Sanierung der maroden B63 bei Hilbeck

20.000 Fahrzeuge kämpfen sich täglich durchs Nadelöhr

Der nächste Bauabschnitt beginnt mit den Asphalt-Fräsarbeiten mitten im fließenden Verkehr.
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Der nächste Bauabschnitt beginnt mit den Asphalt-Fräsarbeiten mitten im fließenden Verkehr.

1220 Lkw-Transporte wurden und werden gerade auf der B63 zwischen Autobahnauffahrt A445 und Hilbeck bewegt. Sie sind nötig, um die marode Bundesstraße bis Dezember in einen verkehrssicheren, Schlagloch freien Zustand zurückzuführen.

Hilbeck/Werl/Hamm - Asphalt runter, Asphalt drauf, ganz so einfach ist es nicht. Was es außer den sichtbaren Arbeiten bedeutet, eine solch viel befahrene Verkehrsader (19.662 Fahrzeuge in 24 Stunden) zu sanieren, wissen Holger Niethus, Projektleiter beim Landesbetrieb Straßen- NRW, Regionalniederlassung Sauerland-Hochstift, und Volker Gosselke als Bauüberwacher nur zu gut.

Bereits im Oktober hat man mit den Vorplanungen begonnen. „Der erste Gedanke war: Kann man umleiten?“, schildert Holger Niethus die Herausforderung, dass diese viel befahrene Straße nicht gesperrt werden kann. Eine Umleitung über das vorhandene angrenzende Straßennetz war aber wegen der dort zum Teil zu geringen Fahrbahnbreiten und der hohen Verkehrsbelastung keine Option. Was sich auch in Bauzeit (Beginn der ersten Vorarbeiten im April) und Baukosten (1,95 Millionen Euro) niederschlägt.

Es sei ein „bewusst in Kauf genommener Aufwand“, so der Fachmann. In Wochenend- und Nachtarbeit und mit Mehrkosten für eine provisorische Verbreiterung auf das Mindestmaß von 2,75 Metern für beide Richtungsfahrbahnen wurde das umgesetzt, da eine Umleitung noch nicht mal einspurig machbar war.

Baustelle B63: Die sichtbaren Arbeiten

Wirklich ersichtlich sind für den Außenstehenden lediglich die Fräs- und Asphaltarbeiten. Bereits hier beginnen die Spezifizierungen. Auf circa 30 Zentimeter musste die Fahrbahndecke abgetragen werden, um auch die vorhandenen Schäden im Unterbau zu beheben. Punktuell sind Nacharbeiten erforderlich, mit Bagger und in Handarbeit, wenn sich Bereiche als besonders schadhaft erweisen. „Vieles ist ‘just in time’“, sagt Bauüberwacher Volker Gosselke. Im Vorfeld waren Bohrungen vorgenommen worden, um den Zustand des vorhandenen Straßenbaus zu untersuchen.

Auf 30 Zentimeter muss der Asphalt abgefräst werden, um auch Schäden im Unterbau zu greifen.

Trotzdem sehe man „erst bei den Arbeiten alle tatsächlich vorhandenen Schäden und muss reagieren“, so Gosselke. Von fragwürdigen Verdrückungen des Asphalts bis hin zu partiellen, tiefer gehenden Schäden kann die Palette zusätzlicher Arbeiten reichen. Die stabile Deckschicht „Splitt-Mastix SMA 11S“ soll demnächst dem seit Jahren starken Schwerlastverkehr standhalten. Immer vorausgesetzt, die Witterung spielt mit, denn Asphaltfertiger und Mitarbeiter sind auf Monate hinaus ausgebucht. Da reiche die kleinste Unwägbarkeit, um einen Rattenschwanz an neuen Terminierungen auszulösen, schaut Niethus auf nicht planbare Verzögerungen.

