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Abbremsen, Gas geben: Gibt‘s an Blitzsäulen Gewöhnungseffekt?

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Von: Markus Hanneken

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Prägnanter Aufstellort: die Blitzsäule am Allee-Center.
Prägnanter Standort: die Blitzsäule am Allee-Center. Sie soll im kommenden Jahr auf der Adenauerallee versetzt werden und in Höhe Wassersportzentrum die Tempo-30-Zone „überwachen“. © Henrik Wiemer (Archiv)

Haben sich die Hammer an die Blitzsäulen in der Stadt gewöhnt? Das könnte man meinen, denn die Trefferzahlen sind unterm Strich rückläufig. Wertvoll und ergiebig sind und bleiben sie dennoch, wie die Zahlen zeigen.

Hamm - Wer seit vielen Jahren in Hamm wohnt, kennt „seine“ Straßen mitsamt aller Besonderheiten gut. Blitzsäulen gehören sicher zu den prägnantesten Merkmalen. Immer wieder wird beobachtet, dass vorausschauende Verkehrsteilnehmer dort das Tempo drosseln und nach dem Passieren des Blitzers wieder anziehen. Gibt es also einen Gewöhnungseffekt, der in dieser Form fragwürdig und zudem wirtschaftlich gesehen nicht wünschenswert sein kann? Wir haben nachgefragt.

Auf Bitten der Redaktion ermittelte die Pressestelle der Stadt die Drei-Jahres-Zahlen von fünf unterschiedlichen Blitzsäulen. Und siehe da: Trotz teils sprunghafter Einzeldaten scheinen sie die Theorie eines Gewöhnungseffekts tatsächlich zu bestätigen. Allein der auffällige Blitzer in Höhe des Flugplatzes auf der Münsterstraße löste 2021 fast 7800 Mal weniger aus als zwei Jahre zuvor (siehe Zahlenkasten unten). Ähnlich verhält es sich auf der Richard-Wagner-Straße mit einem Rückgang von rund 1000, auf der Ahornallee waren es immer noch 350 weniger.

Aus der Reihe fällt die Säule an der Lipperandstraße, wo die Zahlen nahezu gleich blieben. Ein Grund könnte sein, dass dort auch aufgrund der Nähe zu Autobahn besonders viele auswärtige Auto-, Lkw- und Motorradfahrer unterwegs sind. Allerdings brach zeitgleich auch das Ergebnis an der Unnaer Straße deutlich ein: nach 450.000 Euro Einnahmen 2019 waren es 2021 nur 260.000 Euro, wie wa.de unabhängig von dieser Abfrage bereits berichtete.

Beispielhafte Blitzsäulen (inkl. nicht verwertbarer Verstöße):

201920202021
Standorterlaubtseit
MünsterstraßeFahrtrichtung Hamm50 km/h6296236523472010
MünsterstraßeRichtung Münster50 km/h977668956047
LipperandstraßeRichtung Hamm70 km/h4492279745912009
LipperandstraßeRichtung Werne70 km/h712635226858
Ahornallee50 km/h5185631682012
Richard-Wagner-Straßestadteinw.50 km/h2498295718272012
Richard-Wagner-Straßestadtausw.50 km/h10413907082011
Südring50 km/h2792325002017

Die Hersteller der fünf Beispielsäulen

Die Säulen werden vom Hersteller als Systemsäule bezeichnet. An der Münsterstraße und am Südring ist Messtechnik der Firma Jenoptik (TraffiStar S350) verbaut. Die Säule werden vom Hersteller mit TraffiTower 2.0 bezeichnet. An den anderen Standort ist Messtechnik der Firma Vitronic verbaut (PoliScan F1 HP oder PoliScan FM1).

Blitzer-Kombination spült Millionen in Stadtkasse

„Das Ziel, die durchschnittlich gefahrene Geschwindigkeit zu senken, um Gefahrenlagen und Unfallfolgen zu minimieren, wird durch die stationäre Überwachung positiv beeinflusst“, kommentiert Stadtsprecher Tobias Köbberling die dargestellte Entwicklung elegant. Sie werde „durch die Überwachung mittels Enforcement Trailer und mobilen Geräten auf dem gesamten Stadtgebiet ergänzt“.

Tatsächlich ist es vor allem die Kombination aus den klassischen Standortblitzern und den inzwischen drei modernen und flexiblen Trailern, die nicht nur zur Vorsicht mahnt, sondern auch viel Geld in die Stadtkasse spült. Im Jahr 2021 arbeitete allein die Stadt 176.700 Fälle von Rotlicht- und Geschwindigkeitsverstößen ab, die rund 4,9 Millionen Euro erbrachten.

Die Zukunft der Blitzsäulen in Hamm

Das Aufstellen weiterer Blitzsäulen ist in Hamm bis auf Weiteres nicht geplant. Die im Jahr 2023 in der Tempo-30-Zone am Wassersportzentrum geplante wird dann lediglich versetzt: Es ist jene, die seit 2017 an der Allee-Center Kreuzung (Nordstraße/Adenauerallee) steht. Die jüngste (13.) Säule steht seit Mai 2019 an der Radbodstraße.

In Hamm hat die Stadt zwar den weitaus größten Anteil am Blitzen, doch auch die Polizei ist aktiv. Jüngst hat die Behörde sogar Zuwachs bekommen: die so genannte „Eso-8-Messanlage“ ist so etwas wie der Superblitzer der Hammer Polizei.

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