Durch Frechheit in die Freiheit

Webseite gefälscht: Knacki hackt sich aus Gefängnis

London - Berühmte Gefängnisausbrecher haben Tunnel gegraben, sich in Wäschekörben versteckt und halsbrecherische Sprünge über Mauern gewagt. Im Internet-Zeitalter reicht Dreistigkeit und eine E-Mail.

Ganz England lacht über Neil Moore. Wegen mehrfachen Betrugs saß er im Gefängnis von Wandsworth im Südwesten von London: 1,8 Millionen Pfund (2,5 Millionen Euro) soll er sich mit falschen Rechnungen ergaunert haben, um seinen ausschweifenden Lebensstil zu finanzieren. Mit einem auf den ersten Blick eher simplen Trick gelang es dem Verurteilten, sich aus der gefürchteten Haftanstalt einfach selbst zu entlassen.

Der 28-Jährige hatte sich ein Mobiltelefon in die Zelle schmuggeln lassen - für sich genommen nichts sonderlich Unübliches. Das Handy nutzte er jedoch, um eine Webseite zu erstellen. Die Domain war dem Original der britischen Gerichtsbarkeit zum Verwechseln ähnlich: Die Justizbehörden nutzen hmcts.gsi.gov.uk - Moore ersetzte nur die Punkte durch Bindestriche und nutzte die Domain hmcts-gsi-gov-uk.

Niemand bemerkte den Tippfehler

Jetzt brauchte er nur noch eine E-Mail zu schreiben, sich darin als Gefängnisbeamter auszugeben und seine eigene Freilassung anzuordnen. Um das Ganze nicht zu unglaubwürdig wirken zu lassen, gab er "Auf Bewährung" an - und schon öffneten sich die Schlösser der Gefängnistüren. Dass er das Gerichtsurteil über seine angebliche Freilassung dem „Southwalk Crown Court“ zuschrieb und dabei den Namen „Southwark“ falsch schrieb - nun ja, auch die scharfen Hunde im Knast von Wandsworth haben mal einen schlechten Tag.

Sein Motiv ist dabei fast tragisch: Er fürchtete, dass seine Beziehung zu einem Transsexuellen auffliegen und er deswegen im Knast gedemütigt werden könnte. 

Richter "bewundert" Raffinesse des Ausbrechers

Wenige Tage nach der spektakulären Flucht stellte er sich aber wieder der Justiz - nachdem seine Anwälte ihn im Gefängnis vergeblich gesucht hatten. Das war vor einem Jahr. Am Montag musste er sich vor dem Southwark Crown Court in London sein nächstes Urteil anhören: Wegen der Flucht erhielt der 28-Jährige noch einmal sieben Jahre Haft.

Das Urteil von Richter David Hunt war hart, er sprach von „Abschreckung“. In der Begründung zog er aber fast ein wenig den Hut vor der Frechheit des jungen Mannes. „Die Art, wie sie ihre Flucht arrangiert haben, ist vermutlich eine größere Bedrohung für die Integrität des Justizvollzugs und damit für die Öffentlichkeit als die bloße Anwendung von brutaler Gewalt“, sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung. Er nannte die Tat zudem „durchdacht und raffiniert“.

afp

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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