Erkenntnisse zum Semesterbeginn

Zwischen Warteliste und WG: Wohn-Sorgen der Hammer Erstis

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Laura Stark ist von Lübeck nach Hamm gezogen und wohnt in direkter Nähe zur Hochschule.

Hamm - Die Wohnungssuche für Studenten ist zum Semesterstart schwieriger als je zuvor. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Moses-Mendelssohn-Instituts. Wie gestaltet sich die Situation am Hochschulstandort Hamm, der mit weniger als 5000 Studenten nicht Gegenstand der Studie ist? Wir haben uns am Campus umgehört.

Zwei „Erstis“ haben eine neue Bleibe gefunden. Zum Studieren ist Laura Stark von der Hansestadt Lübeck nach Hamm gezogen. Entschieden hat sie sich für den Bachelor „Umweltmonitoring und Forensische Chemie“ (UFC) an der Hochschule Hamm-Lippstadt (HSHL). Der Ort war dabei zweitrangig. „Ich wäre auch umgezogen, wenn der Studiengang in Süddeutschland gewesen wäre“, sagt sie.

Bereits im Februar hat sie sich für eines der Einzelappartements der „SciQ Campus Living“ gegenüber der HSHL beworben. Nach vier Monaten Wartezeit kam die Zusage. Die Nähe zum Campus sei praktisch, zufrieden sei sie mit dem großen Wohnraum. Zudem freut sie sich über den Studenten-Luxus der Spülmaschine.

Eine WG kommt für Laura Stark nicht infrage.

Eine WG kam für die 19-Jährige eher nicht infrage: „Ich muss erst mal für mich selbst herausfinden, wie es ist, alleine zu wohnen“, meint sie. Finanziell unterstützt wird sie von den Eltern, die Miete und Unterhalt zahlen. Damit komme sie gut zurecht. Auch nach Semesterbeginn gibt es für die 181 Wohneinheiten eine wachsende Warteliste. „Die sind immer schnell wieder vergeben. Vor allem zu den Stoßzeiten zum Semesterbeginn ist es sehr voll“, so Maike Schindler von Peko Immobilien, die das Wohnheim vermietet.

Pendeln von Bielefeld aus

Auf Plattformen wie „WG gesucht“ hat sich Lia Alke nach einer Unterkunft erkundigt. Drei WGs hat sie besichtigt. Bei einer Informationsveranstaltung ihres Studiengangs, auch UFC, erfuhr sie, dass das Studierendenwerk Paderborn ein Wohnheim an der Ecke Brüder- und Museumsstraße betreibt. Dort hat sie sich auf die Warteliste für eine Zweier-WG setzen lassen. 71 Bewerber stehen aktuell auf der Warteliste für die 99 Wohnplätze. „Da das preislich schöner war als die anderen WGs, habe ich zugesagt“, so die 19-Jährige.

Lia Alke wohnt in einer Zweier-WG. Ursprünglich kommt sie aus Ochtrup.

Neben dem Studium arbeitet sie und bezieht Bafög. „Das klappt so ganz gut“, sagt sie. Alke ist von Ochtrup nach Hamm gezogen und froh, in die Zweier-WG zwischen Hochschule und Bahnhof eingezogen zu sein. „Es war aber schon ein Glücksfall.“

Nicht allen geht es so wie den beiden Erstsemesterstudenten. Soner Celik vom Allgemeinen Studierendenausschuss der HSHL kennt Studenten, die in Hamm kein Glück hatten: Ein Student habe die nächstbeste Wohnung erst in Bielefeld gefunden. „Die Problematik ist, dass zu Beginn eines jeden Semesters rund 500 neue Studenten an die Hochschule kommen (nur Standort Hamm). Dazu kommen noch weitere aus Münster, die wegen der Preise nach Hamm ziehen“, erklärt Celik. So werde der Hammer Wohnungsmarkt überlaufen.

Die Wohnungssuche eines Studenten gestalte sich meist wie folgt: Zunächst schaut er sich nach Wohnheimen um. Oft ist diese Option zu teuer: „Man muss davon ausgehen, dass Studenten nicht genügend Geld zur Verfügung haben, um davon eine ganze Wohnung zu finanzieren.“ Der Bafög-Höchstsatz liegt derzeit bei 735 Euro.

Stdium und Arbeit - "das klappt ganz gut", sagt Lia Alke.

Während einige Studenten sich nach WGs umschauen, würden andere es in umliegenden Städten probieren und erstmal pendeln. Manche versuchen es auch mit einer eigenen WG-Gründung: Die Wohnungen gebe es in Hamm dafür, aber tendenziell nicht in der Stadtmitte. Das Problem mit den Wohnheimen sei nicht so schnell zu lösen, das mit den WGs aber schon. Celiks Vorschlag: Wohnungen künftig nicht als Wohnungen, sondern als WGs auszuschreiben. „Und das explizit nur für Studenten.“

Ein Vermieter könnte seine Vierzimmerwohnung anbieten. Zwar würde es sich dabei um eine reine Zweck-WG handeln, aber so würden die Studenten relativ schnell eine Wohnung finden. „Im Prinzip ist es wie eine Art Wohnheim, nur über die Stadt verteilt“, so Celik.

3,2 Prozent der Studierenden sind laut Studierendenwerk Paderborn in Hamm mit einem Wohnplatz versorgt. Aktuell zählt der Hochschulstandort 4150 Studierende, 750 an der SRH und 3 400 an der HSHL. In München wird für ein WG-Zimmer erstmals die 600-Euro-Preis Grenze erreicht. Die Mieten für die 70 Wohnungen der Hammer Gemeinnützigen Baugesellschaft (HGB) an der Goethe-, Allee- und Hesslerstraße sind laut HGB-Geschäftsführer Thomas Jörrißen konstant und kosten etwa 300 Euro (warm).

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