Hausmannskost boomt

„Alle Register gezogen“: Wie der Partyservice Reisdorf durch die Krise kommt

Felix Körner und sein Chef Norbert Reisdorf vom Partyservice Reisdorf
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Genussfertig: Felix Körner und sein Chef Norbert Reisdorf vom Partyservice Reisdorf bereiten die beliebten Kibbelinge zu.

Die wirtschaftlichen Schäden bestimmen neben den gesundheitlichen Risiken die Diskussion über die Corona-Pandemie – aber zuweilen bietet die Lage auch Chancen. In Heessen trifft das auf den Party-Service Reisdorf zu.

Hamm - Die Krise hat das Unternehmen zunächst schwer getroffen, aber Inhaber Norbert Reisdorf wurde kreativ. Er schuf einen Mittagstisch zum Abholen und ist damit überraschend erfolgreich.

Die schon länger gehegte Idee, eine Suppenküche aufzumachen, testete er mit seiner Frau und seinen Mitarbeitern gleich zu Beginn der Krise im vergangenen Jahr – Suppe für alle, nicht nur für Bedürftige. In der Testphase bot er an zwei Wochentagen die Suppe an und stellte fest: Die Nachfrage ist da, aber zwei Tage in der Woche reichen nicht.

Und noch etwas stellte er fest: Die Kunden lieben Hausmannskost. Also schuf er einen Mittagstisch mit einem solchen Angebot. Schnell wurde klar, dass das läuft – als ob die Kunden darauf gewartet hätten. Manche Angebote gibt es jeden Tag. Dazu gehören Erbsen- oder Graupen-, Champignonrahm- oder Linsen- und eben die würzige Gulaschsuppe. Dazu: Milchreis mit Früchten, Rinderrouladen oder Frikadellen.

Partyservice Reisdorf: Die Kunden sind heiß auf Sauerbraten

Zusätzlich gibt es an jedem Tag zwei Tagesgerichte. Hausmannskost. „Wenn ich Sauerbraten angeboten habe“, sagt Norbert Reisdorf, „dann haben mir die Kunden die Bude eingerannt.“ Pasta und Pizza gebe es an jeder Ecke, und dass Berufstätige sich in der Woche Sauerbraten zubereiteten, käme praktisch nicht vor. Also: Hausmannskost von Reisdorf boomt.

Und es ist ja nicht nur der Sauerbraten. Kasseler mit Sauerkraut, Kohlrouladen, dicke Bohnen oder Gulasch mit Spätzle sind weitere Hausmannsklassiker, die sich die Menschen selbst kochen oder im Restaurant essen. Und die haben geschlossen.

Reisdorf hat beobachtet, dass es eine Schmerzgrenze beim Preis gibt: fünf Euro. Liegt der Preis darüber, sinkt die Nachfrage stark, bis fünf Euro ist sie stabil. Und so nimmt er nur für besondere Gerichte sechs Euro, wenn Lachs auf den Teller kommt zum Beispiel – oder Rumpsteak.

Partyservice Reisdorf: Schulen und Ganztag sind aktuell keine Abnehmer

Mit seinem Mittagstisch hat Reisdorf zumindest zu großen Teilen ausfallende Einnahmen aufgefangen. Er beliefert sonst Schulen oder den offenen Ganztag, aber die waren über viele Wochen in den Corona-Monaten geschlossen. Sein Party-Service fuhr nur auf Sparflamme – in den Corona-Monaten war die Zahl der Menschen, die sich treffen durften, begrenzt. Und deswegen stellte Norbert Reisdorf auch den Partyservice neu auf: Er bot seinen Kunden an, das Festtagsfamilienessen an Weihnachten und Silvester zu liefern. Und die Kunden orderten: An Silvester blieb die Küche kalt, und Reisdorf brachte das Menü, wahlweise für zwei, vier, sechs oder acht Personen.

Bei der ersten Schließung wegen des Coronavirus vor einem Jahr fuhr Reisdorf seinen Betrieb mit zehn Voll- und Teilzeitkräften von hundert auf null herunter, Kurzarbeit, einschließlich des Chefs. „Und dann habe ich alle Register gezogen, und es hat geklappt“, sagt Norbert Reisdorf.

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