Appelle an Stadt und Bund

100 Liter Altöl und viel Schnaps: Wilde Müllkippen bleiben Problem

Das Ergebnis von drei Stunden ehrenamtlicher Arbeit: Helfer der BG Weetfeld sammelten entlang der Provinzialstraße 120 Wein- und 241 Schnapsflaschen sowie weiteren Müll ein.
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Das Ergebnis von drei Stunden ehrenamtlicher Arbeit: Helfer der BG Weetfeld sammelten entlang der Provinzialstraße 120 Wein- und 241 Schnapsflaschen sowie weiteren Müll ein.

Der „Würstchenfresser von Weetfeld“, dessen weggeworfene Verpackungen an der Wilhelm-Lange-Straße Anfang des Jahres für viel Kopfschütteln gesorgt hatten, scheint nur die Spitze des Eisbergs zu sein.

Weetfeld/Pelkum/Herringen – Diese traurige Erkenntnis haben in den vergangenen Tagen die Bürgergemeinschaft (BG) gegen die Zerstörung der Weetfelder Landschaft und Frank Schulze-Bramey gewonnen. „Tatorte“ dieses Mal: die Provinzialstraße und die Straße Deutzholz. Im letzteren Fall ist mittlerweile die Polizei eingeschaltet worden.

Zeugen hatten am Sonntag im Waldgebiet Deutzholz, circa 500 Meter von der Sandbochumer Straße entfernt, 20 mit Altöl gefüllte Ölkanister gefunden. Ausgetreten sei bis zum Zeitpunkt des Auffindens der Fünf-Liter-Kanister zum Glück nichts, so die Polizei. Neben ihr war auch das Ordnungsamt über den Fall in Kenntnis gesetzt worden, um sich im Zuge einer Gefahrenabwehr, wie Schulze-Bramey schreibt, „kurzfristig um die Beseitigung des mutmaßlichen Sondermülls zu kümmern und ein Einsickern in den Boden zu verhindern“.

Vorschläge für weniger Abfälle

Dass dort Altöl illegal entsorgt wurde, wundert Schulze-Bramey nicht. Die Straße Deutzholz lade zu solchen Handlungen geradezu ein, schreibt er. Man könne sie nachts befahren, ohne von Passanten gesehen zu werden. „Da stellt sich natürlich die Frage, warum man die Durchfahrt nicht durch Barrieren verhindert?“ Der Altöl-Fund könnte aber auch die Folge davon sein, dass der Recyclinghof lange Zeit wegen Corona geschlossen war. „Wie so viele politische Entscheidungen im Rahmen der Corona-Pandemie eher eine fragwürdige.“

Neben Schulze-Bramey haben sich auch Vorsitzender Ulrich Schölermann und seine Mitstreiter von der BG Weetfeld Gedanken darüber gemacht, wie „wilde Müllkippen“ in Zukunft unterbunden werden können. „An den Gesetzgeber möchten wir appellieren, die Mitnahmemöglichkeiten am Außenschalter der Burger-Ketten für Autofahrer zu verbieten und das Pfand auf Getränke-Flaschen und -Dosen zu erhöhen“, fassten sie nach ihrer Säuberungsaktion entlang der Provinzialstraße zusammen.

Gefährlich: Am Deutzholz wurden 20 Fünf-Liter-Kanister mit Altöl entsorgt.

Abfall am Straßenrand wird zum Problem

Auf dem circa 1,6 Kilometer langen Straßenabschnitt wurden 120 Flaschen vorwiegend trockener Weißwein gefunden. „Ferner waren 241 Schnapsflaschen der Marken Underberg und Kümmerling dabei sowie weitere Jägermeister-, Whisky- und Wodkaflaschen.“ Auch Bier-Pfandflaschen und Pfand-Getränkedosen habe man gefunden.

Das war aber längst noch nicht alles. Unter anderem fielen den Helfern der BG auch fünf Säcke Stalleinstreu, Lattenrostbretter, Tapetenreste, Autoreifen, Mitnahmeverpackungen von Burgern und „Kaffee to go“ in die Hände. Insgesamt konnte damit ein mittelgroßer Anhänger gefüllt werden.

Freude und Unverständnis bei Bürgern

Wie Schölermann berichtete, hätten viele vorbeifahrende Radfahrer und Autofahrer den Daumen nach oben gezeigt oder lobende Worte parat gehabt. Es habe aber auch etliche Sprüche gegeben, die sich die sechs Mitglieder der BG Weetfeld anhören mussten. „Ein am Straßenrand stehender Raucher, der seine Kippe gerade weggeworfen hatte, konnte nicht verstehen, dass in einer Kippe so viele Schadstoffe für Boden und Grundwasser enthalten sind, dass Fische und Wasserinsekten dadurch verenden können: Neben Nikotin sind es Arsen, Blei, Chrom, Kupfer, Cadmium, Formaldehyd, Benzol und weitere krebserregende Stoffe. Bis zu 15 Jahre kann sich eine Kippe im Süßwasser halten.“

Was den BG-Vorsitzenden nicht weniger ärgerte: Mehrere Autofahrer hielten es offenbar nicht für nötig, langsam an den Sammlern vorbei zu fahren. „Das war schon sehr unangenehm.“

Keine Probleme wegen Gebührenzahlung

Übrigens: Neuigkeiten gibt es auch vom „Würstchenfresser“. Der hat offenbar eine neue Geschmacksrichtung eingeschlagen. Neben den Bockwurstpackungen wurden viele Plastikverpackungen der Marke „Bayerischer Leberkäse“ gefunden. Auch einige Frikadellenpackungen waren dabei, die teils noch gefüllt waren und offensichtlich den Geschmack des hungrigen Autofahrers nicht getroffen hatten.

Die Aktion der BG war nach drei Stunden beendet. Am Montag wurde der Müll entsorgt. „Mit dem ASH konnte die entsprechende Absprache getroffen werden, dass es bei der Müllannahme keine Probleme wegen einer Gebührenzahlung gibt.“ Wie Schölermann sagte, habe keiner der Müllsammler diesen Job gern gemacht. „Alle waren sich aber einig, dass es mehr als nötig war und im nächsten Jahr wiederholungsbedürftig ist, dann hoffentlich wieder im Rahmen des regulären ,Frühjahrsputzes’ der Stadt Hamm.“

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