Baustelle B63: Kaum greifbaren Zahlen

Was für den Laien nur nach zwei simplen Arbeitsgängen für die 1,86 Kilometer Gesamtlänge ausschaut, kann Straßen-NRW mit kaum greifbaren Zahlen unterlegen. Allein die nötigen Lkw für den Materialan- und -abtransport würden zusammen eine Länge von 20 Kilometern Stoßstange an Stoßstange ergeben, rechnet Gosselke hoch. Der neue Straßenbelag wird in zwei Tragschichten, einer Bindeschicht und der Asphaltdeckschicht, also in vier Arbeitsgängen, aufgebracht.

Rund 25.000 Quadratmeter Asphalt sind zu fräsen, 3500 Meter Bankette zu schälen, 25.000 Quadratmeter Unterlage zu profilieren sowie dann 25.000 Quadratmeter Asphaltbinderschicht und Asphaltdeckschicht herzustellen. Am Knotenpunkt der Autobahnabfahrt soll mit einer circa 1600 Quadratmeter großen Gussasphaltschicht ein besonders widerstandsfähiger und teurer Belag aufgebracht werden, der den schwer beladenen Lkw in der 90-Grad-Kurve standhält.

Die Zusammenarbeit der Verantwortlichen von Straßen-NRW und dem ausführenden Bauunternehmen ist wichtig: von links Jörg Roskamp (Polier Firma Oevermann), Volker Gosselke (Bauüberwacher Straßen-NRW) und Holger Niethus (Projektleiter Straßen-NRW).

Die insgesamt 35 Positionen der „Hauptmassen aller Bauabschnitte“ sind in bis zu acht unterschiedlichen Positionen kalkuliert. Es geht um Fahrbahnmarkierungen auf einer Gesamtlänge von 7500 Metern Länge oder Frostschutzarbeiten. Nicht zu vergessen 18 Stück Pfeilmarkierungen, eine Busmarkierung und das Schneiden von zehn Induktionsschleifen.

Gerade ist der erste Bauabschnitt mit einer Länge von 1175 Metern, einer Fräsbreite von 4,75 Metern und einer Fläche von circa 5500 Quadratmetern abgearbeitet, und damit bereits 360 Lkw-Touren für Abtransport und Materiallieferungen. Damit ist auch das Nadelöhr beseitigt: die fehlende Rechtsabbiegerspur zur Autobahn als erhebliche Beeinträchtigung des Verkehrsflusses. Es folgen auf diesem Abschnitt der mittlere Bereich und die linke Fahrspur, bis die Baustelle dann umzieht zu weiteren Teilabschnitten vor dem Ortseingang Hilbeck.

Insgesamt ist die Maßnahme in 14 kleine und große Bauabschnitte unterteilt „Wir hören immer, arbeitet doch nachts“, sagt Niethus. Nur in Ausnahmefällen sei dies aber möglich, da die Beachtung von Arbeitszeitgesetz und die Sicherung bzw. Ausleuchtung der Baustellen einen höheren Aufwand – sprich höhere Kosten – erzeugen. Am Ortseingang wird man demnächst aber nicht drumherum kommen. Dort werden dann eine Baustellenampel sowie Wochenenddienst und Nachtschichten nötig werden.

Baustelle B63: Das sagen die Anwohner

Ein dabei zu beachtender Aspekt ist das Arbeitszeitgesetz. Ein Mitarbeiter muss mindestens elf Stunden Ruhezeit einhalten. Hat er in der Nacht gearbeitet, steht er tagsüber nicht zur Verfügung. Auch eine große Firma könne Mitarbeiter nicht aus dem Hut zaubern.

Daher lässt die Aussage eines Hilbeckers, „die Nachtbaustelle habe nicht stattgefunden“, die direkte Anwohnerin Gisa Beltrop-Wüst und ihren Ehemann Frank Wüst stinksauer werden. „Das entspricht nicht den Tatsachen“, möchten sie nicht den Eindruck erweckt sehen, dass die darin erwähnten kritischen Äußerungen über nicht stattfindende Arbeiten von weiteren Anwohnern kommen. Besagter Baustellenbereich am Hilbecker Hof ist fast direkt vor ihrer Haustür, sie haben also einen Logenplatz. Er ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich Optik und Praxis beißen können.

