Trotzdem Optimismus

Fast alle Fichten abgestorben: Borkenkäfer vernichtet in Hamm ganze Baum-Art

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Der Wald in Hamm ist durch Borkenkäfer und Klimawandel tiefgreifenden Veränderungen ausgesetzt.

In Hamm gibt es so gut wie keine lebende Fichte mehr. Der Grund dafür: Der Borkenkäfer. In den vergangenen Jahren hat sich der Schädling durch alle Bestände in den Hammer Wäldern gefressen und nur noch Totholz hinterlassen.

Hamm - Eine existenzielle Gefahr für den Hammer Wald ist dieser Umstand allerdings nicht. Denn: Der Anteil der Fichten in den Hammer Wäldern machte schon vor 10 Jahren nur 2 Prozent aus. Hamm trifft es damit weniger hart als etwa das Sauerland, wo ganze Waldgebiete vom lästigen Käfer vernichtet wurden.

Eine weitere gute Nachricht für Hamm: „Über kurz oder lang wird nach den Fichten auch der Borkenkäfer wieder verschwinden“, sagt Förster Philip Fortströer vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW. „Noch ist der Käfer da, aber schon nicht mehr in dem Ausmaß wie in den vergangenen Jahren. Der Brutraum in den Bäumen wird immer knapper.“

Fichten auf 140.000 Quadratmetern befallen

Noch stünden auf rund zwei Hektar tote Fichten in den Hammer Wäldern. Die werden in den kommenden Monaten noch entfernt. „Geräumt“, sagt der Fachmann. „Klar kann es sein, dass da noch vereinzelt eine grüne dazwischensteht“, sagt Fortströer. „Diese Bäume werden aber spätestens in diesem Sommer ebenfalls dem Borkenkäfer zum Opfer fallen. Dann gibt es keine Fichten mehr in Hamm.“ Insgesamt werden dann nach Schätzung des Försters rund 14 Hektar von dem gefräßigen Schädling vernichtet worden sein – also 140.000 Quadratmeter.

Deutlich sichtbar sind die Spuren des Buchdruckers – einer Borkenkäfer-Art – unter der Rinde einer abgestorbenen Fichte.

Dafür, dass der Borkenkäfer und andere Schädlinge auf dieser Fläche in Zukunft keine idealen Bedingungen mehr vorfinden, ist entscheidend, was Fortströer neu anpflanzen lässt. Der Förster ist nach dem großen Aufräumen inzwischen mit Wiederaufforstung beschäftigt. Eine Ewigkeitsaufgabe, wie er sagt.

Klimawandel die größere Bewährungsprobe

„Wenn ich jetzt Eichen pflanze, dann wird daraus erst in 150 bis 160 Jahren ein richtiger, stattlicher Wald. Wie das Klima dann ist, kann keiner sagen“, erklärt Fortströer. „Dass es dann wie durch den Klimawandel wahrscheinlich verursacht zwei Grad wärmer ist, weiß man nicht. Vielleicht ist es wärmer, vielleicht kälter.“ Und: Die Bäume, die dann ideal angepasst wären, kämen mit dem heutigen Klima nicht gut zurecht. Es müssen also möglichst klimaresistente Bäume her.

Für die Wiederaufforstung auserkoren hat Fortströer deshalb die Stieleiche, die gut mit Staunässe leben kann. Außerdem die trockenheitstolerante Winterlinde. Dazu Esskastanie und Küstentanne. Für die deutschlandweit am häufigsten vorkommende Buche sei es in Hamm schlicht zu nass. Kiefer und Douglasie fielen wegen der Anfälligkeit für den Käfer durch das Raster.

„Es geht darum, so risikoarm wie möglich anzubauen. Auch dem letzten Sauerländer Waldbauern ist mittlerweile bewusst geworden, wie fahrlässig es wäre, jetzt wieder reine Fichtenkulturen anzubauen“, meint Fortströer.

Regenwetter ist "super" für den Wald

Der Hammer Wald erholt sich unterdessen aktuell nicht nur vom Käferbefall sondern auch von den verheerenden Stürmen der vergangenen Jahre und der Trockenheit. Nach mehreren Wochen Dürre im Frühjahr sei das derzeitige Wetter dafür perfekt, sagt Fortströer. „Zuletzt hat es mehrfach ordentlich geregnet. Das ist super für den Wald, wenn es so weitergeht.“

Kommt es wieder zu lang anhaltender Trockenheit, werde es allerdings auch für die Laubbäume kritisch. „Zuerst sterben die Kronen ab. Die können sich zwar relativ gut regenerieren, sind nach so langer Dürre aber geschwächt. In der Folge stirbt dann auch der Baum“, so Fortströer. Die wenigen, alten Buchen in den Wäldern kämen mit der Trockenheit nicht so gut zurecht wie neu angepflanzte.

Fortströers Theorie: „Weil in Hamm der Grundwasserspiegel höher ist als anderswo haben diese Bäume nicht tief gewurzelt. Das wird für sie jetzt zum Problem, weil der Grundwasserspiegel durch Dürren stärker schwankt als früher.“

Hammer Wald: Kleine Parzellen, Laubanteil hoch

Der Wald in Hamm hat übrigens einen Laubholzanteil von über 96 Prozent. Die Hauptbaumart ist die Eiche (über 40 Prozent). Die meisten dieser Bäume sind zwischen 100 und 140 Jahre alt. Der Wald befindet sich hauptsächlich in Privatbesitz mit vielen kleinen Einheiten von nur zwei bis drei Hektar pro Waldbesitzer.

Insgesamt beträgt die bewaldete Fläche 2290 Hektar (Stand: 2016). Nach Angaben von Förster Philip Fortströer handelten schon seine Vorgänger weitsichtig. „Den Klimawandel haben sie seit 30 Jahren auf dem Schirm und ihre Arbeit angepasst. Hamm ist da gut aufgestellt“, so Fortströer.

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