Missbrauchsprozess: Angeklagter erzählt von zerstückelter Leiche

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Hamm/Werne/Dortmund - Im Missbrauchsprozess um einen Hammer, der ein 13-jähriges Mädchen zu Nacktfotos verführt haben soll, hat die Mutter des Mädchens als Zeugin vor dem Dortmunder Landgericht ausgesagt. Dass der Angeklagte im Gefängnis saß, wusste sie, nicht aber, dass es wegen sexuellen Missbrauchs war.

Die mehrfache Mutter schilderte ein „freundschaftliches Verhältnis“ zu dem Angeklagten, den sie als neu hinzugezogenen Nachbarn ihrer damaligen Wohnung an der Stockumer Straße kennengelernt habe. Von seiner Zeit im Gefängnis wusste die Frau, ahnte aber nicht, dass er wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes fast zehn Jahre hinter Gittern gesessen hat: „Uns hat er eine ganz andere Geschichte erzählt. Er hat uns gesagt, dass bei einer Schlägerei ein Mann unglücklich gestürzt sei und er dann dessen Leiche zerstückelt und in Müllsäcken weggeschafft habe.“ 

Auch nach dem Umzug nach Werne habe der 54-Jährige die Familie immer wieder besucht, sie selber habe dabei keinerlei Argwohn gehegt: „Mein Mann wurde aber misstrauisch, hat sich gewundert, was ein deutlich älterer Mann von einer 13-Jährigen will. Dann hat er ihn auf ihrem Handy blockiert.“ 

Wiederholt um Nacktaufnahmen gebeten

Ganz offenkundig war der mutmaßliche Sextäter ausgesprochen hartnäckig – als das Mädchen ein neues Handy erhielt, wurde der Kontakt wieder aufgenommen, das Mädchen offenbar wiederholt um Treffen und Nacktaufnahmen gebeten. „Sie war und ist völlig naiv, in ihrer Entwicklung zwei bis drei Jahre verzögert“, schilderte die Mutter die seelische Verfassung ihrer damals zunächst 13-jährigen Tochter. Nach dem Erlebten sei sie heute ausgesprochen ängstlich, habe Albträume und sei in psychologischer Behandlung. „Aber sie hat auch Freunde gefunden, die sie auffangen und sie so annehmen, wie sie ist“, wusste die Wernerin dem Gericht auch Positives zu berichten. 

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Dem Angeklagten droht neben einer Verurteilung die Unterbringung in der Sicherungsverwahrung. Der einschlägig vorbestrafte Hammer stand zur Tatzeit unter Führungsaufsicht und hatte das strikte Verbot, sich Kindern und Jugendlichen zu nähern. Zu Prozessbeginn hatte er behauptet, dass sich die Tochter der damaligen Nachbarin ihm aufgedrängt habe.

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