Bockum-Höveler vertreibt besondere Medizintechnik

Bei Aida-Kreuzfahrten im Einsatz: Firma aus Hamm sorgt für Hygiene

Martin Stücker aus Hamm ist Gründer und Geschäftsführer der Firma Medesign.
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Er sorgt für Keimfreiheit: Martin Stücker vertreibt mit seinem Unternehmen Medesign Medizintechnik. Autoklaven ähneln optisch Mikrowellen - und sorgen für die Sterilisation von Instrumenten.

Auf jedem Kreuzfahrtschiff der Aida-Flotte gibt es eine kleine Klinik. Einige der Geräte dafür produziert eine Firma aus Bockum-Hövel - sie sorgt für Hygiene.

Bockum-Hövel - Hygiene ist sein Geschäft. Wenn der Zahnarzt das Handstück des Bohrers in den Patientenmund führt, wenn der Chirurg mit der Schere den Wundverband abschneidet oder wenn der Tätowierer die Maschine zum Stechen ansetzt, dann setzt oft Martin Stücker die Grundlagen für die Hygiene: Er ist daran beteiligt, dass all diese Geräte keimfrei sind.

OrtsteilBockum-Hövel
StadtHamm
Einwohner35.540 in Bockum-Hövel (Stand: 31.12.2017)
BezirksbürgermeisterHartmut Weber (SPD)

Aida: Auf jedem Schiff gibt es eine Klinik - einige Geräte dafür baut Hygiene-Firma aus Bockum-Hövel

Stücker verkauft kleine Autoklaven – dichte Druckbehälter mit einer Größe bis zu 23 Liter, in denen Instrumente sterilisiert werden. Sie sehen aus wie eine große Mikrowelle. Damit versorgt er Arztpraxen, kleine Kliniken, Podologen, Medizinische Versorgungszentren, Tattoo-Studios, Gesundheitsämter, aber auch die Bundespolizei und die Bundeswehr, die in ihren Kasernen ärztliche Abteilungen haben.

Das ist Stückers Hauptgeschäft, doch bekommen kann man bei seiner Firma Stücker Medesign GmbH Medizinbedarf aller Art. Dazu gehören Geräte für Diagnostik und Behandlung, Laborbedarf, Notfall-Ausrüstung, aber auch Verbrauchsmaterial, das zum Betrieb der Geräte erforderlich ist. Sogar ganze Praxiseinrichtungen hat er im Sortiment.

Das Unternehmen aus Bockum-Hövel hat bekannte Kunden - zum Beispiel das Kreuzfahrtunternehmen Aida. „Seit mehr als 20 Jahren arbeiten wir für sie. Und seit 2002 betreuen wir die gesamte Flotte“, so Stücker. Denn auf jedem Schiff gebe es eine kleine Klinik mit Sterilisation und Blutanalysegeräten. Die weitesten Servicereisen hätten bis Hongkong und Dubai geführt, berichtet er. Insgesamt betreue man 21 Kreuzfahrtschiffe.

Zweites Standbein seines Unternehmens ist die Validierung von Kleinsterilisatoren und Thermodesinfektoren aller Hersteller. Dabei werden Geräte daraufhin überprüft, ob sie auch wirklich das tun, was sie anzeigen, und ob die notwendigen Abläufe dabei eingehalten werden.

Hygiene: Es ist nicht leicht, etwas keimfrei zu bekommen

Etwas keimfrei zu bekommen, ist nicht trivial. Dreimal werde im Autoklaven ein Vakuum hergestellt und anschließend Dampfdruck erzeugt, bevor die Sterilisationsphase beginne, erläutert Stücker. Die dauere nach Empfehlung des Robert-Koch-Instituts (RKI) entweder fünf Minuten bei 134 Grad Celsius oder 18 Minuten bei 121 Grad. Alle Geräte, die er verkaufe, arbeiteten nach diesem Verfahren. „Etwas anderes biete ich gar nicht an“, sagt er.

Stücker arbeitet vor allem mit Herstellern aus Italien und England zusammen. So musste er gleich zweimal im vergangenen Jahr bange Wochen überstehen. Als die Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 Europa erreichte, war zunächst vor allem Italien betroffen. Zum einen war nicht klar, ob seine Lieferkette funktionieren würde und er weiterhin Geräte und Teile von dorther bekam. Zum anderen hielten sich seine Kunden in den ersten Wochen stark zurück mit Bestellungen und Aufträgen für eine Validierung.

Brexit, Corona: Jahr war für international tätige Firma nicht leicht

„Wir hatten rund sechs beunruhigende Wochen. Doch dann ging es zurück in den Normalbetrieb, und es hat sich im Laufe des Jahres alles wieder eingespielt. Denn die Praxen sind ja darauf angewiesen. Wir halten die Praxen am Laufen und achten darauf, dass die Hygieneketten funktionieren“, sagt Stücker.

Die zweite Zitterpartie kam aus einem anderen Grund zum Jahresende. Bis kurz vor Toresschluss war unklar, ob nach dem Brexit, der auch viele Hammer Einwohner betrifft, noch rechtzeitig Handelsverträge geschlossen würden und er weiterhin problemlos Geräte von der Insel bekommen werde.

Medesign: Stücker wollte eigentlich Jubiläum feiern

Corona und Lockdown (diese Regeln sollen in NRW gelten) machen Medesign noch aus einem weiteren Grund die Arbeit schwer. Die Mitarbeiter finden bisweilen keine Unterkunft, wenn sie die Kunden anfahren. Etliche Hotels haben komplett geschlossen. Andere bieten gerade einmal die Übernachtung, aber kein Frühstück an. Und manchmal bekommen die Mitarbeiter den Schlüssel in die Hand gedrückt, mit dem Hinweis, ihn bei Abreise in den Briefkasten zu werfen.

Die Kunden des Unternehmens sind über ganz Deutschland verteilt. „Wir haben langjährige Geschäftsbeziehungen und bundesweit Stammkunden. Das ist nicht nur reiner Abverkauf, sondern der Service steht im Mittelpunkt“, sagt Stücker. Eigentlich wollte Stücker im vergangenen Jahr auch sein Firmenjubiläum feiern, doch dann kam Corona. „Aber das holen wir nach“, meint er.

Gegründet hat Martin Stücker sein Unternehmen 1995 in Unna. Damals war er auf die Einrichtung von Arztpraxen spezialisiert. Seit den 2000er Jahren verlagerte er den Schwerpunkt immer mehr auf Hygienetechnik. Im Jahr 2018 zog er nach Bockum-Hövel in das Gewerbegebiet Im Sundern um. „Hier habe ich räumlich ideale Voraussetzungen gefunden: 150 Quadratmeter Bürofläche und 220 Quadratmeter Lager und Werkstatt. Denn wir reparieren alle Geräte selbst, die meisten vor Ort, aber auch rund 20 Prozent in unserer Werkstatt“, sagt Stücker.

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