Albtraum im Urlaubsparadies: Hammer Familie sitzt in Sri Lanka fest

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Hinten Soldaten, davor ein Hammer mit seiner Familie: Savanarabavan Krishnapillai will zurück nach Hause.

Colombo/Hamm - Für Saravanabavan Krishnapillai sollte es nur ein Verwandtenbesuch auf Sri Lanka werden. Doch dann erlebte der 34-Jährige aus Hamm die Anschlagsserie in Colombo mit. Mit schwangerer Frau und Kind sitzt er in der Hauptstadt fest.

Wenn in Hamm der Nachmittag anbricht, beginnt in Colombo der Abend. Saravanabavan Krishnapillai sitzt in einem Krankenhaus in Colombo und erzählt. In Hamm ist er geboren und aufgewachsen, arbeitet bei Böhler Welding in der Produktion. In Colombo ist er seit dem 22. März; ein Familienurlaub bei Verwandten habe es sein sollen, sagt er. Seine Frau ist 25, sie stammt aus Sri Lanka, die beiden haben eine vierjährige Tochter, ein weiteres Kind ist unterwegs, soll im Juli zur Welt kommen.

Der Rückflug war für den Ostersonntag geplant – erst sollte es noch in den Zoo gehen, dann zum Flughafen. Aus beidem wurde nichts. Gut drei Kilometer von der Wohnung seiner Verwandtschaft entfernt liegt die katholische Antoniuskirche, die am Sonntag Ziel der Attentäter wurde. Die Explosion sei unglaublich laut gewesen, sagt Krishnapillai, die Schallwelle unbeschreiblich.

Savanarabavan Krishnapillai und seine Familie wollten längst wieder in Hamm sein. Doch nach den verheerenden Anschlägen können sie das an sich so idyllische Sri Lanka nicht verlassen. Klicken Sie rechts oben in das Bild, um das Motiv komplett zu sehen.

Danach ging nichts mehr; die Straße zum Flughafen wurde gesperrt, als dort eine Bombe gefunden wurde. Die Krishnapillais können zunächst bei ihren Verwandten bleiben, doch wie sicher sind sie dort? Schließlich sind Hunderte Menschen bei den Anschlägen gestorben. 

An einer Straßensperre habe die Polizei vor seinen Augen eine Bombe gesprengt, die nicht entschärft werden konnte, sagt der Hammer. Und nachts gelte eine Ausgangssperre.

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An eine islamistische Verschwörung glaubt er nicht – eher an einen innenpolitischen Machtkampf. Die Familie will im Moment nur noch nach Hause, nach Hamm, doch das ist sehr schwierig. Es gibt einen Run auf die Flüge aus Colombo hinaus – zahlreiche Ausländer verlassen Sri Lanka so schnell es nur geht, das Ausländische Amt warnt davor, öffentliche Plätze in Sri Lanka auszusuchen.

Und die Krishnapillais haben noch ein weiteres Problem: Viele Airlines transportieren Frauen, die in fortgeschrittenem Stadium schwanger sind, nur mit Attest. Davon, sagt der Familienvater, habe man nichts gewusst, fühle sich vom Reisebüro nicht ausreichend informiert. Deshalb sitzen die Krishnapillais im Krankenhaus und hoffen einen Arzt zu finden, der die Flugtauglichkeit bestätigt. Vor den Toren, sagt der Hammer, stünden schwer bewaffnete Soldaten.

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