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Debatte um Winnetou: Ravensburger nimmt Bücher aus dem Verkauf

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Von: Daniel Schinzig

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Der Verlag Ravensburger nimmt nach Rassismus-Vorwürfen zwei Bücher zu dem neuen „Winnetou“-Film vom Markt. Das sorgt für eine hitzige Diskussion.

Hamm - Für viele Menschen in Deutschland und auf der ganzen Welt ist Apachen-Häuptling Winnetou ein edler Held der Kindheit. In den Romanen von Autor Karl May und in mehreren Verfilmungen erlebte der Indianer große Abenteuer im Wilden Westen. Der Kult um die fiktive Figur hält bis heute an. Jüngst kam mit „Der junge Häuptling Winnetou“ sogar ein neuer Film für Kinder in die Kinos. Und der sorgt jetzt für reichlich Wirbel in den sozialen Netzwerken. Nach negativen Rückmeldungen und Rassismus-Vorwürfen handelt nun der Ravensburger Verlag: Er nimmt zwei Bücher und andere Begleitartikel zu dem Film vom Markt. Vollkommen überzogen oder gerechtfertigt?

Diskussion um Winnetou: Ravensburger nimmt Bücher aus dem Verkauf

Unter anderem auf Instagram verkündet der Ravensburger Verlag: „Wir haben die vielen negativen Rückmeldungen zu unserem Buch Der junge Häuptling Winnetou verfolgt und wir haben heute entschieden, die Auslieferung der Titel zu stoppen und sie aus dem Programm zu nehmen.“ Eine Ankündigung, auf die viele Fans des Apachen verärgert reagieren. Sie machen nun ihrem Ärger online freie Luft. Aber worum geht es eigentlich genau?

Die vom Ravensburger Verlag angesprochenen negativen Rückmeldungen kritisierten, dass in dem Film und dementsprechend auch in den von Ravensburger angebotenen Büchern ein romantisierendes Bild mit vielen Klischees gezeigt würde. Das sei angesichts der realen Geschichte und der Unterdrückung der indigenen Bevölkerung in der heutigen Zeit nicht mehr angemessen.

Dass Ravensburger nun auf die Kritik direkt mit einem Rückruf der Bücher und Fanartikel reagiert, halten viele für einen sehr drastischen Schritt. Auch Prominente und Menschen des öffentlichen Lebens schalten sich in die Debatte um Winnetou ein. So schreibt der ehemalige Politiker Sigmar Gabriel auf Twitter: „Als Kind habe ich Karl Mays Bücher geliebt, besonders Winnetou. Als mein Held starb, flossen Tränen. Zum Rassisten hat mich das ebenso wenig gemacht wie Tom Sawyer&Huckelberry Finn. Und deshalb bleibt Winnetou im Bücherregal für meine Kinder. Und den Film schauen wir uns auch an.“

Edler Held oder gefährlicher Stereotyp: Winnetou-Bücher vom Markt genommen

Auch eine Schauspielerin, die an einem der klassischen „Winnetou“-Filme mit Pierre Brice in der Hauptrolle beteiligt war, schaltete sich in die Diskussion ein. In den Geschichten gäbe es Gute und Böse, erklärte Uschi Glas. „Sie haben weiße oder rote Haut. Es bildet das echte Leben ab. Man soll doch aufhören, hier auf Biegen und Brechen einen Anlass zu finden, über etwas zu schimpfen“, sagte sie der Bild - und sorgte damit direkt für einen weiteren Streitpunkt. So schreibt ein Twitter-Nutzer, er sei irritiert davon, dass Uschi Glas sagt, die Bücher würden das echte Leben abbilden.

Die Neue Osnabrücker Zeitung hat mit einem Karl-May-Experten gesprochen. Kunstpädagogik-Professor Andreas Brenne hält die Geschichten um Winnetou und dementsprechend auch die vorm Markt genommenen Bücher für unbedenklich. Dass die Artikel wegen eines „Shitstorms“ aus den Regalen verbannt werden, sie für Brenner nicht der richtige Schritt. Der Vorwurf der falschen kulturellen Aneignung sollte nicht einfach unreflektiert generalisiert werden. „Schon das Verkleiden als Indianer gilt dann als rassistischer Akt“, erklärt der Experte - und macht auch darauf aufmerksam, dass Vorbemerkungen in den Büchern deutlich machen, dass es sich um fiktive Geschichten handelt.

Kinostart - "Der junge Häuptling Winnetou": Mika Ullritz (l) als Winnetou und Milo Haaf als Tom Silver in einer Szene des Films „Der junge Häuptling Winnetou
Mika Ullritz (l) als Winnetou und Milo Haaf als Tom Silver in einer Szene des Films „Der junge Häuptling Winnetou“. Ravensburger hat zwei Bücher zu dem Film vom Markt genommen. © picture alliance/dpa/Leonine

Der Film „Der junge Häuptling Winnetou“ wurde von der Deutschen Film- und Medienbewertung übrigens mit dem Prädikat „Besonders wertvoll“ ausgezeichnet. Ein Großteil der Jury sah kein Problem mit dem Film, da Karl May schon die Vorlagen aus seiner Fantasie geschrieben hatte, den „Wilden Westen“ niemals selbst besuchte. Der Abenteuerfilm wäre daher mit seinen Figuren und dem Setting eher ein Märchen. Allerdings sahen das nicht alle Jury-Mitglieder so. Einige waren durchaus der Meinung, dass man in der heutigen Zeit keine Geschichten, die echte Geschehnisse so sehr ignorieren und romantisieren, mehr machen sollte.

Nicht nur mit Winnetou geht es immer wieder weiter. Auch ein weiterer Kult wurde nun wieder aufgefrischt. Die neue „Game of Thrones“-Serie „House of the Dragon“ ist gestartet. Wo kann man sie schauen? Wer eher Lust auf interaktive Unterhaltung und Wettkampf hat, darf sich freuen: Ein Wochenende lang können alle Playstation-Spiele gratis online gezockt werden.

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