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16. Hammer Kulturnacht: Viele Eindrücke und ein provokanter Auftritt

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Von: Markus Liesegang

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Das Programm bei der 16. Hammer Kulturnacht war vielfältig.
Das Programm bei der 16. Hammer Kulturnacht war vielfältig. © Markus Liesegang

Die Besucherzahlen der Vorpandemiezeit erreichte die 16. Hammer Kulturnacht am Freitag nicht. Doch wer da war, genoss die Innenstadtschau mit den künstlerischen Anstrichen der Gewerke.

Hamm - Einen Plan, um möglichst viel der Eindrücke einzusammeln, hatten sich die wenigsten gemacht. Das Programmheft mit über 40 Veranstaltungen hatten viele parat, die meisten pickten sich einzelne heraus und ließen sich ansonsten treiben.

Elegant leitete Lutherviertelmacher Werner Reumke das Konzert der Frauen im Jazz auf der Da Vinci-Bühne ein. Mit Blick auf das Kindertransportrad von Sängerin Christina Branner-Jesperson lobte er deren alte Heimat Kopenhagen als Mekka der Radfahrer. Die gebürtige Dänin intonierte anschließend nicht nur die Musik, sondern sie erzählte im Duett mit Pianist Harald Sumik aus dem oft tragischen Leben der großen Jazzsängerinnen von Nina Simone bis Billie Holiday. Moderatorin Alexa Jünkering musste erkrankt passen.

„Das ist unsere erste Station, dann wollen wir zur Pauluskirche, Zwischenstation Marktschänke, vielleicht noch die Agneskirche“, erklärte Rainer Lück den groben Plan seines Abends, während er Simones „I put a spell on you“ lauschte.

Gleich nebenan bot die Jugendkirche auf dem Hof des Kreiskirchenamtes einen Stationenlauf zum Oberbegriff Frieden, zum Beispiel die Frage nach drei Wörtern zum Thema Frieden. „Das Thema ist hochaktuell aber wir hatten es schon für 2020 eingeplant“, erklärte Doro Altena. Der Zuspruch war eher mager, „aber wir sind nicht unzufrieden. Ich denke, einige haben noch Corona im Kopf.“ Gerne hätte die junge Frau die anderen Angebote besucht, bekannte sie.

Im Kunstcafé Wunderland entspannten derweil die drei Damen Gesine Schwarte, Dagmar Müller-Leenen und Ute Kempe, ließen sich von Künstler Osman Bol bedienen und warteten auf die Erzählerin Tanja Schreiber sowie Erkenntnisse zur „Vielfalt des Lebens“. Kempe hatte gerade ein Bild von Gudrun Luther erstanden. „Ich war sofort schockverliebt“, begründete sie den Spontankauf. „Und wir werden auch einen Kurs bei der Künstlerin belegen“, ergänzte Müller-Leenen. Der Plan der Drei: Den weiteren Abend genießen, vielleicht da und dort noch hereinzuschauen. „Wir lassen uns treiben“, so Schwarte.

Ein Neues Format feierte in der Stadtbücherei Premiere. Stephanie und Bernd Schriever hatten den Travestie-Künstler Ben Böhm „gemietet“, Barbara Schwemmer war spontan zur Fragerunde gestoßen. Klaus Harkenbusch habe sie auf „Die menschliche Bibliothek - Lass uns reden“ aufmerksam gemacht. „Und wir wollten Spaß, etwas Lustiges und Exotisches“, begründete das Ehepaar die Wahl Böhms, „Abstand zu den deprimierenden TV-Nachrichten.“ Böhm stand Rede und Antwort zu Themen warum er sich in Lady Serafina verwandelt und ob er die Fingernägel immer bunt und lang trägt. „Die Leute trauen sich hier direkt zu fragen, sonst wird eher getuschelt“, erklärte der Interviewpartner.

Provokant empfanden einige Hammer den Auftritt der Schauspieler des Treibkraft-Theater in Regenbogenumhang vor der VHS. „Ist das ´ne Schwulenparade“, erregte sich ein Mann im Vorübergehen. „Einige pubertierende Sprücheklopfer bleiben aber auch stehen und wir kommen ins Gespräch, das ist gut“, erklärte Katja Ahlers. „Wir wollen ja die Vielfalt des Angebots und der Nutzer der Volkshochschule darstellen“, meinte Schauspieler Erpho Bell. Es sei ein Stück weit auch Provokation, erzwinge den Perspektivwechsel.

Richtig gut besucht war eine Station weiter das Helios-Theater. Überwiegend junges Publikum lauschte den sphärischen Klängen der gesampleten Musik von Tender Gleam, Benjamin Kurz (Klavier, E-Gitarre) und Thomas Sterthoff, die sehr gut in den Theaterraum passte.

Erstaunliches Interesse stellte Jalina Tschernig im Museum fest. Über 50 Besucher interessierte ihre Kurzführung „Nachts bei der Mumie“. Das Objekt kenne ja jeder Hammer, aber die Geschichte dahinter, baute sie den Spannungsbogen auf. Höhepunkt: Der Lupenblick direkt auf ein altägyptisches Amulett aus dem Depot. Einige Gäste der Kulturnacht verabschiedeten sich nach der Glasharfenshow von Kristalleon nach Hause. Andere nutzten den angebrochenen Abend, um ihn mit Freunden ausklingen zu lassen. „Das Schöne an der Kulturnacht ist ja, dass man die Angebote spontan besuchen, aber auch genauso wieder verlassen kann. Alles ist sowieso nie zu schaffen“, brachte es Schwemmer auf den Punkt. 

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