Aktion Frühjahrsputz

Norddinkers Saubermänner und -frauen bleiben erst mal auf Müllberg sitzen

Nach der Müllsammlung in Hamm-Norddinker bei Aktion Frühjahrsputz präsentierten die Ehrenamtlichen den rund um die Dörfer gesammelten Abfall.
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Als voller Erfolg begonnen: Nach der Müllsammlung präsentierten die Ehrenamtlichen den rund um die Dörfer gesammelten Abfall.

Ohne Ehrenamt geht’s nicht. Aber zu viel davon, ist auch nicht unbedingt gut. Das mussten die Müllsammler aus Norddinker feststellen. Sie sind mit ihrem Beitrag zur Aktion Frühjahrsputz übers Ziel hinaus geschossen.

Norddinker – Eine Folge ihres Einsatzes: Sie bleiben auch eineinhalb Wochen nach der Aktion Frühjahrsputz auf ihrem Müllberg sitzen – bildlich gesprochen. Das sorgte für Ärger und Enttäuschung im Dorf.

„Wir opfern die Zeit, machen alles sauber, und der ASH ist nicht in der Lage, den Müll abzuholen“, sagte Heinrich Elbers am Mittwoch aufgebracht. Der Müll war auf seinem Hof „zwischengeparkt“. Einen Tag später und nach der Berichterstattung im Westfälischen Anzeiger sah die Situation aber schon anders aus.

Das war bis Mitte der Woche geschehen: Vor eineinhalb Wochen hatten rund 60 Ehrenamtliche in den Dörfern Norddinker, Vöckinghausen und Frielinghausen ihren Beitrag zur stadtweiten Aktion Frühjahrsputz geleistet. Unter Coronaauflagen zogen sie in Kleinstgruppen los. Organisator und Ortsheimatpfleger Dirk Krämer war freudig überrascht über den starken Zuspruch.

Anhänger voller Müll in Norddinker gesammelt

Entsprechend fiel die Bilanz aus: ein 8-Tonnen-Anhänger voller achtlos weggeworfenen Mülls. Noch am gleichen Tag meldete Krämer beim Abfall- und Stadtreinigungsbetriebs Hamm (ASH), dass der Unrat auf dem Hof Elbers abgeholt werden könne. Mit einem Dank als Antwort und der Info, dass der Abfall in Kürze abgeholt werden solle, wähnte Krämer den erfolgreichen Abschluss.

Der ASH kam erst am Mittwoch. „In Kürze“ hatte sich Heinrich Elbers kürzer vorgestellt. Den ersten Ärger konnte er noch unterdrücken. Seiner Schilderung nach schauten sich die drei ASH-Mitarbeiter den Müllberg an und stellten fest, den Abfall nicht mitnehmen zu können. Unrat, wie eine Gasflasche, die Bodenwanne eines Automotors und alte Teppichböden, sprachen eher für eine wilde Müllkippe. Deshalb empfahlen sie, den beladenen Anhänger direkt zur Müllverbrennungsanlage in Bockum-Hövel zu bringen.

Außenstelle des ASH? Nein. Neben dem Anhänger voller Müll hat Heinrich Elbers jetzt auch noch einen Container des ASH auf dem Hof im Weg stehen.

Wenn es ums Ehrenamt geht, ist der Vereinsvorsitzende Heinrich Elbers stets zur Stelle, aber irgendwann ist das Maß voll. „Ich sagte: Ich fahre den Müll nicht nach Bockum-Hövel, sondern höchstens zum Oberbürgermeister nach Vöckinghausen“, erklärte er auch eine Woche danach noch aufgebracht. Laut Elbers sollten die Ehrenamtlichen den Abfall gegebenenfalls umladen, was er aber ablehnte. Für seine Mitarbeiter schloss der ASH aber ein manuelles Umladen mit Verweis auf den Arbeitsschutz aus. „Ich glaube, dass es für uns beim Müllsammeln an der Soester Straße gefährlicher war“, sagte er.

Der Ärger schaukelte sich weiter auf. Ortsheimatpfleger Krämer wandte sich Montag schriftlich an ASH-Geschäftsführer Reinhard Bartsch und kritisierte, dass die Ehrenamtlichen „von einigen Mitarbeitern des ASH nicht ernst genommen werden“. Er bat um eine kurzfristige Abholung des Abfalls.

Dorfbewohner bleiben in Norddinker auf Müllberg sitzen

Der ASH brachte am Mittwoch einen Container. Mal eben den Abfall vom Anhänger in den Container kippen, war aber aus technischen Gründen nicht möglich. Fortan hatte Elbers neben dem vollen Anhänger noch einen leeren Container auf dem Hof. „Ich musste den Hänger schon umstellen, weil er im Weg stand“, sagte er.

Zusätzlich ärgerte ihn, dass das Problem gar nicht hätte sein müssen. Krämer hatte die Aktion angemeldet und um einen Container an der alten Schule in Norddinker gebeten. Den hätten die Ehrenamtlichen direkt befüllt. Doch er erhielt eine Absage. Demnach befürchtete der ASH, dass Leute ihren Privatmüll dort entsorgen könnten. Das schließen Krämer und Elbers aber aus.

Wohin mit dem Müll aus Norddinker?

Wie es weitergeht, konnte die Stadtverwaltung am Mittwoch noch nicht sagen. „Wir arbeiten an einer Lösung“, erklärte Stadtsprecher Lukas Huster. Menge und Art des Mülls erschwerten den Umgang.

Normalerweise füllen die Ehrenamtlichen beim „Frühjahrsputz“ die vom ASH zur Verfügung gestellten Müllsäcke. Größerer Unrat soll gemeldet werden. Er wird vom ASH an Ort und Stelle eingesammelt. Dem sind aber die eifrigen Sammler in Norddinker zuvorgekommen.

Anhängerladung Müll wartet in Norddinker auf Abholung

Wie es weitergehen könnte, wusste zu dem Zeitpunkt zumindest Elbers: „Wenn der Müll in ein oder zwei Tagen nicht abgeholt ist, stelle ich ihn dem OB vor die Tür.“ Das ist fast nebenan.

Der Müllberg ist Oberbürgermeister Marc Herter aber erspart geblieben. „Der Müll ist weg“, sagte Heinrich Elbers tags drauf, am frühen Donnerstagnachmittag. Seine Verärgerung war guter Laune gewichen. Etwas mehr als eineinhalb Wochen stand ihm ein Anhänger voller Abfall auf seinem Hof im Weg.

Abfall verlässt Norddinker

Eine Stellungnahme der Stadtverwaltung blieb am Donnerstag aus. Aber laut Elbers habe eine ASH-Mitarbeiterin persönlich für die Unannehmlichkeiten um Entschuldigung gebeten. Er war zwar gerade nicht zu Hause. Aber später überzeugte er sich davon, dass der ASH den Müll doch von seinem Anhänger in den Container umgeladen und so zur Entsorgung mitgenommen hatte.

Ob sich die Dorfbewohner kommendes Jahr wieder am Frühjahrsputz beteiligen? Elbers lachte und sagte mit Verweis auf die jüngste Aktion: „Lassen wir Gras über die Sache wachsen.“

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