Beobachter empört

Stadt lässt Laubhaufen entfernen - Igel ohne Überlebenschance?

In so einem Haufen, wie hier im Kurpark Hamm fotografiert, können Igel überwintern.
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Blätter-Heim: In so einem Haufen, wie hier bereits im Oktober im Hammer Kurpark fotografiert, können Igel überwintern.

„Wochenlang“ habe der Haufen Grünabfall mit Laub und Geäst auf einer öffentlichen Grünfläche im Hammer Osten gelegen. Die Art, wie er nun von Mitarbeitern des städtischen Grünflächenamtes entfernt worden ist, regt eine Anwohnerin auf.

Hamm - Sie sei Umweltschützerin und wisse, dass solche Haufen ab etwa November gern vor allem von Igeln aufgesucht würden, um zu überwintern, sagt die WA-Leserin. Die hätten in diesem Fall keine Überlebenschance gehabt, weil die Mitarbeiter nicht nur Traktor und Baggerschaufel eingesetzt hätten, sondern auch bei der Arbeit auf dem Laubhaufen zum Rangieren herumgefahren seien.

„Dieses Vorgehen finde ich absolut unverständlich“, sagt sie: Der Laub- und Geästhaufen, der jetzt im Winter niemanden gestört habe, hätte ihrer Meinung nach problemlos im Frühjahr durch die Mitarbeiter der Stadt entfernt werden können. Herumfliegende Blätter seien auch kein Problem gewesen, weil die sich durch die anhaltende Feuchtigkeit längst verfestigt hätten.

Dass in jenem Fall Igel zu Schaden gekommen sind, bezweifelt das Grünflächenamt. Nach Auskunft eines Stadtsprechers überwinterten Igel „vor allem in kleinräumlichen gärtnerischen Strukturen und meiden offene und frequentierte Fläche“. Laublager wie im Hammer Osten würden Igel „nur in seltenen Fällen“ zur Überwinterung auswählen.

Stadt: Rasen stirbt durch Liegenlassen ab

Zu bedenken gibt der Stadtsprecher, dass von den Mitarbeitern des Grünflächenamtes in jeder Saison „hunderte Tonnen Laub“ eingesammelt werden: „Das ist eine enorme logistische Herausforderung, die es nötig macht, Zwischenlager vorzuhalten.“ Die sollten zwar zeitnah wieder geleert werden, weil die Kapazitäten aber sowohl hinsichtlich Personal als auch großer Lkw zum Abtransport begrenzt seien, könne es vorkommen, dass Zwischenlager etwas länger genutzt werden. „Das scheint hier der Fall gewesen zu sein“, so der Stadtsprecher. Sie bis zum Frühjahr liegen zu lassen, sei „nicht optimal“, weil der Rasen unter den Laubhaufen dann absterbe.

Ein solches Zwischenlager vor dem Abtransport daraufhin zu untersuchen, ob Igel sich dort einquartiert haben, sei vom Personal „nicht zu leisten“. Trotz alledem wolle die Stadt den Hinweis der Bürgerin aufgreifen: Das Grünflächenamt wolle jetzt vom Umweltamt eine Einschätzung einholen, ob es gegebenenfalls aus Sicht des Naturschutzes eine andere Lösung für die Laubhaufen gibt.

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