So reagiert das getroffene Hammer Unternehmen

Großbrand: WDI will zerstörte Anlagen wieder aufbauen

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Der Qualm des Großfeuers hüllte am Montag weite Teile des Hammer Westens gespenstisch ein.

Hamm - Die Westfälische Drahtindustrie (WDI) will die am Ostermontag abgebrannten Anlagen wieder aufbauen lassen. Das sagte WDI-Geschäftsführerin Katja Pampus im Gespräch mit dem WA. Bis auf Weiteres übernehmen andere WDI-Standorte Teile der Hammer Produktion. 39 Mitarbeiter sind derzeit freigestellt, werden aber weiter entlohnt.

Auf dem Werksgelände an der Wilhelmstraße war am Montag eine Halle mit einem Beizaggregat abgebrannt. Dabei waren sechs Menschen leicht verletzt worden. Feuerwehren aus mehreren Städten bekämpften die Flammen, rund 400 Helfer waren im Einsatz. Etwa 200 Anwohner mussten ihre Häuser verlassen. Am Mittwoch war in einer anderen Halle ein kleineres Feuer ausgebrochen.

Bei dem von den Flammen zerstörten „Hauptaggregat Beize“ handelt es sich um eine mehr als 75 Meter lange Anlage, in der Drähte durch ein Salzsäurebad gezogen und so gereinigt werden. 95 Prozent der in Hamm bei der WDI und der Tochterfirma Nedri Industriedraht gefertigten Produkte bräuchten die Beize, sagte Pampus. Die Anlage sei 1972 in Betrieb genommen, fortlaufend modernisiert worden und behandle jährlich etwa 200.000 Tonnen Draht.

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Um den Betrieb am Laufen zu halten, springen jetzt andere Standorte ein. Die WDI-Werke in Iserlohn-Kalthof, Rothenburg an der Saale und das Nedri-Werk in Venlo hätten noch Kapazitäten frei, sagte Pampus. Auf die greife man jetzt zu. Das Material werde im Pendelverkehr per Lkw transportiert, das erste auswärts gebeizte Material sei bereits in Hamm angekommen.

Die vom Feuer zerstörte Halle am Folgetag.

Im Idealfall steht alles in einem Jahr wieder

Am Neubau der Anlage in Hamm geht für Pampus aber kein Weg vorbei. Im Idealfall sei das neue Aggregat innerhalb eines Jahres betriebsbereit. Die 39 Mitarbeiter der Beizanlage sind bis auf Weiteres freigestellt, werden aber weiter entlohnt. „Wir wollen alle in Lohn und Brot halten“, so Pampus. Dazu fühle man sich als Familienunternehmen verpflichtet.

Die WDI-Unternehmensgruppe hat rund 1400 Mitarbeiter, davon sind etwa 400 am Standort Hamm tätig.

Lagerhalle an Wilhelmstraße in Flammen

Zur Brandursache und zur Schadenhöhe liegen weiterhin keine Angaben vor. Die abgebrannte Halle darf wegen Einsturzgefahr nach wie vor nicht betreten werden; die Brandermittler der Polizei werden am Freitag auf dem Werksgelände erwartet.

Viel Lob für die Arbeit der Feuerwehr

An dem Beizaggregat hatten am Montag Reparaturarbeiten stattgefunden. Das Unternehmen habe alle Brandschutzvorschriften beachtet, so Pampus. Sie lobte ausdrücklich die Arbeit der Feuerwehr, die sehr strukturiert vorgegangen sei. Welche chemischen Stoffe im Spiel waren, sei den Löschmannschaften bekannt gewesen.

Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz hatte am Montag Messungen in der Umgebung des Werkes durchgeführt. Da in der Halle Beize, Salzsäure und Salpeter eingesetzt wurden, bestand der Verdacht der Bildung von Stickoxiden, heißt es im Einsatzbericht. In der Umgebung wurden Staubproben genommen, die in der kommenden Woche ausgewertet sein sollen.

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