Nachhilfe und Klassenfahrten

"Youcard" hilft tausenden bedürftigen Hammer Kindern

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Präsentation der "Youcard" im April 2012.

Hamm - Seit der Einführung der „Youcard“ in Hamm im Jahr 2012 hat nicht nur die Zahl der Nutzer stetig zugenommen. Auch die Kosten haben sich mehr als verdoppelt.

Mit der Karte soll Kindern aus einkommensschwachen Familien nach dem Bildungs- und Teilhabegesetz des Bundes die Teilnahme an verschiedenen Aktivitäten im Schulleben und in der Freizeit ermöglicht werden. Unter anderem wird das Schulmittagessen bezahlt.

Kostete das Programm die Verwaltung 2012 noch 1,7 Millionen Euro, waren es im Jahr 2017 3,3 Millionen Euro. Von Januar bis Juli 2018 sind bisher knapp zwei Millionen Euro an Kosten entstanden. Den Anstieg erklärt Stadtsprecher Tobias Köbberling damit, dass mehr Karteninhaber die „Youcard“ auch tatsächlich und öfter nutzen würden. Zudem hätten sich die Leistungen, wie das gemeinschaftliche Schulessen oder Freizeitaktivitäten ver teuert. „Wie stark die Karte von den Eltern tatsächlich in Anspruch genommen wird, liegt natürlich in der Hand der Eltern“, so Köbberling.

Hamm deutlich über Durchschnitt

Fast 10.500 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene nutzen nach Angaben der Verwaltung die „Youcard“ der Stadt Hamm – und damit über 95 Prozent der Anspruchsberechtigten. Im interkommunalen Vergleich liegt Hamm damit deutlich über dem Durchschnitt.

Aus einer Antwort des Bundessozialministeriums auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion geht hervor, dass 2017 nur für ein Viertel der Anspruchsberechtigten die Mittel auch tatsächlich abgerufen wurden.

Primär Leistungen in Sachen Schule

Wie viel Geld einzelne Familien durch die Nutzung der „Youcard“ einsparen, ließe sich nicht beziffern, so Köbberling. Das hänge stark davon ab, welche Leistungen beansprucht werden. Auffällig: Vor allem Leistungen in Bezug auf Schule werden wahrgenommen (siehe Zahlen weiter unten). Beiträge zur sozialen und kulturellen Teilhabe dagegen schlagen nur vergleichsweise gering zu Buche. Warum das so ist? „Solche Angebote muss man aktiv in die Wege leiten und dann auch beharrlich sein. Dazu sind weniger Menschen bereit“, so Köbberling.

"Äußerst erfolgreiches Instrument"

Kritik aus den Reihen der Wählergruppe Pro Hamm, dass Anträge teilweise mehr als drei Monate nicht bearbeitet würden, sei unbegründet. In Hamm würden alle Kinder im Arbeitslosengeld-II-Bezug bereits bei der Antragstellung auch mit einer „Youcard“ versorgt. „Mehr als zwei Drittel der Anspruchsberechtigten bekommt also die ,Youcard‘ ohne eine zusätzliche Beantragung“, erklärt Köbberling.

Der Richtwert für die Bearbeitungszeit der anderen Anträge liegt laut Stadtverwaltung bei maximal 30 Tagen. „Das kann zwar nicht immer eingehalten werden, resultiert aber daraus, dass Unterlagen manchmal nicht vollständig eingereicht wurden“, so Köbberling. Die Stadtverwaltung betrachtet die „Youcard“ als „äußerst erfolgreiches Instrument der Teilhabe“.

Die „Youcard“ in Zahlen:

Gesamtaufwendungen der Stadt für Maßnahmen im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepaketes (seit 2012 gibt es die „Youcard“):

2011: 1,028 Millionen Euro,

2012: 1,653 Millionen Euro,

2013: 2,272 Millionen Euro,

2014: 2,640 Millionen Euro,

2015: 2,812 Millionen Euro,

2016: 3,035 Millionen Euro,

2017: 3,298 Millionen Euro.

Die größten Kostenpunkte im vergangenen Jahr waren die Lernförderung (748.000 Euro), Schulbedarf (684.000 Euro) sowie Klassenfahrten und Tagesausflüge (635 000 Euro). Aktivitäten zur sozialen und kulturellen Teilhabe sind mit 260.000 Euro ein eher kleinerer Punkt.

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