Unsere Serie: Was braucht Rhynern?

80 Hektar voller Hallen: Was bringt die Logistik den Menschen in Rhynern?

Luftbild südliche Erweiterung Gewerbepark Rhynern in Hamm, Ruhrgebiet, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
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Einst kleinteilig, nun riesig: Im Hintergrund sieht man den ursprünglichen Gewerbepark mit Firmensitzen für Handwerksbetriebe, Händlern, Metallbauern. In jüngerer Vergangenheit kamen die großen Logistikhallen dazu, die im Vordergrund zu sehen sind.

Die Logistikhallen im Gewerbepark Rhynern sind vielen ein Dorn im Auge: Hier habe man für schlecht bezahlte Jobs viel Fläche besiegelt. Was ist dran? Was bringt der Gewerbepark Rhynern - und wie ist die Jobsituation im Bezirk? Diskutieren Sie mit! (Formular im Artikel)

Rhynern – Einst war die Landwirtschaft der wichtigste Arbeitgeber in Rhynern. Doch mit Industrialisierung im 19. Jahrhundert und spätestens mit der Wiederaufbauzeit nach dem Zweiten Weltkrieg verlor sie an Bedeutung. Mittlerweile spielten Handwerk und Einzelhandel eine größere Rolle in der Arbeitswelt des noch lange Zeit ländlich geprägten Stadtteils.

StadtbezirkRhynern
Einwohner18193 (Stand: 31.12.2020)
Arbeitslosenquote2,3 Prozent (Stand: 2017, aktuellere Daten nicht verfügbar)
Arbeitsplätze im Gewerbepark Rhynernetwa 6000

Arbeit in Rhynern: Bezirk war attraktiver Wohnort, in dem es kaum Jobs gab

In den 1960er-Jahren wuchs die Bevölkerungszahl. Rhynern wurde als Wohnvorort entdeckt. Neue Siedlungen entstanden. Arbeiten gingen die meisten außerhalb von Rhynern, zum Beispiel bei Dupont in Uentrop. 1967 arbeitete rund die Hälfte aller Erwerbstätigen aus Rhynern in Hamm oder anderswo, da Stellen im Handwerk, Einzelhandel und in der Landwirtschaft an Attraktivität verloren.

Zu diesem Zeitpunkt hatten die damaligen Gemeindeväter bereits die Weichen für eine neue Zeit gestellt: die Ausweisung des Gewerbegebietes in Rhynern wurde 1962 vorgenommen. 1963 erkannten die ersten beiden Firmen die gute Verkehrsanbindung und siedelten sich an: Zeppelin und Rullko.

Gewerbepark Rhynern: Expansion kennt kaum Grenzen

Fortan kannte die Expansion des Gewerbegebietes keines Grenzen mehr. Die ersten Pioniere waren Velmerig (Landmaschinenhandel), Kersting (Kfz), Saabel (Landmaschinenhandel), Danne und Daentzer (Metallbau) sowie Mues und Herzer (Fliesen), die sich direkt hinter der Autobahnbrücke von Rhynerns Ortskern kommend ansiedelten. Es begann ein stetiges Wachstum mit mittelständischen Betrieben. Die letzte Firma, die von der Großgemeinde angesiedelt wurde, war Gockel (Dachdecker).

28 Hektar waren damals zunächst vorgesehen. Heute erstreckt sich der Gewerbepark weit über 80 Hektar. Innerhalb der 60 Jahre schossen fast 200 Firmen wie Pilze aus dem Boden. Die Gewerbeflächen ragen längst bis in die Gemarkung Allen hinein. Inzwischen sind alle verfügbaren Flächen vermarktet, auch am Oberallener Weg deutet sich derzeit der letzte Lückenschluss zur B 63 an.

Logistik: Viele Bürger ärgern sich über die großen Hallen

Besonders die großen Logistikhallen sind vielen Bürgern ein Dorn im Auge. Sie fressen Fläche, lockten Verkehr an und bieten nur Jobs im Niedriglohnsektor an, heißt es. Haben die Logistiker wirklich kaum Nutzen für die Rhyneraner Bevölkerung?

Demgegenüber stehen aber auch Firmen aus allen Bereichen der Wirtschaft, die theoretisch allen Rhyneranern einen Arbeitsplatz bieten könnten – und dies durchaus gut bezahlt. Vor allem bieten sie viele gut erreichbare Ausbildungsplätze (etwa 350) an. Auch in jüngerer Zeit siedelten sich in Rhynern Firmen an oder expandierten, wie trans-o-flex zum Beispiel.

Das Ziel: 600 Arbeitsplätze schaffen - heute gibt es mehr als 6000

Bei den Planungen in den 1960er Jahren wurde das Ziel ausgegeben, 600 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Heute sind es mehr als 6000 Beschäftigte. Größter Arbeitgeber mit rund 1000 Beschäftigten ist Edeka, zweitgrößter ist Netto mit 500.

Auch wenn beide Unternehmen auch Jobs in der Verwaltung anbieten, dürfte sicherlich eine vierstellige Anzahl der Mitarbeiter eher im unteren Lohnniveau anzusiedeln sein, was die hohe Zahl von über 6000 Beschäftigten etwas relativiert. Im Gegensatz dazu finden sich im Gewerbepark Rhynern aber immer noch rund 5000 Arbeitsplätze für Qualifikationen jeder Art. Im Handwerk fehlt eigentlich keine Branche. Ob Dachdecker, Drucker oder Bäcker – hier wird jeder fündig. Auch im Dienstleitungsbereich ist das Angebot breit gefächert von Krankenpflege bis zur großen Anwaltskanzler werden viele Bereiche in Rhynern abgedeckt.

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Mehr zum Thema lesen Sie in der Print-Ausgabe des Westfälischen Anzeigers vom 4. Juni. Der nächste Schwerpunkt unserer Serie „Was braucht Rhynern?“ erscheint am 18. Juni im Print und Online. Dann geht es um das Wohnen.

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