Scheinhinrichtung

Alles wegen Melonen: Prozess um schweren Menschenraub

Schlägerei in der Hammer Innenstadt mit Verletzten: Polizei trennt Gruppen mit Pfefferspray
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Das Opfer soll massiv geschlagen worden sein.

Viele verschwundene Wassermelonen waren offenbar der Auslöser für den schweren erpresserischen Menschenraub, an dem ein 42-jähriger Mann aus Hamm und ein 32-Jähriger aus Lünen als Täter beteiligt gewesen sein sollen.

Hamm – Zu einer Aussage im Landgericht Hagen war der Hauptbelastungszeuge am Montag immer noch nicht in der Lage. „Wie geht es Ihrem Mandanten?“, lautete deshalb die erste Frage des Vorsitzenden Richters an den Rechtsbeistand des 43-Jährigen aus Hagen. Er sei „in stationärer Behandlung“, berichtete der Anwalt. Das Fehlen des wichtigsten Zeugen hat die Beweisaufnahme der Kammer auf den Kopf gestellt: Eigentlich sollte der 43-Jährige als erster von dem mutmaßlichen Martyrium in der Nacht vom 21. zum 22. Juli 2020 berichten.

Da seine Vernehmung nun erst für den 29. April vorgesehen ist, kommt den anderen Zeugen eine besondere Bedeutung zu. Die Anwälte der beiden Angeklagten beantragen bei jedem Einzelnen die Verschiebung der Vernehmung und widersprechen der Verwertbarkeit ihrer Aussagen. Ihrer Auffassung nach müsste der Hauptbelastungszeuge als erster gehört werden. Die Strafkammer lehnte diese Anträge durchweg ab.

Melonen-Handel und Scheinhinrichtung

So berichteten am Montag mehrere Beamte von ihren Vernehmungen des Geschädigten. Der Hauptermittler warf dabei erstmals ein Licht auf die Hintergründe der 25.000-Euro-Forderung, die die Täter gegenüber dem Opfer ihres Gewaltexzesses erhoben haben sollen. Demnach soll der 43-Jährige ein Geschäft mit griechischen Wassermelonen vermittelt haben. Einer der Angeklagten soll mehr als 18.000 Euro für die Ladung von drei Sattelschleppern voller griechischer Wassermelonen bezahlt haben, von denen aber nur ein oder zwei ihr Ziel in England erreichten.

Für den entstandenen Schaden sollen die Angeklagten ihr späteres Opfer verantwortlich gemacht haben. Wie hoch der angebliche Schaden war, ließ sich noch nicht genau beziffern. Angeblich begründeten die Täter ihre erheblich höhere Forderung mit einer fälligen „Strafzahlung“. In seiner polizeilichen Vernehmung beteuerte der Hauptbelastungszeuge, dass er mit dem Verlust der Melonen nichts zu tun habe. Er habe das Geschäft lediglich durch seine weitgespannten Kontakte in Gang gebracht und keinerlei Nutzen daraus gezogen.

Nach anfänglichem Zögern, Namen der bis zu fünf Täter zu nennen, hatte der Zeuge bei der Polizei schließlich die Namen der Angeklagten genannt. „Setz dich ins Auto, sonst bringe ich dich um!“, habe ihn einer der beiden zu Beginn des Exzesses angeherrscht. Da dem Zeuge die Augen verbunden wurden, konnte er die beiden Tatorte nicht identifizieren. Der erste soll eine Kraftfahrzeugwerkstatt oder ein Schrottplatz, der zweite das Hinterzimmer eines Kiosks gewesen sein. Die den Angeklagten vorgeworfene Scheinhinrichtung beschrieb der Zeuge bei der Polizei so: „Er hat mir die Waffe an den Kopf gehalten. Dann hat er abgezogen. Ich habe ein Klicken gehört. Es hat sich aber kein Schuss gelöst.“

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