Hammer Schüler äußern sich

Abi in Corona-Zeiten: Sorgen, Ängste und verpasste Chancen

Die Kultusministerkonferenz hat eine Entscheidung bezüglich Abitur und Abschlussprüfungen 2021 getroffen.
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Die Lehrergewerkschaft kann sich vorstellen, die Prüfungen wegen Corona ganz ausfallen zu lassen.

In gut zwei Wochen starten die Abiturprüfungen – eigentlich. Die Bildungsgewerkschaft GEW hat sich bereits für angepasste Abiturprüfungen in NRW ausgesprochen.

Hamm – Wenn die Corona-Zahlen weiter ansteigen, könnte sich die Lehrergewerkschaft sogar vorstellen, die Prüfungen ganz ausfallen zu lassen. Ist das wirklich eine Option?

Wir lassen die zu Wort kommen, um die es geht. Vier Abiturienten erklären, wie es ist, in der Pandemie den Abschluss anzustreben.

Asal Dorodian (19), Abiturientin an der Friedensschule

„Ich fände es sehr gut, wenn die Abiprüfungen ausfallen und stattdessen unsere bisherigen Leistungen bewertet werden würden. Ich lerne schon seit zwei Wochen für mein Abi und fühle mich damit überfordert, weil ich nicht die Chance hatte, die Themen intensiv im Unterricht durchzunehmen. Ich muss mir viel selbst beibringen. Ich habe nicht das Gefühl, dass wir die gleichen Voraussetzungen haben wie die Jahrgänge vor uns“, sagt Asal Dorodian. Sie würde gerne Medizin studieren, wenn ihr Corona nicht den Abi-Schnitt kaputt macht. „Ich mache mir Sorgen, dass ich mich bei den Prüfungen nicht so gut konzentrieren kann. Wir müssen da ja wahrscheinlich die Maske die ganze Zeit aufbehalten und davon bekomme ich immer Kopfschmerzen“, erklärt die 18-Jährige. Und dann ist da noch der psychische Stress. „Meine Eltern gehören beide zur Risikogruppe. Deshalb musste ich immer aufpassen, dass ich niemandem zu nah komme, auch nicht meinen Freunden. Das hat einen immer beschäftigt und der Lernatmosphäre geschadet.“

Julia Fuchs (17), Abiturientin am Gymnasium Hammonense

„Ich fühle mich gut vorbereitet. Wir haben im Distanzunterricht in den Abifächern Videounterricht gemacht. Damit kam ich gut klar und bin im Stoff gut mitgekommen.“ Sie macht sich keine großen Sorgen, dass Corona ihren Abschluss gefährden könnte. Trotzdem ist sie froh, dass die Schüler nach den Ferien noch ein paar Unterrichtsstunden in ihren Fächern bekommen sollen. Neben der Prüfungsvorbereitung würden die Abiturienten sich jetzt eigentlich auch um die Abiball-Vorbereitungen kümmern. „Wir haben das Kurhaus reserviert, Pläne haben wir aber noch nicht. Ich glaube nicht, dass es einen Abiball geben wird. Unsere Stufenfahrt ist auch ausgefallen. Aber ich habe mich damit abgefunden.“

Kira Reichel (18), Erzieher- ausbildung mit Allgemeiner Hochschulreife am Franziskuskolleg

„Ich fühle mich gut vorbereitet. Wir hatten ein gutes Lernklima und genug Material zur Verfügung, deshalb glaube ich nicht, dass ich da einen Nachteil habe. Was wir aber alle extrem merken werden, sind die ausgefallenen Praktika.“ Zehn Wochen Praxiserfahrung fehlen ihr dadurch. „Das wird auch das Anerkennungsjahr nicht auffangen können.“ Für die Abiprüfungen war die zusätzliche Lernzeit aber gut.

Paul Holtsträter (19), Abiturient Friedensschule

„Ich denke, jeder, der mit der Qualiphase beginnt, freut sich auf die schöne Abifeier am Ende. Man arbeitet da auch drauf hin und jetzt wurde alles wegen der Pandemie abgesagt. Da ist man natürlich geknickt, aber man arrangiert sich mit der Situation.“.Eine kleine Abifeier fände der 18-Jährige schön, vorsichtige Pläne gibt es auch schon. Sorgen wegen der Prüfungen macht sich der 19-Jährige nicht. „Ich fühle mich gut vorbereitet, wir sind mit dem Stoff ganz gut durchgekommen. Ich weiß aber auch, dass es nicht allen so geht“, sagt er. Einen Studienplatz hat er schon sicher.

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