Vorschlag: Wurzelbrücken für Werries

Huckelpiste und Stolperfallen: Ärger um Radweg der Ostwennemarstraße

Bezirkspolitiker Maike Schmiedecken und Björn Pförtzsch machen den Test. Wurzelaufbrüche auf dem Radweg der Ostwennemarstraße in Hamm-Werries
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Unfreiwillige Wellenreiter: Die Bezirkspolitiker Maike Schmiedecken und Björn Pförtzsch machen den Test. Solange sie die Wurzelaufbrüche auf dem Radweg der Ostwennemarstraße gebremst passieren, hält es sie auf dem Sattel. So sollte aber keine Fahrbahn eines Radwegs beschaffen sein. CDU und Grüne schlagen den Einbau von Wurzelbrücken vor.

Mountainbiker nennen solche Strecken Pumptrack. Allerdings sollte das Pflaster an der Ostwennemarstraße ein ganz normaler Radweg sein und kein wellenartiger Hügelparcours. Wurzelbrücken könnten das Problem lösen.

Werries – Huckelpiste Ostwennemarstraße ein Problem? Ein junger BMX-Fahrer mochte das an diesem Tag im Mai anders sehen. Er nutzte die Bodenwellen zwischen Maximilianstraße und Grenzweg mit sichtlicher Begeisterung als Sprungschanze. Seine gute Laune täuscht keineswegs über das Problem hinweg.

Die prächtigen Bäume der Allee haben das Steinpflaster der Radwege stellenweise hoch gedrückt. Durch Wurzelaufbrüche ist eine Huckelpiste entstanden. Sie macht das Radfahren unangenehm, vielleicht auch gefährlich und sorgt seit Jahren für Kritik. Fußgänger, vor allem mit Gehbehinderungen, müssen Stolperfallen im Blick haben.

Eine Lösung ist nicht einfach, hieß es stets. Bezirksvertreter der CDU und Grünen meinen aber eine gefunden zu haben. Mit Wurzelbrücken könnte das andauernde Problem gelöst werden, sagen sie. Wenn es nach ihnen geht, soll an der Ostwennemarstraße ein erster stadtweiter Versuch umgesetzt werden. Allerdings müssen erst einmal Gelder in den Haushalt eingestellt werden. Die wollen sie beantragen.

Sanierung der Ostwennemarstraße in Werries

Die Kritik am Zustand der Radwege beidseits der Straße besteht seit vielen Jahren. Die Ostwennemarstraße entstand mit dem Maximilianpark in den 1980er Jahren. Die Bäume sind nach rund 40 Jahren zu einer stattlichen Allee herangewachsen. Seit längerer Zeit machen sich ihre Wurzeln auf dem Steinpflaster des kombinierten Rad- und Fußwegs bemerkbar. Die einst ebenerdige Oberfläche ist von Wurzelaufbrüchen gezeichnet.

Besonders auffällig ist es zum Beispiel im Bereich der Graffiti-Mauer. Die Bäume wachsen und mit ihnen die Probleme durch Wurzelaufbrüche auf den Wegen. Die Hoffnung auf eine Sanierung keimte, als 2018 die Fahrbahn der Ostwennemarstraße auf rund 550 Metern zwischen Grenzweg und Maximilianstraße saniert wurde.

Zur allgemeinen Kritik aus der Bürgerschaft und von Lokalpolitikern kam auch die Forderung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), doch den Radweg gleich mitzusanieren. Das war wegen der Förderrichtlinien nicht möglich. Der Bund übernahm 65 Prozent der Kosten. Im ADFC-Klimatest betonte der Club seine Kritik an dem jahrelangen Kurs der städtischen Verkehrspolitik, Autostraßen zu sanieren und Radwege unberücksichtigt zu lassen.

Radweg Ostwennemarstraße in einem „schlechten Zustand“

Die Zeit hat sich geändert. Die Ampelkoalition im Rathaus will einen neuen Kurs einschlagen und den Umstieg aufs Rad noch attraktiver machen. Das lässt sich an der Ostwennemarstraße, wo einer der frequentiertesten Radwege zum Maxipark und -center entlangläuft, noch nicht erkennen.

„Dass der Radweg in einem schlechten Zustand ist, wissen alle“, sagt Klaus-Peter Kappelt, Vorsitzender des ADFC-Kreisverbandes Hamm. Dass die Stadt nach Jahren der Versäumnisse jetzt nicht alle Mängel auf einmal beseitigen könne, verstehe er aber.

Im Falle der Ostwennemarstraße kommt erschwerend hinzu, dass es bislang an einer dauerhaften Lösung mangelte. Vor rund zehn Jahren hatte die Stadt den Radweg schon mal sanieren lassen. Die Schäden stellten sich alsbald wieder ein. Letztlich stellte die Verwaltung die Frage: Radweg oder Bäume erhalten?

CDU/Grüne: Wurzelbrücken für Ostwennemarstraße

Fast drei Jahre später antworten CDU und Grüne ihrerseits. „Es darf kein Entweder-oder sein“, sagt Maike Schmiedecken, Vorsitzende der Bezirksfraktion der Grünen. Mit Blick auf die (Lokal)Klimadebatte und die alten Linden heißt das: „Die Bäume müssen stehen bleiben.“ Wurzelwerk zu entfernen und abzufräsen, wäre aber das Ende der Bäume. CDU und Grüne schlagen deshalb vor, die Radwege nur abschnittweise durch so genannte Wurzelbrücken zu sanieren.

Dazu bieten mehrere Hersteller ähnliche Systeme an. Überwiegend sind es Stahlrahmen, die auf Stützfüßen oder Punktfundamenten ruhen, und über die Wurzeln führen.

Nach und nach „Brücken“ für Radweg in Werries

„Die Anhebung des Steinpflasters ist eine Folge des verdichteten Untergrunds. Die Bäume wollen atmen“, sagt Schmiedecken. „Die Wurzelbrücken haben den Vorteil, dass der Boden darunter aufgelockert bleiben kann, und sie halten die Wurzeln davon ab, nach oben zu streben.“

Eine Radwegeerneuerung ist teuer. „Wir haben aber durch die Wurzelbrücken den Vorteil, punktuell vorzugehen“, sagt Bezirksbürgermeister Björn Pförtzsch (CDU). Bislang seien solche „Brücken“ in der Stadt nicht eingebaut worden. Wie teuer sie sind, konnte er nicht sagen. Um zu hohe Kosten zu vermeiden, bestehe aber die Möglichkeit, sie nach und nach und damit über einen längeren Zeitraum einzubauen. „Wir sollten es hier probieren“, sagt er.

Thema der Bezirksvertretung Uentrop

In der Tat, es wäre zunächst ein Versuch. Aus der Praxis kennt der ADFC-Vorsitzende solche Wurzelbrücken noch nicht. „Sie scheinen eine gute Sache zu sein“, meint Kappelt, aber eben auch „sehr aufwendig“ in der Umsetzung.

Das wird sich zeigen. Der Antrag von CDU und Grünen zur Sanierung des Fuß-/Radwegs der Ostwennemarstraße zwischen Werner-Figgen-Weg/Maximilianstraße und Lange Reihe/Marker Dorfstraße und Bereitstellung von Geldern im Haushalt 2022/23 ist Thema der Juni-Sitzung der Bezirksvertretung.

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