Absolut sehenswert: Chinesische Kunst in Hamm

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Jun Jiang (links) und Qiwei Zhang. ▪

HAMM ▪ Das Paradoxon, eigentlich unvereinbare Gegensätze miteinander zu vereinen, gelingt dem Kunstverein mit seiner neuen Ausstellung „Unsere Welt“ in der Stadthausgalerie, die gestern Abend eröffnet worden ist. Prädikat: Absolut sehenswert. Von Gisbert Sander.

Da beziehen sich die beiden chinesischen Maler Qiwei Zhang und Jun Jiang – beide Meisterschüler an der Kunstakademie Münster – in ihren Werken einerseits auf die Werte klassischer chinesischer Malerei mit den immer wiederkehrenden Elementen Landschaft, Wasser, Blüten, Menschen. Da gelingt es ihnen andererseits, diese Themen zeitgemäß weiter zu entwickeln in jeweils ganz eigenständigen, dabei gegensätzlichen Bildsprachen.

Qiwei Zhang ist ein bildgewaltiger Erzähler. Die Figuren, die er in Welten zwischen Realität und Traum installiert, gehen oft spielerischen Tätigkeiten nach – blasen Seifenblasen oder betätigen sich auf überdimensionalen Papierfliegern als Piloten, die eher an Gladiatoren antiker Kutschenrennen erinnern. Auch wenn im Bild „80 km/h“ Reste historischer Bebauung bedroht werden von Hochhäusern im Hintergrund und einer Baugrube im Vordergrund, die mit ihrem Freiraum diese Papierflüge erst ermöglicht, will Zhang seine Bilder nicht im politischen Sinn verstanden wissen.

Im Gegenteil: Die Acht sei in China ein Glückssymbol – wieviel mehr erst die 80… Tatsächlich ist sein Thema Aufbruch – der Aufbruch in eine neue Welt. Wertungen überlässt er dem Betrachter.

Ganz anders Jun Jiang: In den Tiefen seiner Bildwelten kann man sich verlieren – ja fast verlaufen. Absolut faszinierend ist, dass seine Bilder dreidimensional wirken – allein, indem er Horizontale und Vertikale geschickt miteinander verwebt. Grau- und Blautöne dominieren bei ihm – doch farbliche Tristesse bedeutet das nicht, so „lebendig“ wirken sie in diesen Landschaften. Außerdem setzt Jiang ganz vorsichtig farbintensive Akzente: mit einem nackten Paar beispielsweise oder Blüten.

Die Ausstellung in der Stadthausgalerie, Museumsstraße 2, ist bis zum 16. Oktober zu sehen: dreitags von 16 bis 20 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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