Erpressung und Drogen: Hammer Rocker auf der Anklagebank 

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Die Anklagebank mit den angeklagten Rockern und ihren Verteidigern.

Hamm/Münster - Wegen räuberischer Erpressung und illegalen Drogenhandels steht ein 31-jähriger Hammer Rocker seit Mittwoch vor Gericht. Zusammen mit drei anderen Mitgliedern des Rockerclubs United Tribuns hat er den Bauleiter einer Baufirma bedroht, um ihm damit 30.000 Euro für die Kasse des Duisburger Chapters der Tribuns abzupressen.

Außerdem soll der 31-Jährige in seiner Wohnung in Hamm eine Marihuana-Plantage betrieben haben, um mit der nicht unerheblichen Ernte Handel zu treiben. Die Vorwürfe werden vor der 3. Großen Strafkammer des Landgerichts Münster verhandelt. Dort sitzen neben dem Hammer seine 36, 38 und 42 Jahre alten Komplizen auf der Anklagebank. Drei von ihnen legten gleich zu Beginn der Verhandlung volle Geständnisse ab, wollten aber zunächst keine weiteren Fragen beantworten. Auch zu ihren Funktionen oder Aktivitäten bei den United Tribuns sagten sie nichts. Möglicherweise aus Respekt vor ihrer mächtigeren Konkurrenz, die sie nicht reiz07en wollten. Der vorsitzende Richter stellte dazu fest: „Duisburg kennen wir eigentlich als Bandidos-Land.“ 

Nach dem Eingangsvortrag der Staatsanwältin ließen sich am Mittwoch die Rollen der vier Angeklagten wie folgt einteilen: Der 36-Jährige Duisburger, laut Anklage Präsident des Tribuns-Chapters, war der Anstifter. Er legte kein Geständnis ab. Sein zwei Jahre älterer Bruder war der Mitläufer. Der 42-jährige Rocker war der Chauffeur und der Hammer war das Sprachrohr der Bande.

Zum Sachverhalt: Der 36-Jährige war im offenen Vollzug in Sassenberg-Gröblingen, einer Außenstelle der JVA Bielefeld. Dort lernte er im Oktober 2016 den Bauleiter kennen, der ebenfalls im offenen Vollzug saß. Kurz danach fand der 36-Jährige ebenfalls Arbeit bei der Firma des Bauleiters. Beide bildeten eine Fahrgemeinschaft, um zu den Baustellen zu kommen. Im Laufe der Zeit reifte bei dem Rocker der Erpressungsplan gegen den Kollegen heran.

Nun wurde der Hammer Rocker beauftragt, bei dem Bauleiter anzurufen. Das tat er im März 2017 insgesamt viermal von Hammer Telefonzellen aus. Dabei drohte er dem Opfer, ihm und seiner Familie etwas anzutun. Dass er auch mit Mord drohte, stritt er allerdings ab. Nachdem die Übergabe des Erpressungsgeldes zweimal scheiterte, kam es schließlich am 16. März zum Showdown. Der Bauleiter sollte seinen Wagen auf den Parkplatz der JVA in Sassenberg abstellen, den Kofferraum offen lassen und darin die 30.000 Euro deponieren. Zwei der Rocker reisten aus Duisburg an, luden in Hamm ihren Kumpel ein und fuhren weiter nach Sassenberg. Dort erwartete sie allerdings nicht das Geld, sondern ein schwer bewaffnetes Sondereinsatzkommando. Der Bauleiter hatte die Polizei eingeschaltet. Am nächsten Montag soll er vor der Strafkammer als Zeuge aussagen.

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