Unterschätzte Gefahren

Zwölf Tote an Portugals Küste

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Wunderschönes Naturspektakel oder Todesfalle? Die Wellen an der portugiesischen Atlantikküste sollten nicht unterschätzt werden.

Madrid/Lissabon - Innerhalb von einer Woche sind nun bereits zwölf Menschen an der portugiesischen Küste von den Wellen mitgerissen worden. Warum die Küste um diese Jahreszeit so gefährlich ist:

Eigentlich hatte Toni diesmal mit seinen Freunden nicht zum Fischen auf das Meer hinausfahren wollen. Aber dann ließ der 40-jährige Portugiese sich doch überreden. Es sollte seine letzte Angeltour sein. Toni war einer von den sechs Sportfischern aus Barreiro am südlichen Tejo-Ufer, die am Wochenende im Atlantik ertrunken sind, nachdem ihr Boot von einer Woge umgeworfen worden war. Ein siebter Bootsinsasse konnte sich schwimmend an einen Strand südlich von Lissabon retten.

„Toni wollte für seine Tochter zu Weihnachten ein Kleid kaufen“, berichtete ein Bekannter der Zeitung „Público“. „Er war - ebenso wie seine Frau - arbeitslos. Mit dem Verkauf der gefangenen Fische verdiente er sich etwas Geld dazu.“

Zwölf Tote in einer Woche

In gut einer Woche kamen an Portugals Küste zwölf Menschen in der Brandung ums Leben. Am 15. Dezember waren am Strand von Meco bei Setúbal sieben Studenten von einer Riesenwelle ins Meer gerissen worden. Nur einer konnte zurück an Land schwimmen, drei wurden tot geborgen. Zwei junge Frauen und ein Mann wurden noch vermisst. Es besteht keine Hoffnung, dass sie noch am Leben sind.

„Hohe Wellen sind an der portugiesischen Küste normal“, sagte Antonio Santos Martinho vom Hydrographischen Institut. „Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass bei den jüngsten Unglücksfällen außergewöhnliche Wogen eine Rolle gespielt haben.“ Zahlreiche Orte an Portugals Atlantikküste wie Nazaré, Ericeira, Peniche oder Sagres werden gerade wegen des hohen Seegangs als Surferparadiese geschätzt.

Unterschätzte Gefahr

Allerdings birgt die Küste Gefahren, die zuweilen missachtet oder unterschätzt werden. Seit 2007 starben mehr als 40 Menschen, darunter auch mehrere Touristen, die von Wellen weggerissen worden waren. Die Gefahren sind nach Angaben von Experten aus zwei Gründen im Herbst und Winter deutlich größer als in den anderen Jahreszeiten. Zum einen wird der Atlantik dann häufiger von Stürmen aufgepeitscht. Zum andern trägt die See im Herbst an den Stränden Sand ab, so dass der Untergrund abrupter in die Tiefe abfällt. Dies hat zur Folge, dass die Wellen am Strand nicht wie im Sommer allmählich auslaufen, sondern erst kurz vor der Küste brechen und mit voller Wucht auf das Land krachen.

Außerdem lassen sich unerfahrene Besucher bei einem Blick auf das Meer oft täuschen; denn es treten immer wieder Wellen auf, die deutlich höher sind als der normale Seegang. Bei dem Unglück in Meco waren nach Annahmen des Hydrographischen Instituts die Wellen etwa drei Meter hoch. Dies könne bedeuten, dass einzelne Wogen eine Höhe von bis zu sechs Metern erreichten, sagte der Experte Santos Martinho der Zeitung „Público“.

Als eine besondere Gefahrenquelle gelten die Rinnen, durch die das Wasser der ausgelaufenen Wellen ins Meer zurückströmt. „In diesen Rinnen erreicht die Strömung zuweilen eine Geschwindigkeit von zwei Metern pro Sekunde, berichtet der Meeresforscher Antonio Pires Silva. „Schon bei eine Geschwindigkeit von einem Meter pro Sekunde hält sich kein Mensch auf den Beinen, der bis zu den Knien im Wasser steht.“ Das Hydrographische Institut bereitet für den kommenden Sommer eine Kampagne vor, um vor den Gefahren dieser Rinnen an den Stränden zu warnen.

dpa

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