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Forscher warnen vor Gefahren durch Vulkanausbrüche: „Unterschätzen das Risiko massiv“

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Von: Patrick Huljina

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Forschern zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Vulkanausbruch der Stärke 7 oder größer in 100 Jahren bei einem Sechstel. Die Welt sei „bedauernswert unvorbereitet“.

Cambridge/Birmingham - Der Hunga-Tonga-Hunga-Ha‘apai vor Tonga, der Merapi in Indonesien, der Cumbre Vieja auf La Palma – das sind nur drei der Vulkane, die innerhalb eines Jahres ausgebrochen sind und große Zerstörungen angerichtet haben. Wissenschaftler des Centre for the Study of Existential Risk (CSER) an der Universität Cambridge und von der Uni Birmingham warnen nun in einem Paper, das im Fachmagazin Nature veröffentlicht wurde, die Gefahr eines noch größeren Vulkanausbruchs ernst zu nehmen und mehr Geld in die Beobachtung und die Vorbereitung auf den Ernstfall zu stecken.

Vulkanausbrüche: Forscher warnen vor großer Gefahr – Welt „bedauernswert unvorbereitet“

Ein massiver Vulkanausbruch könnte die Welt in eine Krise von ähnlichem finanziellem Ausmaß stürzen wie die Corona-Pandemie, warnen die Forscher. Ihnen zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Ausbruch der Stärke 7 oder größer in 100 Jahren bei einem Sechstel. Die Welt sei „bedauernswert unvorbereitet“ für einen massiven Vulkanausbruch und die wahrscheinlichen Folgen für globale Lieferketten, Klima und Nahrungsmittel, heißt es in dem veröffentlichten Paper.

Eruptionen dieses Ausmaßes hätten in der Vergangenheit abrupte Klimaveränderungen und den Kollaps ganzer Zivilisationen ausgelöst, warnte die Risiko-Expertin Lara Mani vom CSER der Mitteilung zufolge. Sie verglich die klimatischen Folgen eines massiven Vulkanausbruchs mit dem Einschlag eines Asteroiden von einem Kilometer Durchmesser auf der Erde.

Forscher warnen vor Gefahr von Vulkanausbrüchen: „Unterschätzen das Risiko massiv“

Obwohl das kombinierte Risiko einer Asteroiden- oder Kometenkollision mit der Erde nur ein Hundertstel der eines massiven Vulkanausbruchs betrage, werde sehr viel mehr Geld in die Beobachtung von Asteroiden gesteckt als in die Erforschung von Vulkanen, bemängeln die Forscher. „Das muss sich dringend ändern. Wir unterschätzen das Risiko für unsere Gesellschaften durch Vulkane massiv“, sagte Mani.

Den Forschern zufolge sollte der Vulkanausbruch vor der Südseeinsel Tonga im Januar dieses Jahres als Weckruf dienen. Forscher entdeckten damals infolge der Eruption mysteriöse Wellen in der Atmosphäre. Hätte der Ausbruch länger angedauert, mehr Asche und Gas emittiert oder in einer Region mit mehr kritischer Infrastruktur stattgefunden, wie beispielsweise dem Mittelmeer, wären die globalen Folgen wohl verheerend gewesen.

Mitarbeiter des Geologischen Dienstes von Tonga beobachten und überwachen den Ausbruch des Vulkans Hunga-Tonga-Hunga-Ha‘apai aus sicherer Entfernung.
Im Januar ist der Vulkan Hunga-Tonga-Hunga-Ha‘apai vor Tonga ausgebrochen. (Archivbild) © Tonga Geological Services/dpa

Tickende Zeitbomben: Wissenschaftler fordern bessere Überwachung von Vulkanen

Der letzte Vulkanausbruch der Stärke 7 ereignete sich im Jahr 1815 in Indonesien und hatte dramatische klimatische Folgen, die auch in Europa zu spüren waren und zu Hungersnöten, gewaltsamen Aufständen und Epidemien führten. Das auf diesen Ausbruch des Vulkans Tambora folgende Jahr 1816 wird auch als „Jahr ohne Sommer“ bezeichnet. „Wir leben jetzt in einer Welt mit der achtfachen Bevölkerung und dem vierzigfachen Handel von damals. Unsere komplexen Netzwerke könnten uns noch empfindlicher machen für die Erschütterungen eines großen Ausbruchs“, sagte Co-Autor Mike Cassidy, Vulkanologe von der Universität Birmingham.

Die Forscher hoffen daher auf eine bessere Überwachung vulkanischer Aktivität – beispielsweise durch einen Satelliten, der nur dafür bestimmt ist – und die Erforschung von Methoden, um Ausbrüche und ihre Folgen abzumildern. Es könne noch Dutzende gefährliche Vulkane geben, von denen die Menschheit nichts wisse, besonders in bisher von der Wissenschaft vernachlässigten Regionen wie Südostasien. Bei weniger als einem Drittel der Vulkanausbrüche seit 1950 seien Seismometer zur Erfassung der Bodenschwingungen in der Nähe gewesen und wiederum nur ein Drittel der erfassten Daten sei bislang in eine globale Datenbank eingeflossen.

Das Risiko für einen massiven Vulkanausbruch, der die globale Gesellschaft zerstöre, sei erheblich, sagte Mani. Die Expertin erklärte, der aktuelle Mangel an Investitionen sei „einfach verantwortungslos“. In der kalifornischen Sierra Nevada brodelt seit fast 800.000 Jahren der Super-Vulkan Long Valley Caldera. Auch in Deutschland schlummert ein Vulkan – unter dem Laacher See in der Eifel. (ph/dpa)

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