Lilo Bredthauer kann Perfektion nicht ausstehen

Afrika-Expedition mit 100: Hammerin erfüllt sich Jugendtraum

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Lilo Bredthauer am Lauf des Okavango. „Ich war überrascht von der Breite“, sagt sie.

Hamm - Manchmal dauert es etwas länger, bis Wünsche oder Träume in Erfüllung gehen. Bei Lieselotte Bredthauer waren es 82 Jahre. Als 18-Jährige träumte sie davon, einmal in Afrika zu sein. Kurz vor ihrem 100. Geburtstag erfüllte sich die Hammerin ihren Wunsch.

Sie reiste 6000 Kilometer durch Namibia, Botswana und Zimbabwe. Zu Wasser, zu Land und aus der Luft erkundete Bredthauer gemeinsam mit ihrer langjährigen Freundin Ulla Böckenholt in einer vierköpfigen Reisegruppe das unbekannte Terrain, das so viel anders war als alles, was sie zuvor gesehen hatte. „Die Eindrücke waren fantastisch, die Landschaft kolossal vielseitig“, sagt Bredthauer. Von Sandwüste über schroffe Felsformationen, breite Ströme bis zu sattem Grün erlebte sie die gesamte Vielfalt im Süden des Kontinents.

Knapp vier Wochen waren die reisefreudigen Hammerinnen unterwegs. Anvertraut hatten sie sich einmal mehr Reiseleiter und Fotograf Hardy Neubert, mit dem das Duo vor drei Jahren bereits die USA bereist hatte. Insgesamt 14 Übernachtungsziele steuerte die Gruppe an. „Das Reisen im kleinen Kreis lässt viel Raum für Spontaneität“, sagt Bredthauer. „Bis ins Detail Organisiertes kann ich ohnehin nicht ausstehen.“

Während einer Ballonfahrt boten sich der Gruppe spektakuläre Aussichten.

Kein einziges Medikament gebraucht

Natürlich habe sie sich – wie auch vor der USA-Reise – gefragt, wie ihr Körper das wohl mitmachen würde: den Flug, die Temperaturen von bis zu 40 Grad und die Feuchtigkeit bei den heftigen Regengüssen. Und natürlich hatte sie auch diesmal ein von ihrer Hausärztin zusammengestelltes Medikamentenpaket dabei. „Gebraucht habe ich kein einziges davon“, sagt Bredthauer.

Auf bizarre Pflanzengebilde traf Bredthauer am Boden.

Unbeschwert konnten sie und ihre Freundin die Landschaft und vor allem auch die Tierwelt in ihrer natürlichen Umgebung genießen. „Diese riesigen Elefanten nur eine Straßenbreite entfernt oder die Giraffen, die wie Schornsteine über dem Buschwerk aufragten“, erinnert sich Bredthauer. Löwenrudel, Warzenschweine, Wasserbüffel, Antilopen, Nilpferde und Krokodile: Was sich hierzulande nur in künstlichen Zoolandschaften oder auf dem Fernsehbildschirm bewegt, erlebten die Hammerinnen „live“.

Ob im Heißluftballon, im offenen Helikopter, auf dem Boot, im Auto oder schlicht zu Fuß – Lilo Bredthauer und Ulla Böckenholt kosteten jeden Moment ihrer Reise aus. „Im Hubschrauber, direkt neben dem Piloten: Das fand ich prima“, sagt Bredthauer, der die Nachhaltigkeit der Eindrücke anzumerken ist.

Sand, so weit das Auge reicht: Ulla Böckenholt (links) und Lilo Bredthauer in der Wüste.

Aber Abenteuer Wildnis mit 100?

Ist das nicht etwas zu viel des Guten? Lilo Bredthauer ist keineswegs waghalsig oder leichtsinnig. Sie wäge genau ab, ob eine Reise möglich sei und sie sich fit genug dafür fühle. „Aber manchmal denke ich schon, das muss jemand anderes sein, wenn ich auf mich und mein Alter schaue“, sagt Bredthauer.

100 Jahre – welch ein Zeitraum: Geboren wurde Bredthauer noch im 1. Weltkrieg, beim Ausbruch des 2. Weltkrieges war sie 21 Jahre alt, als Deutschland 1954 erstmals Fußball-Weltmeister wurde 36 und bereits Mutter zweier Söhne. Die Studentenunruhen 1968 erlebte sie als 50-Jährige, den Mauerfall 1989 im Alter von 71 Jahren. Unterwegs habe sie viel vom und für das Leben mitbekommen, sagt sie.

"Kein Bock aber Spaß haben" mag sie nicht

Um die Größenverhältnisse abzubilden, postierte sich Lilo Bredthauer vor einen Termitenhügel.

Nach den Entbehrungen durch Krieg, Vertreibung und Wiederaufbau führte ihr erster Urlaub 1952 gerade einmal bis Iserlohn. Später sollte es dann Italien werden und eine Tour mit dem Frachter nach Casablanca. „Das würde ich jederzeit wieder tun“, sagt Bredthauer. Aber es sind keineswegs nur die fernen Ziele, die für sie ihre Reize haben: „Deutschland hat so viele schöne Seiten, man muss nicht unbedingt ins Ausland fahren“, sagt sie. Zum 20. Mal reisen Bredthauer und Böckenholt im Herbst zusammen in ihr Feriendomizil an der Ostsee.

Und was empfiehlt eine 100-Jährige den jungen Menschen von heute? „Spaß sollte man haben, wenn die Grundlagen dafür gelegt sind“, meint sie. „Vielleicht bin ich da etwas konservativ, aber die Mentalität ,kein Bock aber Spaß haben’ mag ich nicht. Es wird zu viel gefordert für persönliche Bequemlichkeiten.“ Dass die Erfüllung von Wünschen mitunter länger dauert, ist für sie kein Problem.

„Alles hat seine Zeit“, sagt Lilo Bredthauer.

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