Eng wird es auf dem nächsten Baustellenabschnitt im mittleren Bereich der B63.

Auf ungefähr fünf Metern waren Schäden deutlich erkennbar, Maßnahmen allerdings auf rund 20 Metern waren nötig. Zudem wurden Arbeiten für Radweg und Fußweg gleich mit erledigt – nach Absprache mit der Stadt Werl, in dessen Aufgabenbereich diese fallen. Vorbeifahrende Verkehrsteilnehmer hatten abends noch den Mitarbeiter bis zu den Schultern in einem Loch verschwinden sehen, am nächsten Morgen der zwei Arbeitsschichten war bereits die Deckentragschicht aufgebracht, die ihrerseits wieder Trockenzeit benötigt.

Baustelle B63: Sprüche und Pöbeleien

Beltrop-Wüst kann den Unmut mancher über die Behinderungen nicht nachvollziehen. Vorher hatte man noch über die Schlaglöcher gemotzt. „Es soll doch besser werden“, sagt sie im Hinblick auf diese vielfach thematisierten Schlaglöcher.

Was auch die Mitarbeiter des Landesbetriebs Straßenbau-NRW in leidvoller Erfahrung immer wieder erleben. Sie werden für die Behinderungen verantwortlich gemacht, teils beleidigt und manchmal fliegt sogar „ganz aus Versehen“ mal ein Kaffeebecher aus dem Autofenster.

Auch Ortsvorsteher Karl-Wilhelm Westervoß betont: „Die Baufirma arbeitet wirklich gut“, er sei „im Großen und Ganzen zufrieden“. Die Problematik durch die Baustellenampel am Iwering habe man in Gesprächen mit den Beteiligten ausräumen können. „An den Arbeiten führt kein Weg vorbei“, stellt er klar.

Die Schäden zeigen sich nicht nur durch massive Schlaglöcher, der Gesamtzustand hat eine Komplett-Sanierung der Fahrbahn unumgänglich gemacht.

Dass dabei viele, nicht immer ersichtliche Kleinigkeiten Zeit kosten, kennen die Mitarbeiter von Straßen-NRW. Rinnen für den Regenwasserabfluss sind auf kleinsten Flächen auszuführen. Lkw müssen aufgrund des fließenden Verkehrs bis zu 800 Meter rückwärts vor die Asphaltfräse setzen.

Das geht nur in Schrittgeschwindigkeit. Der derzeit in Arbeit befindliche mittlere Bauabschnitt verlangt deutlich kleineres Gerät, es müssen die arbeitsrechtlichen Sicherheitsabstände für die Mitarbeiter im fließenden Verkehr aber beachtet werden. Dass die dort geltende Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Stundenkilometer oftmals überschritten wird, macht das Arbeiten nicht sicherer. Erst auf der rechten Fahrspur geht’s zügiger voran, dann erst kann man auf fünf Metern Breite fräsen.

Der Landebetrieb Straßenbau-NRW plant die Maßnahme unter sicher zu gewährleistenden Aspekten. Vor Ort fließt die Erfahrung des Bauunternehmens mit ein. Die jetzt in Arbeit befindlichen Bereiche waren ursprünglich in mehreren Abschnitten geplant, in der Praxis war eine Zusammenlegung möglich. Laut Planung, abhängig eventueller Unwägbarkeiten, soll am 20. Juli auf die linke Fahrspur aus Fahrtrichtung Hilbeck gewechselt werden, um dann weiter an den Ortseingang zu rücken.

Letztlich zeige die Großbaustelle, wie wichtig der Weiterbau der A445 sei, betont Ortsvorsteher Karl-Wilhelm Westervoß. Denn bei der hohen Verkehrsbelastung, unter der der Asphalt auf der B63 ächzt, sei die nächste Sanierung nur eine Frage der Zeit.

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