins Auge, dass Waren, die schon länger in der Filiale hängen, plötzlich teurer werden. „Die Preisschilder wurden überklebt mit neuen Etiketten“, berichtet Einhoff. „Über das Originalpreisschild für ein T-Shirt, das vorher für 3,99 Euro angeboten wurde, wurde ein Preisschild mit 4,99 Euro darüber geklebt“, berichtet er. „Ein Hemd, das vorher mit 7,49 Euro ausgezeichnet war, soll jetzt 14,49 Euro kosten – das ist fast das Doppelte.“

Alte Preise überklebt

Mit diesen Umzeichnungsmaßnahmen würden Preissteigerungen in Höhe von 60 bis 100 Prozent erwirkt, ärgert sich Einhoff, „ohne dass sich am Artikel oder an den Kosten für Herstellung, Logistik, Versand und Vertrieb, Materialien oder Lohnkosten irgendetwas verändert hätte. Denn: „Der Artikel ist ja nicht neu geordert worden zu höheren Produktionskosten, die an den Verbraucher weitergegeben werden müssen, sondern hängt bereits seit längerem im Laden oder im Lager.

Er hatte also schon eine Kalkulation und einen Preis“, argumentiert Einhoff aus Verbrauchersicht. „Mich als Kunde beschleicht der Verdacht, dass Kik nun auf der allgemeinen Teuerungswelle mit surft – und das ist kein Einzelfall, sondern in vielen Kik-Filialen zu beobachten. Da fühle ich mich als Kunde betrogen und getäuscht. Vielleicht hat man im Unternehmen auch darauf spekuliert, dass der Kunde das nicht merkt, wenn Preise überklebt und nach oben korrigiert werden. Aber wer bei Kik kauft, der muss in der Regel auf den Cent achten, und hat die Preise genau im Blick.“

Objekt des Unmuts: Artikel, die nachträglich mit überklebten Etiketten höher gepreist wurden.
Objekt des Unmuts: Artikel, die nachträglich mit überklebten Etiketten höher gepreist wurden. © Robert Szkudlarek

Viele Beschwerden

Eine Filialleiterin, die er im Laden darauf ansprach, habe ihm gegenüber bestätigt, dass das ein großes Ärgernis sei, das auch andere Kunden bemängeln. „Wir erhalten sehr viele Kundenbeschwerden, aber keiner unternimmt etwas.“

Bernd Einhoff unternahm etwas und schrieb an die Unternehmenszentrale in Bönen mit der Bitte um Aufklärung – und erhielt Antwort: „Die niedrigen Preise, die wir in unseren mehr als 3500 Filialen bieten, erreichen wir unter anderem durch langfristige Sortimentsplanung, antizyklische Produktion und günstige Versandwege“ schrieb ihm das Unternehmen. „Das bedeutet aber auch, dass die Preise für unsere Waren bereits viele Monate im Voraus festgelegt und auch bereits in unseren Fertigungsländern an die Waren angebracht werden. Gleichzeitig müssen wir anerkennen, dass es starke Verzögerungen im internationalen Handel, teilweise deutlich gestiegene Rohstoffpreise und neue logistische Herausforderungen gibt. Um unserer Kundschaft auch in Zukunft verlässlich gute Produkte bieten zu können und als Unternehmen wettbewerbsfähig zu bleiben, sind wir aufgrund der aktuellen Entwicklungen am Markt dazu gezwungen, unsere Preise mit Augenmaß leicht nach oben zu korrigieren. Uns ist es wichtig zu betonen, dass diese Preiserhöhungen maßgeblich dazu dienen, unsere gestiegenen Kosten zu decken.“

Unzureichende Antwort

Zufrieden war Einhoff mit dieser „Standard-Antwort“ nicht. „Meine Frage beantwortet das nicht“, schrieb er zurück, „und von Augenmaß kann bei den Preiskorrekturen nach oben keine Rede sein, die bis zu 100 Prozent betragen. Das ist für mich Abzocke – zumal Konkurrenzunternehmen in dem Preiswert-Segment offensichtlich dem Beispiel nicht folgen.“

Der WA hat noch mal nachgehakt und das Unternehmen Kik auf das Problem angesprochen und um eine Stellungnahme gebeten: „Die Preisgestaltung von Waren, die wir vor mehreren Monaten bestellt haben, haben wir unter grundlegend anderen Annahmen vorgenommen“, so eine Unternehmenssprecherin.

Behutsame Anpassung

„In den letzten Wochen haben gestörte Lieferketten, stark gestiegene Energie- und Beschaffungspreise und eine sprunghaft angestiegene Inflation zu einer bedeutend anderen Marktsituation geführt. Um die eigenen Kosten weiterhin decken zu können, hat Kik die Preise für einzelne Artikel in einem behutsamen Maße angepasst.“ Viele andere Handelsunternehmen – auch im Discountbereich – hätten in den vergangenen Monaten ebenfalls mit veränderten Preisen auf die neuen Marktbedingungen reagiert, argumentiert Kik.

„Diese neuen externen Herausforderungen kamen in einer Situation, in der sich die Handelsbranche noch nicht wieder vollständig von den Auswirkungen und Beeinträchtigungen der Corona-Pandemie erholt hat. Zwei Jahre mit Lockdowns, Kontaktbeschränkungen und 2G-Regeln haben auch Kik erheblich beeinträchtigt und zu gesunkenen Einnahmen sowie Einlagerungskosten geführt. Wir sind stolz darauf zu sagen, dass wir es durch diese Zeit geschafft haben, ohne Mitarbeitende entlassen zu müssen und unserer Kundschaft trotz aller Schwierigkeiten nahezu unser komplettes Sortiment bieten konnten.“

Erklärungsnot

Ein Kik-Mitarbeiter aus der Unternehmenszentrale in Bönen hat schließlich noch einmal telefonisch mit Bernd Einhoff Kontakt aufgenommen, berichtet er. In dem Gespräch habe dieser erläutert, dass bereits günstiger kalkulierte Waren im Laden umetikettiert würden, um sie den teurer eingekauften aktuellen Lieferungen anzupassen, damit nicht zwei unterschiedliche Preise für identische oder vergleichbare Textilien im Laden existieren. Denn: Solche Preisunterschiede seien dem Kunden schließlich nur schwer zu vermitteln.

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