Baumfällarbeiten an der Ludwig-Teleky-Straße

Wäldchen abgeholzt: Motorsägen schrecken Anwohner auf

Baumfällarbeiten an der Ludwig-Teleky-Straße in Hamm-Osten/Mark sorgen für Ärger und Trauer bei Anwohnern
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Neue Aussicht an der Ludwig-Teleky-Straße: Mit schwerem Gerät erledigten die Firmen in zwei Tagen ihren Auftrag. Anwohner wurden von der Maßnahme überrascht. Sie sind „traurig“ und verärgert.

Anwohner in Hamm-Osten und der Mark sind traurig und verärgert. In ihrer Nachbarschaft an der Ludwig-Teleky-Straße ist ein kleines Wäldchen abgeholzt worden. Das kam für sie plötzlich und sorgte für viel Wirbel.

Hamm-Osten/Mark – Die Bezeichnung „Wildnis“ ist übertrieben, aber es scheint, dass die Grünfläche mit ihren alten Bäumen so etwas für die Nachbarn Am Huckenholz und der Fasanenstraße war. Sie schätzten sie als solche. Das erklärt ihre Reaktionen. Nach einem Kahlschlag am Donnerstag und dem Abtransport der Bäume am Freitag herrscht an der Ludwig-Teleky-Straße auf einer fast Fußballfeld großen Fläche Leere.

„Wir waren hier alle aufgeschreckt“, sagt Anwohnerin Monika Steiner über den Lärm der Motorsägen und was er bedeutete. „Wir sind baff, was man an einem Tag schaffen kann. Da wird nicht ein bisschen aufgeräumt oder weggeräumt, da sind alle Bäume weg, alle Sträucher.“ Sie und ihr Mann sind verärgert. Bis spät am Abend seien die Arbeiten am Donnerstag gelaufen, und am Freitagmorgen seien sie schon um kurz nach 6 Uhr wieder losgegangen.

Drähte im Hammer Osten laufen sprichwörtlich heiß

Auf der Suche nach Antworten ließen mehrere Anwohner sprichwörtlich die Drähte heißlaufen. Doch sie blieben zunächst im Ungewissen und mussten akzeptieren, dass dort „Tatsachen geschaffen werden“, wie Monika Steiner feststellt.

Weitere Fällarbeiten in der Mark

Januar und Februar sind die Monate der Kettensägen. Stehen irgendwo Fällarbeiten an, müssen sie bis zum Beginn der Vegetationsperiode im März erledigt sein. Nicht nur an der Ludwig-Teleky-Straße waren die Sägen dieser Tage zu hören, sondern etwa auch an der Fichtestraße und am Marker Friedhof. Sie schreckten auch dort Anwohner auf. In ihrer Sorge um den Verlust alter Bäume und um die Zerstörung von Lebensraum für Tiere mischte sich Verärgerung über unangekündigte Maßnahmen und die Ohnmacht, etwas dagegen machen zu können.

Ähnlich ist es im Grunde jedes Jahr. Aber mit der von den Grünen beantragten Baumschutzsatzung für die Stadt könnten solche Maßnahmen schwieriger werden. Das gilt auch für Fällungen auf Privatflächen, so wie in dieser Woche. Die müssen die Anwohner aber in der Regel hinnehmen. Schließlich geht es um Privateigentum.

Bäume an Ludwig-Teleky-Straße aus den 1950er-Jahren

Jahrelang durfte das Grün an der Ludwig-Teleky-Straße ungestört wachsen. Etwa seit dem Bau der Wohnsiedlungen Anfang der 1950er-Jahre, wie Monika Steiner sagt. So lange lebt sie dort schon – die Bäume durften wachsen, bis Donnerstagmorgen. Sie und weitere Bewohner vom Huckenholz und der Fasanenstraße sahen „erschrocken“ zu, wie der Grünzug nach und nach abgeholzt wurde. „Es war alles zugewuchert mit kleinen Bäumen“, sagt eine weitere Anwohnerin „traurig“ über den Verlust des vertrauten Grüns. Sie möchte namentlich nicht genannt werden.

