Geschichte und Bedeutung der fleißigen Helfer

„112“ Jahre: Besonderer Geburtstag der freiwilligen Feuerwehren Hamm

Feuerwehrmänner und -frauen der Hammer Berufsfeuerwehr und Freiwilligen Feuerwehr (FF).
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Während in diesem Jahr überwiegend ohne Feuerwerk gefeiert wird, stehen die Feuerwehrmänner und -frauen der Hammer Berufsfeuerwehr und Freiwilligen Feuerwehr (hier bei einer Übung) dennoch bereit.

112 ist die Notrufnummer für die Feuerwehr. Aber 112 ist auch eine ganz besondere Zahl: Denn vor 112 Jahren war die freiwillige Hammer Feuerwehr quasi „komplett“. Wir blicken zurück und nach vorn.

Hamm - Silvester ist für die Feuerwehr einer der arbeitsreichsten Tage des Jahres. Klar, schließlich verursacht die Böllerei immer wieder Brände, Menschen werden verletzt. Durch das bundesweite Verkaufsverbot von Feuerwerk soll genau das morgen verhindert werden, um die Rettungskräfte und Krankenhäuser in Coronazeiten zu entlasten. Während in diesem Jahr überwiegend ohne Feuerwerk gefeiert wird, stehen die Feuerwehrmänner und -frauen der Hammer Berufsfeuerwehr und Freiwilligen Feuerwehr (FF) dennoch bereit.

Silvester ist nicht die einzige Feier, auf die viele der Hammer Einsatzkräfte in diesem Jahr verzichten. Eigentlich hätten gleich mehrere Einsatzbereiche der Freiwilligen Feuerwehr ihr 112-jähriges Bestehen in Anlehnung an die Notrufnummer 112 gefeiert – wenn Corona nicht gewesen wäre. „Alle Tage der offenen Tür mussten abgesagt werden“, erklärt der Rhyneraner Bereichsführer Friedrich Kulke. Ausfallen musste auch das Stadtbezirksfest Rhynern, das der Einsatzbereich Wambeln wegen des 112. Geburtstags seiner Freiwilligen Feuerwehr ausrichten wollte. Die Feiern zum 112. sollten der Bevölkerung eigentlich Einblicke in die Arbeit der ehrenamtlichen Brandschützer geben.

Mehrere Einsatzbereiche im Jahr 1908 gegründet

Gleich mehrere Einsatzbereiche der Hammer Feuerwehr wurden im Jahr 1908 gegründet und können somit auf eine 112-jährige Geschichte zurückblicken. Dazu gehören die Freiwilligen Feuerwehren aus dem Gebiet des ehemaligen Amtes Rhynern, wie Friedrich Kulke erklärt. Diese umfassten neben den Stadtteilen des heutigen Bezirks Rhynern auch Teile des Bezirks Uentrop – darunter Norddinker, Mark und Uentrop – sowie Teile von Werl und Bönen. Aber auch die Freiwillige Feuerwehr Heessen wurde 1908 gegründet (siehe Text zur Historie weiter unten).

Heute sind in Hamm 870 Freiwillige Feuerwehrleute aktiv. Die Freiwillige Feuerwehr (FF) ergänze die Berufsfeuerwehr, sagt Kay-Henner Vienken, Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr. Das sei allein aufgrund der Größe des Stadtgebiets nötig: Die beiden Standorte der Berufsfeuerwehr mit den Wachen Mitte an der Hafenstraße sowie Ost am Hohefeldweg seien recht zentral gelegen, so dass die Freiwilligen Feuerwehrleute in den Außenbezirken Hamms oft schneller vor Ort sein können. Brennt es, würden in der Regel sowohl die Berufs- als auch die Freiwilligen Feuerwehren alarmiert, sagt Vienken.

Großbrände ohne Freiwillige nicht zu stemmen

Wie wichtig die Unterstützung der FF ist, zeigt sich unter anderem bei Großbränden wie dem bei der WDI – bei dem in der Spitze 400 Einsatzkräfte auf einmal vor Ort waren. So etwas ist ohne die FF gar nicht zu stemmen.

Wichtig ist dabei, dass die Zusammenarbeit funktioniert. Alle Rettungskräfte arbeiten nach denselben Standards und Vorschriften, sagt Vienken – und vor allem gemeinsam. „Auch im Einsatz arbeiten wir immer zusammen“, unterstreicht der FF-Sprecher.

