Belästigung bis zum Lockdown

Haft für Stalker: Leipziger stellt Hammer Unternehmerin seit 2014 nach

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Marie-Christine Ostermann vor dem Amtsgerichtstermin in Hamm im vergangenen Juli.

Hamm/Dortmund – Der Stalker, der jahrelang der Hammer Unternehmerin Marie-Christine Ostermann nachgestellt hatte, muss für acht Monate ins Gefängnis. Das vom Schöffengericht Hamm im Juli vergangenen Jahres gesprochene Urteil in dem Gewaltschutzverfahren wurde nun in zweiter Instanz vor dem Dortmunder Landgericht rechtskräftig.

Der 57-jährige Mann aus Leipzig war ohne Entschuldigung seinem Gerichtstermin ferngeblieben und war für keinen der Prozessbeteiligten erreichbar. Auch sein Pflichtverteidiger Norbert Velser aus Hamm konnte nur die Schultern zucken auf die Frage des Gerichts, ob er wisse, was mit seinem Mandanten sei. Durch sein unentschuldigtes Fehlen wurde sein Rechtsmittel verworfen – der Leipziger muss nun für acht Monate ins Gefängnis.

Für sein Opfer Marie-Christine Ostermann, die als Nebenklägerin und Belastungszeugin auf ihre Zeugenaussage wartete, ist die Bestätigung des Urteils eine große Erleichterung. Sie und ihr Rechtsbeistand Prof. Dr. Christian Laue konnten nach halbstündigem Warten auf den Angeklagten unverrichteter Dinge das Gerichtsgebäude wieder verlassen.

Große Erleichterung über "Teilerfolg"

„Ich bin erleichtert, dass das Urteil nun rechtskräftig ist“, sagte Ostermann gegenüber unserer Zeitung. Sie sprach auch von einem „Teilerfolg“, denn gemessen an dem Psycho-Terror, den ihr Peiniger über Jahre ausgeübt habe, seien acht Monate gefühlt eine milde Strafe. In einem Strafverfahren hätte die Strafe wesentlich höher ausfallen können, doch bei der Leipziger Staatsanwaltschaft habe man den Fall nicht weiter verfolgen wollen.

Ärgerlich sei es dennoch gewesen, dass der 57-Jährige nicht zum Termin erschienen ist. „Ich hätte auch prima arbeiten können heute. Es ist viel zu tun. Und mein Anwalt ist aus Heidelberg angereist. Es ist unverschämt, was dieser Mann macht“, so Ostermann.

Mit Briefen, Mails und Paketen bombardiert

Seit 2014 hatte der Leipziger die Unternehmerin und ehemalige Landesschatzmeisterin der NRW-FDP und Ex-Bundesvorsitzende der Jungen Unternehmer mit Briefen, E-Mails und Paketen bombardiert und immer wieder in Angst und Schrecken versetzt. Rund 2000 Briefe und Mails gingen bei der Hammerin ein, teilweise mit bedrohlichem Inhalt, mit Fotos von geköpften Frauen und Vorschlägen für eine gemeinsame Hochzeitsreise.

Vor dem Amtsgericht hatte Ostermann ihre panische Angst vor dem Stalker beschrieben, seine völlig irrationalen Aktionen dargelegt: „Er hat sich eingebildet, dass ich eine Tochter namens Clarissa von ihm hätte und mir sogar Babykleidung geschickt.“

Stalking bis zum Lockdown

Auch in jüngster Zeit habe sie Briefpost und E-Mails erhalten. Letztere bis zum Lockdown. „Vermutlich weil er aus einer öffentlichen Einrichtung geschrieben hat, die dann schließen musste“, so Ostermann. Nun hofft sie, Ruhe zu finden, während der Mann hinter Schloss und Riegel sitzt. „Diese lange Zeit ist bedrückend, beklemmend und zermürbend. Aber ich bin ein positiver Mensch und lasse mir mein Lebensglück nicht zerstören.“

Um ihrem Peiniger so wenig wie möglich Angriffsfläche zu bieten, hatte sich Ostermann von der politischen Bühne und ihren Ämtern zurückgezogen und lediglich ihre unternehmerische Tätigkeit fortgesetzt. Auch umgezogen ist sie, um dem Mann zu entgehen.

In Hamm engagiert sich Ostermann aktuell ehrenamtlich als Vorsitzende des Fördervereins der Kinderklinik.

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