Protestler fordern Veränderungen in der Kirche

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Rund 100 Menschen nahmen an der Protestaktion "Maria 2.0" vor der St.-Bonifatius-Kirche teil.

Hamm - Die Protestwoche "Maria 2.0" gegen Zustände in der katholischen Kirche hat auch in Hamm ihren Abschluss gefunden. 

Es war symbolisch zu sehen, als die rund 100 Teilnehmer des Wortgottesdienstes zum Abschluss der Aktion „Maria 2.0“ am Samstag vor der St.-Bonifatius-Kirche in Werries das Lied „Gib mir die richtigen Worte“ sangen. Denn die richtigen Worte hatten sie während des einwöchigen Kirchenstreiks unlängst gefunden – und zwar nicht nur sprachlich. 

Vielmehr ließen sie auch am Samstag wieder Taten sprechen. Während etwa 60 Besucher an der heiligen Messe in der Kirche teilnahmen, kamen zum parallel stattfindenden Wortgottesdienst über 100 Besucher auf dem Kirchvorplatz zusammen, um sich friedlich für Veränderungen in der katholischen Kirche – unter anderem in Bezug auf die Rolle der Frau sowie wegen des Missbrauchsskandals – einzusetzen. 

Ein Zeichen setzten sie aber schon bevor es los ging. Denn direkt vor der Kirche stellten die Teilnehmer etwa 15 Paar Schuhe hin – nach dem Motto: Wir würden hineingehen, tun es aber nicht, solange wir nicht unsere Stimmen erheben dürfen und gehört werden. 

Nachdem Mitorganisatorin Beate Lütkenhaus eine Zusammenfassung der verschiedenen Aktionen während der deutschlandweiten Protestwoche gab, begann sie danach mit dem Wortgottesdienst. „Unrecht geschah und geschieht“, sagte sie vor den vielen Besuchern, unter denen nicht nur Frauen aus den kfd-Gruppen des Pastoralverbundes Hamm-Mitte-Osten waren, sondern auch Frauen aus Bockum-Hövel sowie aus Solidarität etliche evangelische Frauen. Auch einige Männer nahmen teil. Es folgten das Glaubensbekenntnis, Fürbitten. Gegen Ende reichten sich die Teilnehmer die Hände und zeigten, dass sie im Protest vereint sind. Noch während der Wortgottesdienst draußen lief, kamen die Besucher der heiligen Messe aus der Kirche heraus. Einige gingen einfach weiter, andere blieben stehen und schlossen sich den Protestlern an. 

Dazu setzte sich auch Pfarrer Bernd Mönkebüscher, der die Aktion ohnehin unterstützt. Später griff er sich das Mikrofon und erzählte, dass ihm der heutige Gottesdienst schwer gefallen sei. Er rief die Menschen dazu auf, sich mit Briefen an den Bischof zu wenden und Veränderungen in der katholischen Kirche zu fordern. „Es ist eine komische Situation, die einen zerreißt“, sagte Mönkebüscher und verriet, dass er – sollte der Protest nächstes Jahr wieder stattfinden – er dann nicht zeitgleich eine Messe leiten will. „Es ist unerträglich“, sagte er, der ebenfalls für ein Umdenken in der Kirche einsteht. 

Die Resonanz war unterdessen sehr gut: „Es tut gut, die Solidarität zu spüren und zu merken, dass man etwas bewegen kann. Es war eine ganz intensive Woche“, sagte eine Teilnehmerin. Genauso sah es auch Beate Lütkenhaus, die den Wortgottesdienst mit Gisela Granseuer und Beate Flottmeyer hielt. „Ich habe mich noch nie so katholisch gefühlt, wie in dieser Woche“, sagte sie, schließlich habe sie sich intensiv mit ihren Wurzeln auseinandergesetzt und auch mit anderen Leuten über den Glauben gesprochen. Ihr – und auch vielen anderen – merkte man die Freude darüber an, die Stimme erhoben zu haben.

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