Wir wollen gleichbehandelt werden und unsere Berufe ausüben

Schaustellerverbände NRW fordern das Ende der Verbote für Volksfeste in NRW

Kirmespark Zentralhallen
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Kirmespark Zentralhallen

NRW gilt als die Kirmes- und Volksfest-Metropole Europas. Mit Milliardenumsätzen sind Kirmessen und Volkfeste wichtige Einnahmequellen für Kommunen und gelten als gesellschaftlich fest verankertes Kulturgut seit über 1200 Jahren. Normalerweise. Doch der Ausbruch der Corona-Pandemie hat auch hier die Spielregeln drastisch geändert. Kaum eine Branche wurde von der Pandemie so hart getroffen wie das Schaustellergewerbe.

Noch offen ist, ob in diesem Jahr der Stunikenmarkt in der Hammer Innenstadt oder die Soester Allerheiligenkirmes stattfinden werden. Mit der bereits getroffenen Absage des Münchner Oktoberfestes gehen abermals Befürchtungen einher, dass die beliebten regionalen Volksfeste auch in diesem Jahr der Pandemie zum Opfer fallen könnten. „München kann kein Beispiel für NRW und Deutschland sein“, sagt Albert Ritter, der als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Schaustellerverbände NRW, des Deutschen Schaustellerbundes und als Präsident der Europäischen Schaustellerunion im ständigen Austausch mit NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) und NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) steht und die Interessen von mehr als 5000 Schaustellern – alleine in Deutschland - vertritt. „Anders als in München bestehen unsere Volksfeste in NRW nicht zum größten Teil aus Zelten. Und auch diese könnten wir problemlos zu Biergärten umwandeln und mit entsprechenden Hygienekonzepten wie etwa in der stationären Gastronomie betreiben.“

Albert Ritter, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Schaustellerverbände NRW und Präsident der Europäischen Schaustellerunion, ist im ständigen Austausch mit der Landesregierung NRW.

Dabei haben die Schausteller bereits im letzten Jahr mit Zahlreichen selbst organisierten „Mini-Kirmessen“ bewiesen, dass sie problemlos geforderte Hygienekonzepte und Abstandsregelungen einhalten und für die Sicherheit der Besucher garantieren können. „All diese Veranstaltungen haben bewiesen, dass unsere Hygienekonzepte funktionieren. Nicht ein Infektionsfall konnte auf den Besuch einer solchen Veranstaltung zurückgeführt werden. Dies gilt auch für die Mini-Kirmes in Hamm, die im vergangenem Jahr vom Schaustellerverein ,Hand in Hand‘ und dessen Vorsitzenden Uwe Röhrig organisiert und durchgeführt wurde. Leider musste die Kirmes aufgrund der zweiten Pandemiewelle und NRW-einheitlichen Regelungen vorzeitig beendet werden“, so Ritter.

Dabei verlangen die Schaustellerverbände nicht mehr als die gleichen Regeln, die für alle anderen ähnlich gelagerten Gewerbe wie Gastronomie oder stationäre Freizeitparks, in denen sich unter Auflagen die Riesenräder bereits wieder drehen dürfen, auch gelten: „Wir verlangen keine Sonderbehandlung. Ganz im Gegenteil: Wir wollen einfach nur gleichbehandelt werden und unsere Berufe ausüben dürfen. Unser Gewerbe lebt seit mehr als 1200 Jahren von der eigenen Hände Arbeit und nicht von Überbrückungshilfen oder Staatskrediten. Wir sind es gewohnt, selbst für unsere Einkommen und die Gehälter unserer Angestellten zu sorgen, und mehr verlangen wir auch gar nicht. Für uns ist die soziale Hängematte keine Alternative.“

Pandemiebedingt liegt die gesamte Branche seit mehr als anderthalb Jahren quasi brach. Die Weihnachtsmärkte in 2019 waren für viele Schausteller die letzte erwähnenswerte  Geldeinnahmequelle. Traditionell finden zwei Drittel der Volksfeste und Kirmessen in der zweiten Jahreshälfte statt und wurden im vergangenem Jahr komplett abgesagt. Dies bedeutet für viele Schaustellerbetriebe den geschäftlichen Totalausfall eines gesamten Jahres. Betroffen von den Geschäftsausfällen sind aber nicht nur die Schausteller, von denen viele sich neue Jobs suchen mussten, sondern auch zahlreiche Zulieferfirmen, die von den Absätzen der Schaustellerbetriebe zu nicht geringen Teilen abhängen.

Volle Innenstadt bei der Mini-Kirmes in Soest im Mai

„Neben den finanziellen Nöten drückt auch die Perspektivlosigkeit auf die Gemüter“, weiß Albert Ritter aus vielen Gesprächen, die er in den letzten Monaten mit seinen Mitgliedern führte. Das derzeit sinkende Infektionsgeschehen, die zunehmende Impfquote und die Signale aus der Politik lassen Ritter derzeit aber ein wenig auf den Spätsommer hoffen. So sagte NRW-Minister Pinkwart vor einigen Tagen, dass Veranstalter ihre Planungen nicht zu früh abbrechen sollten.

„Für traditionelle regionale Veranstaltungen mit begrenztem Teilnehmerkreis und familienorientiertem Charakter unter freiem Himmel muss es mit einem entsprechenden Hygienekonzepten Öffnungsperspektiven geben. Diese Veranstaltungen sind ein wichtiges Kulturgut dieses Landes und sind anders zu bewerten als Großveranstaltungen mit internationalem Publikum, die oftmals weitgehend in geschlossenen Großzelten stattfinden. Es muss doch möglich sein, mit Maske Autoscooter unter freiem Himmel zu fahren“, richtet Alber Ritter seinen Appell und die Hoffnung seiner Mitglieder an die Politik.

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