Dorothea Verfuß geht in den Ruhestand

Abschied nach 44 Jahren als Erzieherin in ein und derselben Kita

Wachablösung: Sabrina Hüsken (links) ist Nachfolgerin von Dorothea Verfuß als Leiterin der Kita.	Foto: rother
+
Wachablösung: Sabrina Hüsken (links) ist Nachfolgerin von Dorothea Verfuß als Leiterin der Kita.

44 Jahre lang war Dorothea Verfuß in der Kita St. Regina in Rhynern tätig. Nun geht sie in den Ruhestand. Mit Sabrina Hüsken steht die Nachfolgerin bereits fest.

Rhynern – Wer 44 Jahre in einer Kita arbeitet, der kann bei den Namen der Kinder schon einmal durcheinander kommen. Bei Dorothea Verfuß, deren Abschied in der Kita St. Regina in Rhynern bevorsteht, haben die Namenverwechslungen auch eine Vorgeschichte. „Manchmal spreche ich das Kind mit dem Vornamen des Papas an, weil ich bei Aussehen, Mimik und Verhalten doch stark an den Vater erinnert werde“, sagt sie lachend. Denn natürlich betreut sie längst die Kinder ihrer damaligen Kinder, und die damaligen Eltern kommen nun als Großeltern vorbei. „Das ist einem Ort wie Rhynern nicht außergewöhnlich“, weiß sie.

Ansonsten habe sich in den 44 Jahren viel verändert in der Einrichtung an der Straße „Auf der Helle“. Am 1. Januar 1978 trat Verfuß ihre Stelle im Anerkennungsjahr an. Per Sondergenehmigung durfte sie kurz darauf ihre Gruppe als Fachkraft weiterleiten. Seitdem geht sie im katholischen Kindergarten ein und aus. 1991 wurde sie stellvertretende Leiterin, 2000 trat sie die Nachfolge von Christel Stracke an. „Ich hatte die Leitungsstelle angestrebt, da ich hoffte, so viel bewegen zu können. Außerdem wollte ich die Erzieherinnen in ihren Gruppen entlasten, indem ich immer wieder einspringe“, erklärt sie. Doch der Verwaltungsaufwand wurde immer größer, die Arbeit mit den Kindern immer weniger. Sie erlebt den Trägerwechsel, den Aufbau der U3-Gruppen plus Anbau der neuen Räumlichkeiten und die neuen Anforderungen an die Erzieherinnen mit Bildungsauftrag und Elternarbeit. Und alles muss dokumentiert werden. „Es gab Tage, da habe ich mein Büro zwischendurch verlassen, bin in eine Gruppe, um dort bei den Kindern etwas abschalten zu können“, genoss sie stets die Nähe zu den kleinen Rackern.

Ihre Berufswahl hat sie nie bereut. Seit dem 16. Lebensjahr war klar, was sie später werden wollte. Und da warfen sie auch niedliche „Beleidigungen“ nicht aus der Bahn. „Einmal musste ich einen Jungen in der Gruppe etwa verbieten, da dreht er sich weg und murmelt leise zu einem Freund: ,Die alte Ziege sieht auch alles‘. Dann muss man aufpassen, dass man nicht loslacht“, erzählt sie eine Anekdote aus unzähligen Begebenheiten mit den Kindern.

Das werde ihr sicherlich fehlen, ebenso die Zusammenarbeit im Kollegium. „Aber ich bin auch ein Stück weit froh, dass ich die ganze Verantwortung jetzt abgeben kann“, gibt sie zu. Und so freue sie sich auf die freie Zeit mit ihrem Patenkind. Und sie möchte gerne das Bogenschießen erlernen. „Mal sehen, wie das so wird.“.

In guten Händen weiß sie ihre Kita in jedem Fall. Seit dem 1. August bereits leitet Sabrina Hüsken die Einrichtung, beide befinden sich in der Übergabephase. In Bockum-Hövel geboren, in Ostwestfalen den Berufsweg eingeschlagen, in Paderborn englische Literatur und Erziehungswissenschaft studiert, fand sie nun den Weg zurück nach Bockum-Hövel. Da kam die freie Stelle in Rhynern gerade recht. Und nach sechs Wochen Kennenlernen sagt die 32-Jährige voller Überzeugung: „Das war die absolut richtige Entscheidung!“ Alles sei sehr positiv und sie freue sich darauf, die Arbeit von Dorothea Verfuß fortzusetzen. Und nach und nach werde sie natürlich auch ihre Ideen einbringen. „Der Blick von außen kann der Einrichtung absolut guttun“, findet auch Verfuß. So träumt Sabrina Hüsken davon, in Rhynern ein bilinguales Konzept einzuführen, entsprechende Bachelorarbeiten hat sie bereits geschrieben. „Eine Kita, in der Deutsch und Englisch gesprochen wird, das könnte gut nach Rhynern passen“, findet und möchte diesen Traum mit Leben füllen.

Am Freitag, 17. September, findet die Abschiedsfeier für Dorothea Verfuß statt. Nach einem Gottesdienst in der St.-Regina-Kirche gibt es einen kleinen Empfang in der Kita. Ihren letzten Arbeitstag wird sie am Dienstag, 21. September, haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare