52-jähriger VW-Dieb zu zwei Jahren Haft verurteilt

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Hamm/Drensteinfurt - Seine Drogensucht trieb den 52-jährigen Hammer des Öfteren mit dem Fahrrad nach Drensteinfurt. In der Regel nachts, um auf den Höfen von Baufirmen nach Kettensägen und anderem Diebesgut zu suchen. Das wollte er verkaufen und sich von dem Erlös Rauschgift besorgen.

Doch dann standen da immer mal wieder verlockende VW-Transporter. Mit offenen Türen und dem Schlüssel im Zündschloss. Da konnte der Mann nicht widerstehen und nahm gleich die beladenen Autos mit. Am Donnerstag musste er sich dafür vor dem Schöffengericht in Ahlen verantworten. 

Weil er alles gestand und versprach, eine Drogentherapie zu beginnen, kam er mit zwei Jahren Haft davon. Sein Rechtsanwalt hatte einen entsprechenden Deal angeregt, dem der Staatsanwalt und das Gericht zustimmten. 

Am 2. Juni 2016 stahl der in Bockum-Hövel geborene Angeklagte einen VW T5 vom Gelände einer Baufirma in Herrenstein. Auf der Ladefläche standen ein gut gefüllter 600-Liter-Dieseltank und ein Stromgenerator. Dieser Teile entledigte er sich an einem Autohof. An den Transporter schraubte er falsche Kennzeichen, die er zuvor in Lünen geklaut hatte, und fuhr dann munter durch die Gegend. 

Täter hatte keinen Führerschein

Entweder zur Arbeit oder zur Drogenbeschaffung. Eine Fahrerlaubnis hatte er schon seit langer Zeit nicht mehr. Ende September 2016 stahl er einen VW T4 vom Hof eines Gartenbaubetriebs in Herrenstein. Auch dieser Wagen stand offen und der Schlüssel steckte. Mit dem T4 war er allerdings nur wenige Tage unterwegs. 

Am 4. Oktober 2016 schnappte ihn die Polizei. Seitdem sitzt er in U-Haft. Doch damit nicht genug: Schon im September 2015 hatte der Angeklagte einen Transporter gestohlen. Auch damals einen VW T5 – ebenfalls in Drensteinfurt. Mit diesem Wagen geriet er am 9. September 2015 in eine Polizeikontrolle und drehte völlig durch. Voll mit Amphetamin, ergriff er die Flucht. 

Wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei

Bei einer wilden Verfolgungsjagd raste er mit Tempo 180 über den Standstreifen einer Autobahn und gefährdete etliche andere Fahrer, die sich nur mit Vollbremsungen retten konnten. Die Polizei fand ihn schließlich im Gebüsch auf einem Rastplatz. 

Die fällige Gerichtsverhandlung fand am 7. Juni 2016 statt, also nur fünf Tage nach dem Diebstahl in Herrenstein. Das Amtsgericht verurteilte den Hammer zu zehn Monaten Haft. Gegen das Urteil legte er Berufung ein und blieb deshalb zunächst auf freiem Fuß. 

Gesamtstrafe aus drei Fällen

Aus diesen drei Fällen bildete das Gericht jetzt eine Gesamtstrafe von zwei Jahren. Der Hammer kann eine Drogentherapie antreten. Sollte die nicht erfolgreich verlaufen, muss er zurück ins Gefängnis. Das Urteil fiel glimpflich aus, weil der Angeklagte ein volles Geständnis ablegte. „Damit haben sie den Zeugen ihre Aussagen erspart, und die sind deshalb heilfroh“, stellte Richterin Kristina Henningsen fest. 

Die Zeugen waren vier gestandene kräftige Männer. Einige von ihnen hatten dem Gericht zuvor signalisiert, dass sie Angst wegen möglicher Racheaktionen hätten. Dass diese Angst nicht ganz unbegründet war, wurde klar, als die Richterin das Vorstrafenregister des Angeklagten verlas, der in Handschellen in den Saal geführt wurde. 

Vorstrafenregister beginnt 1987

Es begann im Jahr 1987. In schneller Folge reihte der gelernte Bergmann und Schlosser ein Delikt an das andere: Geldfälschung, Betrug, Bandendiebstahl, Hehlerei, Einbrüche, Nötigung, Computerbetrug, etliche Körperverletzungen und immer wieder Fahren ohne Erlaubnis. 

Sein Rauschgiftkonsum umfasste Kokain, Amphetamin, Marihuana, Haschisch und neuerdings auch die Ersatzdroge Subutex. Reichlich konsumierte er auch im Gefängnis, wo er einen Großteil seines Lebens zubrachte. Dazu stellte er vor Gericht fest: „Im Knast kommt man leichter an den Stoff als draußen.“

Von Matthias Münch

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