Corona als Fiasko für Veranstaltungstechniker

Alarmstufe Rot: "Night of Light" sendet stumme Hilferufe

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Stummer Hilferuf: Hammer Veranstaltungstechniker wollen bekannte Gebäude in Hamm illuminieren, um so auf ihre durch die Corona-Pandemie verursachte Not aufmerksam machen.

Die Veranstaltungswirtschaft war der erste Wirtschaftszweig, der von der Corona-Krise getroffen wurde. Und mit hoher Wahrscheinlichkeit wird er am längsten und tiefgreifendsten betroffen sein.

Hamm – Faktisch alle Unternehmen aus den Bereichen Messebau, Veranstaltungstechnik, Eventagentur, Catering, Bühnenbau, Messegesellschaft Kongresscenter, Hotelbetriebe, Konzertveranstalter, Künstler und Einzelunternehmer haben durch die Veranstaltungsverbote seit dem 10. März ihre gesamten Auftragsbestände verloren und generieren quasi keine Umsätze mehr.

Mit der Aktion „Night of light“ wollen Unternehmen aus diesen Bereichen in der Nacht von Montag, 22. auf Dienstag, 23. Juni auf ihre Notlage aufmerksam machen. Nach dann 100 Tagen des Shutdowns werden in mehr als 200 deutschen Städten Eventlocations, Spielstätten, Gebäude und Bauwerke von 22 bis 1 Uhr in rotes Licht getaucht. Die Botschaft: Weitere 100 Tage bis zum geplanten Ende des Verbots am 31. August halten die Unternehmen nicht durch.

In Hamm werden das Kurhaus, der Musikpavillon und die Alfred-Fischer-Halle als städtische Gebäude von der Hammer Hallenmanagement-GmbH illuminiert. „Wir machen gerne bei dieser Aktion mit“, sagt Geschäftsführer Stefan Klöcker. „Zum Glück werden wir von unserer Konzernmutter, der Stadt Hamm, in dieser Krise nicht hängengelassen. Aber wir sehen mit großer Sorge die Situation unserer Kooperationspartner am Veranstaltungsmarkt, die nicht auf eine derartige Hilfe zurückgreifen können“.

Langer Rattenschwanz der Betroffenen

Tatsächlich herrscht in der gesamten Branche inzwischen Alarmstufe Rot. „Für uns ist das ein Desaster, denn wir leben von den Hochzeiten. Und da ist die Saison total kaputt“, erklärt Anja Rundholz, Hausdame im Gut Kump, das sich ebenfalls an der Aktion beteiligt. Bis zu drei Hochzeiten finden dort pro Woche während einer normalen Sommersaison statt, in diesem Jahr fällt alles aus – und kann nicht verschoben werden. „Denn auch der Terminkalender für das kommende Jahr ist voll“, sagt Anja Rundholz.

Achim Matzka wird mit seiner Veranstaltungsservice GmbH im Rahmen der „Night of light“ die Pauluskirche mit Open-Air-LEDs in rotes Licht tauchen, sein Kollege Dominik Lenz ist mit seiner Firma DSL, die unter anderem die Veranstaltung „Welcome to my garden“ mit Technik versorgt, ebenfalls mit im Boot. Für den Initiator der Aktion, den Essener Unternehmer Tom Koperek, steht die gesamte Veranstaltungswirtschaft vor dem Aus: „Die aktuellen Auflagen und Restriktionen machen die wirtschaftliche Durchführung von Veranstaltungen quasi unmöglich.“

Das treffe nicht nur die Veranstalter, sondern auch Spielstätten sowie Zulieferer und Dienstleister jeder Art und Größe. „Rien ne va plus – nichts geht mehr“, lautet Kopereks düsteres Fazit über die Notlage einer Branche, die über 150 verschiedene Gewerke und Spezialdisziplinen in sich vereint und deshalb über keine einheitliche Lobby verfügt.

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