Zahlreiche Mediziner gingen in den Ruhestand

Ärztemangel wird akut: Wir geben Tipps, wie Sie einen neuen Hausarzt finden

Hausarztsuche in Hamm: Verena Siewert hat viel Zeit am Telefon verbracht, bis sie fündig wurde.	 Ärztemangel
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Hausarztsuche in Hamm: Verena Siewert hat viel Zeit am Telefon verbracht, bis sie fündig wurde.

Was tun, wenn der Mediziner des Vertrauens in den Ruhestand geht? Wir haben Experten und Patienten auf der Suche gefragt - sie geben Tipps, wie man doch noch einen Arzt findet.

Hamm – Mehr als zehn Hausärzte haben in Hamm im vergangenen Jahr ihre Praxis geschlossen. Viele ihrer Patienten suchen seitdem einen neuen Hausarzt – und das ist nicht immer leicht. Wir haben zwei Hammer bei der Hausarztsuche begleitet und Tipps gesammelt.

„Ich habe bei mehr als acht Ärzten angerufen und alle haben gesagt, dass sie keine Patienten mehr aufnehmen“, berichtet Antje K. Die Hammerin ging bis Ende des Jahres zu ihrer Hausärztin Michaela Veit-Diebold. Mitte Dezember schloss diese ihre Praxis, einen Nachfolger gibt es nicht. „Dabei hätte sie ihre Praxis sogar verschenkt“, erklärt die Hammerin. Nun ist Antje K. auf der Suche nach einem neuen Hausarzt. Zunächst fragte sie im Freundes- und Bekanntenkreis nach Empfehlungen. Doch die Ärzte, zu denen ihr geraten wurde, nehmen allesamt keine Patienten mehr auf.

Kassenärztliche Vereinigung vermittelt Termine - normalerweise

In einem nächsten Schritt wandte sie sich an den Terminservice der KVWL. Dieser hilft unter der Hotline 116117 bei der Arztsuche. „Eine gute Sache, allerdings nicht während der Corona-Zeit“, resümiert Antje K. Denn weil die Nummer auch für Fragen rund um das Virus und den Impfstoff genutzt wird, sind die Leitungen häufig belegt. „Aber die Internetseite ist gut“, sagt sie. Dort gibt es eine Übersicht aller Ärzte mit der Möglichkeit nach Fachgebieten und Ort zu filtern. Einen Hinweis, welche Ärzte noch Patienten aufnehmen, gibt es allerdings auch dort nicht. „Da hilft leider nur telefonieren.“

Diese Erfahrung hat auch Verena Siewert gemacht. Ihr Hausarzt ging im März 2020 in den Ruhestand. „Ich habe allerdings bis heute keine schriftliche Info darüber bekommen“, sagt die 27-Jährige. Doch die Praxis ist leer und die Hammerin damit, wie viele andere, hausarztlos.

Tipp: Nett zur Sprechstundenhilfe sein

Auch Verena Siewert bekommt zunächst einige Absagen, aber dann einen guten Tipp. „Eine der Sprechstundenhilfen hat mir mehrere Namen genannt, bei denen ich es versuchen könnte“, sagt Siewert. Bei einem davon hat sie dann Erfolg. Genauso auch Antje K.

„Es macht in jedem Fall immer Sinn, nett zu den Sprechstundenhilfen und Arzthelferinnen zu sein. Denn sie ebnen einem den Weg zum Arzt. Leider ist das anscheinend nicht immer selbstverständlich“, weiß Ärztesprecher Matthias Bohle. Er hat bereits einige Patienten der ehemaligen Kollegen übernommen. Doch langsam stößt auch er dabei an seine Grenzen. „Die Patienten beschweren sich, dass sie am Telefon nicht mehr durchkommen. Natürlich ist das auch der Situation mit Corona geschuldet, aber irgendwo hat das Verständnis der Patienten auch seine Grenzen“, so der Arzt. Bohle warnt seit Jahren vor dem drohenden Ärztemangel.

In Heessen und Bockum-Hövel ist die Situation nicht so angespannt

Sein Tipp: „In Bockum-Hövel und Heessen ist die Situation noch nicht so angespannt wie zum Beispiel in Mitte, wo gleich drei Ärzte zugemacht haben. Da könnte man mehr Glück haben. Man sollte beharrlich sein. Vielleicht auch schriftlich, per Mail oder Brief fragen und bei einer Absage schade es nicht, nach einer Warteliste zu fragen. Schließlich werden auch immer wieder Plätze frei“, erklärt Bohle. In jedem Fall gilt: „Bei akuten Erkrankungen und Notfällen sind alle Ärzte verpflichtet zu behandeln“, so Bohle.

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