Der Alleenradweg kann ausgebaut werden

Die Rodungen auf der ehemaligen Bahntrasse sind bereits abgeschlossen. Der Alleenradweg kann gebaut werden.
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Die Rodungen auf der ehemaligen Bahntrasse sind bereits abgeschlossen. Der Alleenradweg kann gebaut werden.

RHYNERN ▪ Die Vorgehensweisen zum Beginn der Bauarbeiten für den umstrittenen Alleenradweg am südlichen Stadtrand sorgten am Donnerstagabend in der Sitzung der Bezirksvertretung Rhynern für weiteren Ärger unter den Kritikern. In den 23 Jahren als aktiver Kommunalpolitiker sei ihm bislang nicht vorgekommen, dass ein Grundsatzbeschluss auch ein Baubeschluss ist, monierte Ulrich Kroker (Grüne) den Beginn der massiven Rodungen auf der Bahntrasse noch bevor der Ausbauplan überhaupt abgesegnet war. Den Beschluss fasste die CDU-Mehrheit erst in der Sitzung – gegen die Stimmen von SPD, Grüne, FDP und Linke.

Nach Ansicht der Grünen ist das Vorgehen der Stadtverwaltung, die mit dem Hinweis auf die Vegetationsperiode das Freischneiden der Trasse bis Ende Februar veranlasst hatte, zweifelhaft. „Wir werden die Kommunalaufsicht überprüfen lassen, ob das so akzeptabel ist“, kündigte Kroker an. Die Vorgehensweise hielt er zudem für unnötig und sie wäre nicht notwendig geworden, wenn die Bezirksvertretung bereits im Januar eine Sitzung gehabt hätte und nicht erst im März – nach Beginn der Vegetationsperiode.

Wegen eines weiteren Kritikpunktes zum Zeitplan hatte bereits zwei Tage zuvor der Umweltausschuss eine Empfehlung der Beschlussvorlage zum Ausbau abgelehnt. Die öffentliche Auslegung des Detailplans endete erst einen Tag vor der Sitzung. Die während der Zeit gemachten Einwendungen waren den Ausschussmitgliedern bis dahin nicht zugegangen.

Mit dem Hinweis darauf begründete Udo Reins (FDP) sein Nein zum Alleenradweg. „Es geht mir darum, wie er hier durchgebracht werden soll“, kritisierte er, dass die Einwendungen nicht Teil der schriftlichen Unterlagen zum Ausbaubeschluss waren. Die abgeschlossenen Rodungen hätten den Charakter, „dass sie jetzt nachträglich befürwortet werden sollen“.

Über die zwei gemachten Einwendungen berichtet Christian Maßmann vom Tiefbauamt während der Sitzung. Beide werden nicht berücksichtigt. Ein Anwohner hatte vorgeschlagen, den östlichen Abschnitt ab Sönnernstraße auf dem parallel zur Trasse verlaufenden Feldweg zu führen, um so, wie entlang der Pentlinger Straße, den von der Natur zurückeroberten Bereich der ehemaligen Bahn zu erhalten. Das sei nicht möglich, erklärte Maßmann. Außerdem sei die Trassenführung mit Welver abgesprochen.

Zudem wurden die Bedenken des Naturschutzbundes nicht berücksichtigt. Es gehe dabei unter anderem um Tierarten, die es zu schützen gelte. Maßmann verwies aber auf das in Auftrag gegebene Gutachten. Danach sei die Gefährdung nicht wie vom Nabu beschrieben.

Der Naturschutzbund fordert einen Stopp der Arbeiten und ein Beheben der Schäden. „Das geht gegen den Grundsatzbeschluss“, bezog sich Maßmann auf die Entscheidung von Dezember 2010 für den Bau.

Die Sozialdemokraten lehnten den Radweg ab, weil „Sinn und Nutzen in Zeiten knapper Kassen“ nicht gegeben seien, sagte Markus Schwipp (SPD) angesichts der Kosten von 2,03 Millionen Euro. Er bezeichnete so eine Planung als „dekadent“.

Eine „deutlich andere Position“ nehmen die Christdemokraten ein. Sicherlich werde viel Geld verbaut, sagte Hermann Aßhoff (CDU). Es sei aber zweckgebunden – stehe also deshalb auch nicht für andere, soziale Maßnahmen zur Verfügung.

Der Anfang der 90er Jahre im Kreis Unna angelegte Radweg auf der ehemaligen Bahntrasse werde „sehr gut angenommen“, wehrte sich Aßhoff gegen die Kritik der Grünen, es entstehe ein Radweg für Sonntagsfahrer.

Dem Vorwurf der SPD, der Weg entstehe am Stadtrand und führe an Hamm vorbei, begegnete er mit der Forderung, dass die überregionale Verbindung entsprechend vernetzt werden müsse, sagte Aßhoff und meinte: „Der Alleenradweg ist eine Aufwertung für die Region.“

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