Um mitzumachen, brauche es Charaktereigenschaften wie Idealismus, Gemeinschaftssinn und Kollegialität. Dies treffe letztlich auf alle Feuerwehrleute zu und mache die Feuerwehr erfolgreich, sagt Vienken.

Mitmachen: So geht‘s!

Wer sich bei der Freiwilligen Feuerwehr einbringen möchte oder Fragen dazu hat, kann sich bei Sprecher Kay-Henner Vienken oder seinem Stellvertreter Dirk Höltermann per E-Mail an sprecherff@feuerwehr-hamm.de melden. Weitere Infos gibt es zudem bei den Einsatzbereichsführern. Alle Kontakte gibt es im Internet unter www.feuerwehr-hamm.de.

1877 und 1908 sind die Geburtsdaten der Freiwilligen

Die Feuerwehr in Hamm wurde schon 1877 gegründet, die Freiwilligen Feuerwehren auf dem Gebiet des damaligen Amtes Rhynern sowie in Heessen kamen 1908 dazu. Wieso gerade in diesem Jahr? Grund war eine preußische Verordnung.

„Die Verordnung gab den Gemeinden auf, eine Feuerwehr zu gründen, um die Bevölkerung besser zu schützen“, erklärt der aktuelle Rhynern-Bereichsführer Friedrich Kulke. Bis dahin habe man sich fernab der Orte, in denen es – wie in Hamm – schon Feuerwehren gab, ohne Organisationseinheit geholfen. Kulke dazu: „So ist unter anderem ein Beleg vorhanden, dass es im Ort Süddinker schon vor über 200 Jahren eine Handdruckspritze gab.“

Schon in der Gründerzeit im Einsatz: Das Foto zeigt Feuerwehrleute aus Rhynern.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatten alle Gemeinden die Wahlmöglichkeit zwischen einer Freiwilligen- und einer Pflichtfeuerwehr. „Es entschieden sich schon damals alle Gemeinden für die Ehrenamtlichkeit“, sagt Kulke. Dass die Freiwilligen Feuerwehren auch heute noch eine wichtige Aufgabe in und für die Gesellschaft übernehmen, zeige, dass sie „sämtliche Herrschaftsformen überdauert haben“, sagt Friedrich Kulke.

Seit der Gründung hat sich aber vieles in den Feuerwehren verändert. Neue Geräte wurden erfunden, Häuser änderten sich ebenso wie die Anforderungen. Aktuell sorgt die Pandemie für einen Wandel. „Aus dem Löscheimer und der Handdruckspritze sind hochmoderne Hohlstrahlrohre und Motorpumpen geworden. Längst hat aber auch die Digitalisierung Einzug gehalten“, sagt Kulke.

Derzeit ändert die Pandemie vieles: Übungsabende können aufgrund der hohen Infektionszahlen nicht stattfinden, stattdessen werde auf Unterricht per Videokonferenz gesetzt – die Digitalisierung wird auch in der seit 112 Jahren bestehenden Gruppe immer wichtiger.

Warum wählt man im Notfall ausgerechnet die 112?

Die Notrufnummer 112 lernen heutzutage bereits Kleinkinder, um im Notfall helfen zu können. Dabei ist der Grund, warum die 112 als Notrufnummer deutschlandweit eingeführt wurde, ein trauriger.

Es war der 3. Mai 1969, als ein Auto den achtjährigen Björn Steiger auf dem Heimweg vom Schwimmbad erfasste. Obwohl Passanten sofort die Polizei und das Rote Kreuz alarmierten, dauerte es fast eine Stunde, ehe der Krankenwagen kam – das war zu lang, der Achtjährige starb. Die Todesursache waren nicht seine Verletzungen, sondern ein Schock. Das Problem: Zu dem Zeitpunkt gab es noch keine deutschlandweit einheitliche Notrufnummer – und das wollte der Vater von Björn Steiger nach dessen Tod ändern.

So schnell es geht im Einsatz: Die Feuerwehr übt häufig, um im Ernstfall schnell am Einsatzort zu sein, wenn die 112 gewählt wird.

Er gründete die Björn-Steiger-Stiftung und kämpfte energisch und letztlich erfolgreich dafür, dass 1973 die bis heute bekannten Notrufnummern 110 für die Polizei und die 112 für die Feuerwehr und den Rettungsdienst in ganz Deutschland verbindlich wurden.

In der DDR galten die Nummern schon seit 1958. Seit dem 11. Februar – also dem 11.2. – des Jahres 1991 gilt die Notrufnummer 112 in allen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union.

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