Bei der Stadt ist die Abholzaktion nicht angekündigt worden. Musste sie laut Verwaltung auch nicht. „Es ist kein städtisches Wäldchen“, sagt Stadtsprecher Lukas Huster auf Anfrage. „Es haben sich auch bei uns Anwohner gemeldet, aber wir konnten nicht weiterhelfen.“

Fläche an der Ludwig-Teleky-Straße nicht umweltrechtlich geschützt

Einen etwaigen Stopp der Arbeiten hätte die Verwaltung nicht erwirken können. „Es ist keine Fläche, die umweltrechtlich unter einem besonderen Schutz steht“, begründet er. Das wäre der Fall, wenn es um ausdrücklich geschützte Bäume geht und, „wenn Flächen über Jahrzehnte verwildern. Aber an dem Punkt sind wir hier noch nicht“, erklärt er. Auch die Brutzeit hat noch nicht begonnen. Wenn ein Grundstückseigentümer das alles beachte, könne er mit seinen Bäumen machen, was er wolle, sagt der Stadtsprecher.

Warum die Arbeiten an der Ludwig-Teleky-Straße durchgeführt worden sind, ist unklar. An einigen Baumstämmen waren große Faulstellen zu erkennen. Dem Vernehmen nach gehört das gerodete Grundstück direkt an der Ludwig-Teleky-Straße einer Erbengemeinschaft. Eine Kontaktaufnahme blieb am Freitag erfolglos.

Neues Bauland im Hammer Osten?

Bezirksbürgermeister Björn Pförtzsch war ebenso wie die Anwohner „überrascht“. Mehrere Anrufe habe er erhalten. Seinen Erkenntnissen nach und laut Bebauungsplan handle es sich hier um eine Grünfläche. Ob der Eigentümer vorhabe, es in Bauland umzuwandeln, schloss er nicht aus. Das sei ihm aber bisher nicht bekannt.

Von der Grünfläche ist etwa die Hälfte stehen geblieben. Der angrenzende Spielplatz am Rande der Fasanenstraße ist städtisch. Veränderungen sind laut Verwaltung derzeit nicht geplant. Die südliche Hälfte der Grünfläche gehört einem weiteren Eigentümer. Davor machten die Fällarbeiten Halt.

Weitere Baumfällungen in der Mark

„Es sind teils tolle Bäume gewesen“, sagt Pförtzsch. „Aber es ist eben Privatgelände.“ So haben die Eigentümer Planungssicherheit.

Die brauchen sie zum Beispiel am Marker Friedhof. Dort fanden vor einigen Tagen Arbeiten auf einem Nachbargrundstück statt. Der Grünschnitt und die Baumfällungen zwischen Knappenstraße und Alter Soester Straße könnten Vorbereitungen für die Bebauung eines kleinen Baugebiets sein. Das Verfahren zur Änderung des Bebauungsplans Lisenkamp läuft. Aus der Nachbarschaft kommen allerdings Hinweise auf einen schützenswerten Grünbereich. Der Bebauungsplan wird im beschleunigten Verfahren geändert und erweitert. Er werde deshalb ohne Durchführung einer Umweltprüfung aufgestellt.

Ahornbaum an der Fichtestraße abgeholzt

Dass alte Bäume einfach gefällt werden können, weil der Grundstückeigentümer es so will, halten Kritiker für unzeitgemäß. „Es geht auch um Tierschutz“, sagt eine aufgebrachte Bewohnerin der Mark. Sie beobachtete oft einen Specht in einem nahen Ahornbaum an der Fichtestraße. Nach Jahrzehnten ist der Baum am Donnerstag gefällt worden. „Der Naturschutz wird mit Füßen getreten“, meint sie. Ob eine Baumsatzung das ändert, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

Baumfällungen sind ein hochemotionales Thema. Das zeigte sich unter anderem in Herringen. Dort sollten im „Isenbecker Hof“ knapp 100 Bäume abgeholzt werden. Doch nach Protesten gab es Hoffnung. Es folgte eine der größten Baumrettungen der Stadt.

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