Mehr als 300 Tote bei Gefängnisbrand

Tegucigalpa - Bei einem Brand in einem Gefängnis in Honduras sind nach Behördenangaben mindestens 300 Menschen ums Leben gekommen.

Eingeschlossene Häftlinge schrien verzweifelt um Hilfe, als eine Feuerwalze durch das Gefängnis in der honduranischen Stadt Comayagua rollte. Sie hätten “Feuer, Feuer“ gerufen, sagte der Gefangene Silverio Aguilar dem Radiosender HRN. Allein in seiner Zelle seien 60 Häftlinge eingesperrt gewesen. “Zunächst hat uns niemand gehört. Aber nach einigen Minuten, die uns wie eine Ewigkeit vorkamen, kam ein Wärter mit den Schlüsseln und ließ uns raus.“

Drama in Honduras: Viele Tote bei Gefängnisbrand

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Mindestens 300 Häftlinge kamen bei dem Inferno am Dienstagabend ums Leben. 21 weitere Menschen wurden verletzt. 475 Gefangene seien in dem Tumult entkommen und 356 würden noch vermisst, sagte der Sprecher der honduranischen Sicherheitsministeriums, Hector Ivan Mejia. Sie gehe davon aus, dass die meisten Vermissten tot seien, sagte die gerichtsmedizinische Leiterin der Staatsanwaltschaft, Lucy Marder. Da viele Opfer bis zur Unkenntlichkeit verbrannt seien, dürfe es mindestens drei Monate dauern, alle Toten mittels DNA-Tests zu identifizieren.

In dem Gefängnis hätten sich “entsetzliche Szenen“ abgespielt, sagte Feuerwehrsprecher Josue Garcia. Offenbar kam für viele die Rettung zu spät, weil die Wärter mit den entsprechenden Schlüsseln nicht aufzufinden waren. “Rund 100 Häftlinge sind in ihren Zellen verbrannt oder erstickt“, sagte Garcia.

Am Mittwochmorgen hätten sich wütende Angehörige der Opfer vor dem Gefängnis versammelt und versucht, die Haftanstalt zu stürmen, berichteten Augenzeugen der Nachrichtenagentur AP. Im Fernsehsender Canal 5 waren Dutzende Angehörige zu sehen, die Steine auf Polizisten schleuderten. Die Beamten feuerten Tränengas in die Menge. “Wir wollen den Leichnam sehen“, sagte Juan Martinez, dessen Sohn unter den Toten sein sollte. “Wir bleiben hier, bis wir das tun können.“

Mehr als 800 Häftlinge waren in dem Gefängnis untergebracht

In dem 140 Kilometer nördlich der Hauptstadt Tegucigalpa gelegenen Gefängnis waren mehr als 800 Häftlinge untergebracht. Nach Behördenangaben war das Feuer ausgebrochen, nachdem einer der Gefangenen seine Matratze in Brand gesteckt hatte. “Einige seiner Zellengenossen sagten, er habe gerufen: 'Wir werden alle hier sterben'. Fünf Minuten später stand alles in Flammen“, sagte der Leiter der Strafvollzugsbehörde, Danilo Orellana, der AP.

Hunderte Angehörige der Insassen versuchten im Krankenhaus Santa Teresa im Staat Comayagua, den Verbleib ihrer Verwandten in Erfahrung zu bringen. Das Krankenhaus behandelte nach Angaben der Gerichtsmedizinerin Marder zwölf Gefangene mit Verbrennungen. Neun weitere Brandopfer wurden in das Krankenhaus Escuela in Tegucigalpa gebracht.

Der honduranische Präsident Porfirio Lobo verhängte im Juli 2010 den Ausnahmezustand in neun der insgesamt 24 Gefängnisse in Honduras. Der damalige Minister für innere Sicherheit nannte die überbelegten Gefängnisse des Landes “Universitäten der Kriminalität“.

dapd

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