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15-Jährige musste für Zuhälter auf Hammer Straßenstrich anschaffen

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Von: Lisa Moorwessel

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Prostituierte
Die Anklage legt nahe: Auch auf dem Hammer Straßenstrich werden Zwangsprostituierte ausgebeutet. © Symbolbild/dpa

Hamm - Brutal soll eine bulgarische Zuhälter-Bande drei Frauen zur Prostitution gezwungen haben und sie in Hamm und Dortmund auf den Straßenstrich geschickt haben. Eine von ihnen war erst 15.

Seit Montag wird gegen zwei Männer und eine Frau aus Bulgarien vor dem Dortmunder Landgericht verhandelt, die drei Frauen aus ihrer Heimat zur Prostitution gezwungen haben sollen. 

15-Jährige mit gefälschten Papieren ausgestattet

Besonders verwerflich laut Anklage: Eines ihrer Opfer war ein zur Tatzeit erst 15-jähriges Mädchen. 

BKA-Bericht zur Prostitution
Eine Prostituierte. © picture alliance / dpa

Es wurde nach der Einreise nach Deutschland in eine Dortmunder Wohnung eingesperrt und umgehend mit gefälschten Papieren ausgestattet, die sie als vermeintlich Erwachsene auswiesen. 

Trio soll Mädchen geschlagen haben

Dann sollen die Angeklagten die Jugendliche mit Drohungen und Schlägen gezwungen haben, auf dem Straßenstrich in Dortmund und Hamm anschaffen zu gehen. 

Vorwurf: Alle Einnahmen mussten abgegeben werden

Hier, genau wie die anderen beiden Frauen, wurden die Frauen auf Schritt und Tritt kontrolliert, mussten teilweise sogar regelmäßig ihre Handtaschen leeren und ihre Einnahmen zur Hälfte oder gar vollständig abgeben. 

Bulgarinnen lebten völlig isoliert

Die Bulgarinnen lebten völlig isoliert in den Wohnungen der Angeklagten, hatten keinerlei Kontakt zur Außenwelt, konnten sich sprachlich mit niemandem verständigen. Eine der Frauen schaffte es schließlich doch, zur Polizei zu flüchten und ihre Peiniger anzuzeigen. 

Zwei Männer in Untersuchungshaft

Seit Mitte Februar sitzen nun die beiden Männer in Untersuchungshaft, die mitangeklagte Frau ist auf freiem Fuß. Für das Strafverfahren sind derzeit neun Verhandlungstage bis in den Oktober hinein angesetzt. 

Zuhälter will schweigen

Zu Prozessbeginn kündigte der mutmaßliche Hauptangeklagte bereits an, dass er zu den massiven Anklagevorwürfen der gewerbsmäßigen Zuhälterei und gefährlichen Körperverletzung schweigen werde. 

Neues Gesetz soll Fälle wie diesen verhindern

Laut Stadt Hamm gibt es mehr als 300 Prostituierte (hier geht es zum Bericht), die in Hamm ihre Liebesdienste anbieten. Sie sollen seit dem 1. Juli 2017 durch das Prostituiertenschutzgesetz besser geschützt werden, unter anderem müssen sich alle Prostituierten beim Ordnungsamt melden. 

Zuvor müssen sie eine gesundheitliche Beratung beim Gesundheitsamt wahrnehmen. Ist beides erledigt, erhalten sie einen Lichtbildausweis, der künftig als Nachweis für die nun erlaubte Tätigkeit gilt. 

Im Video erklärt der Hammer Ordnungsamtsleiter Jörg Wiesemeier das Vorgehen der Stadt Hamm. 

 mw

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